Plötzlich Baby-Fotografin

Fasziniert von Babys: Dreimal in der Woche fährt Christin Brandt ins KMG-Klinikum und setzt die Kleinen sanft in Szene.Karina Hoppe
Fasziniert von Babys: Dreimal in der Woche fährt Christin Brandt ins KMG-Klinikum und setzt die Kleinen sanft in Szene.Karina Hoppe

von
15. Februar 2010, 06:51 Uhr

Güstrow/Raden | Eigentlich weiß sie immer noch nicht, wie ihr geschieht. Plötzlich hat Christin Brandt (25) neben ihrem Job als Mediengestalterin bei der Werbeagetur Haak & Bartz noch einen Erwerb - als Baby-Fotografin, hauptsächlich im KMG-Klinikum Güstrow. Montags, mittwochs und freitags macht sich die junge Radenerin nach ihrer Arbeit auf den Weg in die Geburtenstation. Sorgfältig verstaut in ihrer Tasche sind neben Spiegelreflex-Kamera, Stativ und mobiler Softbox auch ein Schaf-Fell, seidene Tücher und zuckersüße Wollmützchen. Klopf, klopf: "Guten Tag, darf ich ihr Baby fotografieren?" Die meisten sagen Ja.

Christin Brandt hat eine Affinität zur Fotografie, solange sie denken kann. Die Ausbildung als Fotomedienlaborantin am Max-Planck-Institut Dortmund hat diese Leidenschaft noch verstärkt, den theoretischen Unterbau dafür geliefert. Drei Jahre war die Radenerin im Ruhrgebiet - und dann kam das Heimweh. "Ich hab Glück gehabt und hier gleich einen Job bekommen, arbeite seit fast vier Jahren in der Firma."

Aber nebenbei und immer wieder hat Brandt zu Hause in ihrem kleinen Studio und auch auswärts Menschen fotografiert. "Landschaften haben mich nie interessiert, ich mag am liebsten Porträts." Von einer Bekannten machte sie Aufnahmen während der Schwangerschaft. Das Kind kam im KMG-Klinikum zur Welt, wo die junge Mutter ins Gespräch mit einer Schwester kam, die wiederum gerade auf der Suche war nach einer Baby-Fotografin. So entstand der Kontakt, so kam Christin Brandt zu ihrem Nebenjob. "Ich bin jetzt noch ganz erstaunt, wie sich das alles ergeben hat."

Wenn Christin Brandt ein Zimmer in der Geburtenstation betritt und ihr Anliegen vorstellt, sind manche Mütter zunächst zögerlich. Fotos? Gerade in einem Moment, wo Frau sich nun wirklich nicht attraktiv fühlt… Es geht um die Babys, wenn das klar ist, gehe meist alles seinen Gang - und am Ende gibt es doch noch Fotos mit den Eltern oder zumindest dem Papa, gern auch den Geschwistern. "Die sind immer besonders süß, so sehr vorsichtig."

Manche Babys räkeln sich so, als hätten sie nie etwas anderes in ihrem Leben getan. "Sie schauen richtig in die Kamera." Andere seien nicht wach zu kriegen. Wieder andere weinen nach dem dritten Bild, "dann höre ich natürlich auf". Am liebsten fotografiert Christin Brandt die Kinder ohne Strampler, gern auf das Schaffell gebettet. "Das muss dann immer ziemlich schnell gehen, damit es ihnen nicht kalt wird." Die Fotografin arbeitet auf Risiko, niemand sei verpflichtet, ihre Bilder am Ende zu erwerben, aber viele täten es. "Zwei, drei Wochen später sehen die Kinder schon wieder völlig anders aus."

Erstaunt ist die junge Frau nach wie vor darüber, wie unterschiedlich die Babys aussehen. "Jedes wirklich anders." Ein Traum-Job sei diese Arbeit, denn immer stoße Christin Brandt zu Menschen, die gerade großes Glück erfahren haben. Nicht jedes Kind könne sie leider erwischen. Etwa, weil eine Mutter sehr schnell wieder nach Hause ist oder Babys an Schläuchen auf der Frühchen-Station liegen. Selbst ist die junge Frau im Übrigen noch keine Mutter, aber ihrer Freundin habe sie bei einer Geburt die Hand gehalten. "Ein erbender Moment."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen