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Lübz/ Plau/ Goldberg Volle Center, leere Innenstädte

Von anbe | 20.03.2012, 05:13 Uhr

Eine Einkaufstraße in jeder Stadt, unzählige Discounter auf der grünen Wiese, zwei Krankenhäuser in Reichweite und Fachärzte vor Ort - in Sachen medizinischer Versorgung und Einkaufsmöglichkeiten haben die Städte trotz ländlicher Lage einiges zu bieten.

Doch wie gut versorgt fühlen sich die Lübzer, Plauer und Goldberger in ihren Städten wirklich? Reichen die Ärzte vor Ort tatsächlich aus? Gibt es genügend Einkaufsmöglichkeiten? Und wie gut klappt die Zusammenarbeit mit den Behörden? Die große SVZ-Zufriedenheitsstudie gibt Aufschluss darüber.Medizinische Versorgung

Durchwachsene Noten für die medizinische Versorgung auf dem Land: In unserer großen SVZ-Zufriedenheitsstudie haben die Teilnehmer dem medizinischen Angebot in der Region schlechte Noten erteilt und Nachbesserung verordnet. Zwar konnten die Städte größtenteils punkten, aber die Dörfer fallen klar ab. Doch auch in größeren Orten scheint es Nachholbedarf zu geben, denn mit dem hiesigen Angebot an Ärzten, Apotheken und Krankenhäusern sind zumindest die Einwohner von Goldberg nicht zufrieden. 62 Prozent der Studien-Teilnehmer verteilten Note 4 oder sogar noch schlechter für das Angebot vor Ort. Beim Blick in die Zukunft wird vielen sogar noch banger. "Noch ist die medizinische Versorgung zu zufriedenstellend allerdings glaube ich, dass es in zehn Jahren nicht mehr so gut aussieht, wenn die jetzigen Ärzte in Ruhestand gehen", sagt ein Goldberger Altenpfleger.

Auch Lübz kann mit seinem medizinischen Angebot in unserer Umfrage nicht glänzen. Hier fallen die Ergebnisse sehr durchwachsen aus. Bewerten 35 Prozent der Teilnehmer das Angebot mit gut, ist es für 31 Prozent nur mangelhaft oder gar ungenügend. Eines der oft genannten Probleme stellt ein 70-jähriger Rentner heraus: An Fachärzten für HNO und Augenheilkunde fehle es in der Eldestadt.

Plau hingegen kann nicht nur mit seiner Klinik und dem Rehazentrum überzeugen. Auch das Angebot an Ärzten wird positiv bewertet: 53 Prozent bescheinigen der Seestadt ein "gut" bis "sehr gut" in dieser Rubrik.

Eines kristallisiert sich heraus: Städte mit Kliniken wie Plau schneiden bei unseren Studien-Teilnehmern wesentlich besser ab als ihre Konkurrenten ohne vergleichbare Einrichtungen. Auffällig: Je weiter die Studienteilnehmer von medizinischen Zentren in den Städten entfernt leben, und sei es nur im nächsten Ortsteil, desto negativer schätzen sie ihre medizinische Versorgung ein - nicht zuletzt wegen mangelnder Verkehrsanbindungen.

Einkaufsmöglichkeiten

Goldberg muss nachsitzen - zumindest in Sachen Einkaufsmöglichkeiten. 50 Prozent unserer Studienteilnehmer bewerten das Angebot an Geschäften, Boutiquen und Supermärkten als schlecht und verteilen Note 6. "Sachen des täglichen Bedarfs wie Kleidung - da gibt es hier keine Möglichkeit", resümiert ein Goldberger. Besonders in der Innenstadt gebe es keine Einkaufsmöglichkeiten für alte Leute, gerade bei Textilwaren und Lebensmitteln, fügt ein Ehepaar - er Mauerer, sie Erzieherin - hinzu.

Mit größtenteils guten Noten haben sich hingegen Plau und Lübz als Klassenprimus behauptet. Wochenmärkte, Einkaufszentren und kleine Geschäfte stellen scheinbar zufrieden. Die Studien-Teilnehmer attestierten die beiden Städten ein gutes bis sehr gutes Angebot an Einkaufsmöglichkeiten. 30 Prozent der Lübzer vergaben Note 1, 37 Prozent machten ihr Kreuzchen bei Note 2. Die Plauer vergaben zu 20 Prozent die Bestnote, 33 Prozent verteilten Note 2. Dennoch ist auch hier nicht alles Gold, was glänzt. In Lübz zum Beispiel monieren die Studien-Teilnehmer fehlende kleine Läden in der Innenstadt.

Auf den Dörfern schätzt man vor allem die Möglichkeiten des mobilen Einkaufs. Ohne die fahrenden Händler sehe die Versorgung hier vor allem der älteren Generation - meist schlecht aus.
Behörden

Amtsschimmel oder gute Zusammenarbeit? Wie kommt die Arbeit in den Amtsstuben an? Nicht gut, glaubt man einem Goldberger. "Die Behörden im Ort sind altmodisch in ihren Strukturen, zeigen sich wenig innovativ und modern. Das Personal ist oft sehr unfreundlich", moniert der 35-Jährige. Die Studien-Teilnehmer aus Goldberg sehen es gespalten: 50 Prozent verteilen die Noten 2 und 3, für 38 Prozent ist die Arbeit in den Behörden aber nur eine 5 oder gar 6 wert.

Lübz platziert sich im Mittelfeld: 74 Prozent der Teilnehmer vergeben die Note 2 bis 3. Zu defensiv seien die Mitarbeiter in den Amtsstuben, moniert ein Lübzer. Die Behörden seien zwar freundlich, aber telefonisch schwer zu erreichen, klagt hingegen eine 65-jährige Lübzerin.

In Plau gibt es harsche Kritik: "Es ist eine Katastrophe, dass in Plau am See soviel die Autofahrer abgezockt und schikaniert werden durch übereifrige Knöllchenschreiber. Das verärgert mit Sicherheit die Touristen und auch die einheimische Bevölkerung", ereifert sich ein 70-jähriger Plauer. Nicht nur auf der Straße, auch im Rathaus sorgen Stadtmitarbeiter scheinbar für Unmut. "Die Mitarbeiter des Rathauses - besonders Bau- und Ordnungsamt - betrachten sich häufig noch als die, die verbieten können. Ihre Funktion als Dienstleister wollen sie so recht nicht erkennen. Einzig der Bürgermeister kümmert sich fach- und sachgerecht. Ihm ist Kommunikation kein Fremdwort", sagt ein Plauer. Ähnlich sehen das auch die Teilnehmer der SVZ-Studie: Bei 53 Prozent fallen die Behörden durch, bekommen lediglich die Noten 4 bis 6. Lediglich 20 Prozent sind mit der Arbeit in den Amtsstuben fast anstandslos zufrieden.

Oftmals fehle es bei Behörden an der nötigen Freundlichkeit, bemängeln Teilnehmer aller drei Städte. Zumindest diese Kritik dürfte mit einem Lächeln aus der Welt zu schaffen sein.

Versorgung: Die Noten im Überblick:
So urteilten alle Studienteilnehmer über die Versorgungssituation in unserer Region inklusive aller Dörfer:

Medizinischer Versorgung
Note 1: 9%; Note 2: 30% ; Note 3: 19%; Note 4: 17%; Note 5: 9%; Note 6: 13%

Einkaufsmöglichkeiten
Note 1: 17%; Note 2: 34%; Note 3: 14%; Note 4: 9%; Note 5: 8%; Note 6: 14%

Behörden
Note 1: 5%; Note 2: 31%; Note 3: 27%; Note 4: 12%; Note 5: 12%; Note 6: 9%