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Ein Blick zurück Statistik ist nur die halbe Wahrheit

Von Simone Herbst | 24.12.2016, 15:00 Uhr

Plau schließt 2016 mit guten Ergebnissen in der Tourismusbrache. Aber: Verkehrspolitische Entwicklung bremst bereits Tagestourismus aus

Touristisch geht für Plau am See dieser Tage ein gutes Jahr zu Ende. „Auch wenn wir noch keine endgültige Zahlen haben, wir werden wohl das Vorjahresniveaus erreichen. Damals hatten wir erstmals die 460  000er Marke geknackt“, sagt Michael Wufka, Geschäftsführer der Plauer Tourist-Info GmbH und räumt im gleichen Atemzug ein, dass er eigentlich mit einem Rückgang bei den Übernachtungszahlen gerechnet hatte. Ein Grund ist das Wegbrechen zweier Pensionen vom Markt. Ein anderer Aspekt, der den Luftkurort profitieren ließ (wenn man das überhaupt so sagen kann), war die politische Entwicklung in der Welt. Nachdem sich zu Jahresbeginn die Lage in der Türkei und weiten Teilen des Mittelmeerraumes zugespitzt hatte, stiegen zunächst die Urlauber-Anfragen und bald auch die Buchungen in Plau. „Bereits im Frühjahr haben wir die verstärkte Nachfrage deutlich gemerkt“, erinnert sich Wufka. Darüber hinaus haben sich das stabile Wetter durch den Sommer, aber auch die warmen Abschnitte im September und Oktober in der Statistik bemerkbar gemacht.

Auch im Bereich der Tagestourismus kann der Luftkurort nicht klagen. Belegbar ist das auch anhand der vielen Tagesgäste, die in der Tourist-Info gezielt nach Veranstaltungen und Ausflugszielen nachgefragt hatten. Hinzu kommt der positive Effekt aus der Zusammenarbeit mit den Urlauberhochburgen an der Mecklenburgischen Seenplatte. So hat sich erneut das Partnermarketing mit Waren, Röbel, Rechlin und Malchow bezahlt gemacht. „In diesem Jahr haben wir erstmals auch mit einem gemeinsamen Gästepass gearbeitet. Mit dem Effekt, dass mehr Urlauber aus den Nachbarregionen aktiv auch bei uns unterwegs waren“, freut sich Wufka. Für den Plauer Geschäftsführer ein deutliches Zeichen, dass das Produkt funktioniert - sowohl für die Urlauber, die sehr viel mehr Tipps aus einer Hand an die Hand kriegen, als auch für die touristischen Anbieter vor Ort.

Plaus Veranstaltungshöhepunkte durch den Sommer, wie etwa die Ritterspiele, das Burghoffest, das Jubiläum zu 100 Jahre Hubbrücke oder die Badewannen-Rallye wirkten sich ebenso positiv auf den Tagestourismus aus. Schade, vielleicht aber auch wenig überraschend sei die Absage des Open Air Spektakels „Nabucco“ auf dem Klüschenberg gewesen, sagt Wufka.

Wenn auch noch ohne gravierende Auswirkungen auf die Plauer Tourismuszahlen in der Gesamtstatistik, so haben die Anbieter doch bereits in diesem Jahr die verkehrspolitische Entwicklung zu spüren bekommen. Und die reduziert sich nicht nur auf den Wegfall der Südbahn. Bereits seit 2001 müssen die Plauer auf die Nord-Südverbindung Güstrow-Meyenburg verzichten. Die Südbahnabkopplung zwischen Parchim und Waren verschärft die Lage für den Luftkurort. Urlauber, die es gewohnt waren, auf der Schiene ihre Urlaubsziele zu erreichen, haben sich anders orientiert. Was nicht heißt, dass sie nun mit dem Pkw anreisen. „Dies Klientel fällt fast vollständig weg“, sagt Michael Wufka und führt die dramatischen Einbrüche aus dem Hamburger Raum an. „Bei den Übernachtungen waren die Hansestädter nie stark, im Tagestourismus für die Region jedoch eine Größe.“ Radtouristen etwa, die sich häufig erst spontan um eine Unterkunft bemühen, sind so gut wie ganz ausgeblieben.

Nicht nur für Michael Wufka stellt sich angesichts dieser Entwicklung die Frage, wohin das Land verkehrspolitisch will? „Will man ausschließlich den Alltagsverkehr für die Einwohner oder sollte man in Urlauberregionen wie unserer den Fokus nicht weiter fassen und die touristischen Verkehrsströme mitbeachten?“ Egal, ob Einwohner oder Urlauber, es müsse möglich sein, sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln in der Region zu bewegen. Ebenso muss gewährleistet sein, dass die Oberzentren erreichbar sind. „Der Urlauber, der dreimal umsteigen und womöglich auch noch drei Tickets ziehen muss, wird wegbleiben“, ist sich Wufka sicher. In seinen Augen ist die momentane Entwicklung nicht richtig. Sie werde Plau mittel- bis langfristig vor große Probleme stellen und die könnten dann existenziell sein. „Meines Erachtens wird verkannt, dass wir nicht Ballungsraum sind, sondern plattes Land und das braucht andere Strukturen“, sagt Michael Wufka.

Auch im immer noch nicht gesicherten Breitbandausbau in Plau und den Ortsteilen sieht Wufka Ungemach auf den Luftkurort zukommen: „Urlauber und Gäste setzen heutzutage schnelles Internet ganz einfach voraus. Können wir es ihnen nicht bieten, bleiben sie weg.“