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Weihnachtsspaß Publikum in Märchenwald entführt

Von Redaktion svz.de | 20.12.2016, 06:00 Uhr

Lübzer „Schule Am Neuen Teich” führte mit „Der gestiefelte Kater“ sein neuestes Märchenstück auf.

Immer in der Vorweihnachtszeit schließen sie die Tür zum Schulalltag fest hinter sich zu und tauchen in eine bunte Theaterwelt ein: Lehrerinnen der Schule am Neuen Teich proben ein Märchenspiel, praktizieren viele Nachmittage lang Rollentausch, auch damit ihre Schüler sie einmal ganz anders wahrnehmen können. Auf Geschichten mit Tierfiguren fiel in den beiden letzten Jahren die Wahl, in diesem Jahr spielten sie gar ein Märchen, das sich um einen einzeln tierischen Hauptdarsteller dreht, um den superschlauen „Gestiefelten Kater“.

Das Märchenspiel des Kollegiums ist ein Weihnachtsgeschenk. Mehrfach wird es aufgeführt, auch für Grundschulen und Kindergarten in der Umgebung und nicht zuletzt für die Kooperationspartner und Ehemaligen der Schule. Viel Organisationsarbeit ist auf dem Weg bis zur Premiere zu bewältigen. Die Unterstützung der nicht direkt beteiligten Kollegen und vieler anderer Helfer, die unbemerkt im Hintergrund agierten, sei absolut Voraussetzung für das Gelingen gewesen, berichtet Elke Jost, die zusammen mit Schulleiter Steffen Petzak Regie führte. „Das ging so weit“, sagt sie anerkennend, „dass immer wieder die Eltern der schauspielernden (zumeist) Lehrerinnen sich während der Probenzeiten um die Enkel kümmerten.“

Nervige Organisation und kreative Leistung und Leichtigkeit – wie verträgt sich das? Wahrscheinlich so, dass Kreativität und ein Riesenspaß bei den Proben für den Rest entschädigen. „Ja, dieser Riesenspaß ist unser wichtigster Antrieb“, bestätigt Lehrerin Jost, die im Schulalltag als Mathe- und Deutschlehrerin wirkt. Und dieser „Spaß an der Freud“ war auch während der ganzen Abendaufführung zu spüren. Locker, lustig, leicht federte die Inszenierung über die Schulbretter. Die Freude, mit der die selbst entwickelten und nicht schriftlich fixierten Dialoge, die Gänge und Aktionen ausprobiert worden waren, schien zwischen den Spielern auch während der Aufführung noch zu wirken und nahm das Publikum sofort mit in den großen Grimmschen Märchenwald. Im Handlungszentrum agierte natürlich der dreist-schlaue Kater (Claudia Schielke), der seinen Herrn und Müllerburschen (Andrea Mogalle) dynamisch und zielorientiert vom armen Tropf zum Grafen befördert und dabei einige Unwahrheiten auftischt. Allerdings – es ist ja ein Märchen – nur auf Kosten eines bösen Zauberers (Steffen Petzak), der mit erschröcklich lauter Stimme und wehendem dunklen Mantel bei den Kindern im Publikum dann doch ein Frösteln hervorrief. Gelächter hingegen ernteten ein hochnäsiger König (Marina Buuck) mitsamt heiratswilliger Prinzessin (Babett Wabersinke). Die goldbesetzten Kostüme der beiden und die Livree ihres Domestiken (Ute Eggert) waren ein Augenschmaus und entführten zusätzlich in die Illusion, so auch das schöne, sehr detailreiche Bühnenbild, das wieder Hausmeister Frank Wahls gebaut hatte.

Und dann war da noch die Einlage eines gackernden, flügelschlagenden Haushuhns (Steffi Tesch), das einige Lachsalven herauskitzelte, aus dramaturgischen Gründen jedoch wenig später gegen handlichere Plüschtiere ausgetauscht wurde. Obgleich keine Profis, haben sie alle toll gespielt. Immer mit Verve und Tempo, Witz und Frische. Claudia Schielke, pausenlos aktiv (sehr gut geschminkt von Steffi Tesch), hätte gewiss auch in einem Profikindertheater gute Figur gemacht.