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Aktion rote laterne „Nicht nachlassen, liebe Freunde!“

Von ILBA | 03.02.2014, 22:00 Uhr

Noch nie so viele Besucher bei Mahnwache der Bürgerinitiative „ProSchiene“ gegen Bahnstreckenschließung wie beim jüngsten Mal in Lübz

Seit mehreren Monaten kämpft die Bürgerinitiative „ProSchiene Hagenow – Neustrelitz“ gegen die geplante Bahnstreckenschließung zwischen Parchim und Malchow und lädt an jedem letzten Freitagabend im Monat zur Mahnwache „Rote Laterne“ auf den Bahnhöfen entlang der Strecke ein. Zum jüngsten Treffen in Lübz kamen rund doppelt so viele Besucher (rund 50) wie üblich, unter ihnen diesmal zum Beispiel auch eine Abordnung des Barkower Posaunenchors.

In seiner Rede ging BI-Sprecher Clemens Russell noch einmal auf die Landtagsdebatte zum Vorschlag der Linken ein, die Schließungspläne vorerst auszusetzen (wir berichteten). Der Antrag wurde abgelehnt: „Die Debatte war heftig und zum Teil polemisch. Während Linke und Grüne sachorientiert argumentierten, mussten wir uns beispielsweise von dem SPD-Abgeordneten Schulte wüste Beschimpfungen anhören. Er nannte das Handeln der Bürgerinitiativen ,ein populistisches Machwerk der Linken’. Uns empören diese Vorwürfe und sie machen deutlich, wie wichtig es ist, wenn auch Schweriner Landespolitiker sich auf das Land begeben und mit den Leuten sprechen. Sogar Bundestagsabgeordnete sind hier schneller. Außerdem: Aus der Tierwelt weiß man, dass getroffene Hunde bellen.“

Nach einem Kontakt mit Michael Wufka, Geschäftsführer der Tourist Info Plau am See, sei man sich darüber hinaus schnell einig gewesen, dass er und die BI für die Wiederbelebung des Bahnanschlusses von Plau an die Südbahn über den Bahnhof Karow (die Gleise liegen noch) plädieren. Wufka schätze, dass zwischen 70 000 und 80 000 Touristen vor allem aus den Metropolen Hamburg und Berlin potentielle Bahnkunden sind. „Wer diesen Schatz nicht hebt, ist auch nicht glaubwürdig“, so Russell.

Heute stellen er und Monika Göpper (BI Malchow) bei Landrat Rolf Christiansen die Bürgerinitiativen entlang der Südbahn vor. Man werde Forderungen und Vorschläge diskutieren. Die BI wisse, dass der Landrat die Südbahn erhalten möchte die Stilllegungspläne auch deshalb diskutiere, weil noch kein Landesverkehrsplan vorliegt. Würde man die Strecke wie genannt unterbrechen, könne man sicher sein, dass die verbleibenden Rumpfenden Hagenow – Parchim sowie Malchow – Waren wegen der fehlenden Durchgängigkeit, des nicht annähernd gleichwertigen Bus-Ersatzes und sich daraus ergebender Verringerung der Nutzerzahlen über kurz oder lang auch stillgelegt werden. „Bewahrt also das Land vor einem folgenschweren Irrtum, der uns sozial, wirtschaftlich, kulturell und ökologisch großen Schaden zufügen wird“, sagt Russell.

Ungeachtet der Tatsache, dass die parlamentarischen Möglichkeiten zumindest vorerst weitestgehend ausgeschöpft sind, hatte ein Sprecher der Links-Partei den enttäuschten Besuchern im Landtag bei einer Unterredung nach der Debatte geraten, mit dem Protest fortzufahren. Wenn eine Sache etwas bewirken könne, dann öffentlicher Druck. Der BI-Sprecher: „Also, liebe Freunde, nicht nachlassen!“ Die BI bemängelt unter anderem, dass man sie nicht in die laut Land per Gutachten erhobenen Zahlen schauen lasse und außerdem auch nicht mitteile, zu welchen Zeiten sie erhoben wurden, sondern nur sage, dass es zu wenig Fahrgäste gebe. Darüber hinaus liege beispielsweise der Busbahnhof in Parchim rund zwei Kilometer vom Bahnhof entfernt – eine besonders für Ältere, aber auch für Eilige nicht zu akzeptierende Regelung. Mehr Menschen würden die Bahn nutzen, wenn es an den Bahnhöfen Bushaltestellen gebe, man die Fahrpläne aufeinander abstimme, es ein Ticket für Bus und Bahn gebe und beide günstiger werden.

Seit gut 14 Tagen wisse man, dass ebenfalls Politiker nicht nur irren, sondern auch die richtigen Schlussfolgerungen daraus ziehen können. Hintergrund für diese Äußerung: In Brandenburg habe das Verkehrsministerium zwischen Meyenburg und Neustadt/Dosse eine bereits geplante Streckenstilllegung rückgängig gemacht.