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Schwerin Neue Rekordmarke: 1,71 Euro für Super

Von Torsten Roth | 20.03.2012, 08:49 Uhr

Preiswucher an der Zapfsäule: Die Benzinpreise in MV sind gestern auf einen neuen Höchststand geklettert.

Nahezu flächendeckend verlangten die Stationen für ein Liter Super-Benzin 1,71 Euro - so viel wie nie zuvor. Für Diesel waren 1,55 Euro fällig. Die Mineralölkonzerne machen Kasse: Die hohen Spritpreise bescheren den Öl-Multis in Deutschland monatlich Zusatzgewinne von rund 100 Millionen Euro, geht aus einer Studie des Hamburger Energiebüros EnergyComment im Auftrag der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen hervor. 40 Prozent der Preissteigerung seien allein auf Gewinnaufschläge der Öl-Konzerne zurückzuführen.

Der Studie zufolge haben sich die Literpreise in Deutschland in den vergangenen drei Monaten im Schnitt um elf Cent erhöht. Aber nur 6,6 Cent je Liter seien mit gestiegenen Rohölpreisen und dem Währungsverhältnis Dollar/Euro zu begründen, meint Studienautor Steffen Bukold. 4,7 Cent hätten die Öl-Multis hingegen auf den Spritpreis draufgeschlagen und ihre Gewinne maximiert - ohne das dem echte zusätzliche Kosten gegenüberstünden. Auch im Dieselgeschäft sahnt die Branche ab. Dort seien die Margen bereits im letzten Jahr deutlich gestiegen - und weiter auf hohem Niveau. Die Ölwirtschaft weite im Windschatten der Irankrise ihre Gewinne auf Kosten der Verbraucher aus, kritisierte Bärbel Höhn, Vizechefin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Der Gewinnzuwachs sei vor allem auf höhere Gewinnmargen in den Raffinerien zurückzuführen, die fast überwiegend im Besitz der großen Tankstellenbetreiber seien, heißt es in der Studie. Unter den Tankstellen gebe es keinen funktionierenden Wettbewerb, meinte Höhn. "Das Kartellamt hat leider nicht die gesetzlichen Möglichkeiten, um hier stärker zu kontrollieren und einzugreifen. Deswegen müssen die Rechte des Kartellamtes umgehend gestärkt werden", forderte sie.

Allerdings: Auch mehr Wettbewerb werde nicht dauerhaft zu sinkenden Preisen führen, sagte Höhn. Die Verknappung des Öls und Krisen wie derzeit im Iran, seien nur ein Vorgeschmack auf weiter steigende Preise. "Weder mit der Abschaffung der Ökosteuer, noch mit einer Erhöhung der Pendlerpauschale wird man dagegen ansubventionieren können", sagte Höhn. Vielmehr müssten schnell die Weichen gestellt werden, um unabhängig vom Öl zu werden - u. a. mit deutlich sparsameren Autos und mittelfristig alternativen Antriebstechnologien.

Sinkende Preise sind nicht in Sicht: "Es deutet nichts auf fallende Ölpreise", meinte Bukold. Schlimmer noch: Marktanalysten sehen vor Ostern weitere Preissteigerungen - 1,80 Euro je Liter sind nicht weit. Wie in den Jahren zuvor auch müsse vor Ostern mit einer erneuten Preisralley gerechnet werden, sagte ADAC-Sprecher Matthias Schmitting. Und auch die Landeskartellbehörde bleibt hilflos: Die Preisentwicklung werde beobachtet, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Weitreichende Möglichkeiten habe das Land aber nicht.