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lutheran Liebe zu Holz hundertfach bewiesen

Von Ilja Baatz | 25.03.2012, 06:01 Uhr

Ob Tiere, Menschen, Häuser, Zirkus, Bauernhof, Maschinen, Wohnungen oder Natur in jeglicher Form - nach erstem Eindruck gibt so gut wie nichts, was Jürgen Mantow nicht aus Holz zunächst als grobe Form ausgesägt und dann beschnitzt hat.

Obwohl anerkennend von allen (objektiv richtig) als Künstler bezeichnet, mag er sich selbst nicht so nennen, um nicht abgehoben zu wirken.

Bis zum heutigen Dasein als Spielzeugmacher war es ein langer Weg vom Landmaschinen- und Traktorenschlosser über zehn Jahre Armeezeit als Fallschirmspringer und technischer Leiter auf einer LPG. Nach der Wende entschließt sich Mantow, noch einmal etwas ganz Neues zu beginnen und absolviert von 1992 bis 1996 eine Lehre als Holzbootbauer - mit 42 Jahren. Danach in Wismar als "zu alt" abgelehnt, um an der Restaurierung eines historischen Schiffes mitzuwirken, geht Mantow für knapp vier Jahre nach Schleswig-Holstein, um als Bootsbauer arbeiten zu können. Nach Zwischenstation in Plau am See zieht er in das ehemalige Schulhaus in Lutheran, wo der 62-Jährige bis heute lebt.

Die Möglichkeiten damals: Nach Hamburg gehen oder arbeitslos sein. Weil er sein Zuhause behalten möchte, entschließt sich Mantow zur Gründung einer "Ich-AG". Sein Wunsch, Möbel zu restaurieren, wird nicht gestattet, weil er kein ausgebildeter Tischlermeister ist: "Aber Holzspielzeugmacher, sagte die Handwerkskammer, sei ,zunftzwangfrei’. Damit war alles klar."

Eine Kiste, in der sich alle Bauteile für einen Bauernhof befinden, ist Mantows erster größerer Verkaufserfolg, der bis heute um verschiedene Variationen erweitert anhält. "2007 schließlich stand plötzlich ein älterer Herr bei mir in der Werkstatt, um mich zum Biedermeiertag in Werben an der Elbe einzuladen", so der Lutheraner. "Er wurde zu meiner Haupteinnahmequelle. Seit zwei Jahren fahre ich zudem auch nach Lüneburg." Wer an den genannten Veranstaltungen teilnimmt, wird ausgesucht, kann sich also nicht einfach anmelden, und muss wie in der Biedermeierzeit oder einer anderen Geschichtsepoche gekleidet sein.

Neben eigenen Ideen lässt Mantow zum Beispiel Anregungen von Kunden und aus Gesprächen mit anderen Liebhabern seiner Werke einfließen. Niemals verliert er allerdings das Ziel aus den Augen, dass das von ihm Geschaffene Kindern wertvolle Dinge mit auf den Weg gibt: "Da ist unter anderem das Thema Grundordnung. Eigene Erfahrung ist, dass Plastik meist nach zwei Tagen irgendwo in der Ecke liegt. Bei der Spielkiste etwa - ob nun Variante Bauernhof oder Zirkus - haben mir schon viele erzählt, dass dies dort nicht der Fall ist. Da wird zusammengepackt und stolz vorgezeigt." Dem Spielzeugbauer gehe es darum, dass Kinder durch das Zusammenbauen der Holzelemente Phantasie entwickeln, kreativ werden, was zum Beispiel reine Nachbildungen von Gegenständen nicht leisten könnten. "Das ist Nachahmen und absolut keine Kreativität, was auf einen Menschen entscheidenden Einfluss haben kann", sagt Mantow. Das richtige Zusammensetzen fordere Gedankengänge ab.

Neues Projekt ist eine Gärtnerei, deren Ausstattung bis zu kleinen, natürlich ebenfalls handgeschnitzten Früchten reicht, und ein Kaufmannsladen soll auch noch folgen.

Das in der Werkstatt herrschende Flair umfassend dem Ist-Zustand entsprechend wiederzugeben, ist kaum möglich, was ebenso für die Zahl der allesamt von Hand geschaffenen, in mehreren Räumen verwahrten Figuren und Gebäude im Kleinformat wiederum unterschiedlicher Größe gilt. Ein Bekannter des Künstlers habe einmal gesagt, dass der immer abends aus seinem Käfig gelassene, dann frei herumfliegende Zebrafink einen "Hauch von Afrika" verbreite.

Auf den Hinweis, dass jetziges Schaffen und langer Militärdienst eigentlich nicht recht zusammenpassen, antwortet Mantow, dass er Militär mittlerweile gar nicht mehr mag und an ihm nur die dort erlernte und beigebliebene Disziplin schätze, jeden Tag früh aufzustehen. Und was sagt der Holzspezialist allgemein zum Kunstleben in der Region? "Es wird auch hier einiges geboten, aber ob Kunst interessiert oder nicht, liegt auch an der Bildung. Ein weiteres Thema ist, dass sehr oft Flexibilität fehlt. Da spielt auf einem Fest zum Beispiel mal eine andere Band als die gewohnte - und schon kommen nur noch acht Besucher. Das habe ich selbst erlebt. Dass der Vortrag super war, erfuhr so fast niemand."

Ergebnisse der Umfrage:

So negativ bewertet wie kein anderer Bereich:
 
So oft wie in keinem anderen Bereich unserer Umfrage haben Sie, liebe Leser, bei der Kultur eine 6 gegeben: 34 Prozent stehen hier, was zusammen mit dem Wert bei der 5 – mangelhaft also – 55 Prozent ergibt. Deutlich über die Hälfte der Teilnehmer empfinden das kulturelle Leben in unserer Region demnach als ausgesprochen schlecht.


„Es wird alles aus Unvermögen beziehungsweise Geldmangel geschlossen“, meint zum Beispiel eine Goldbergerin. „Zahlreiche kulturelle Angebote in Plau“, nennt zwar ein dort lebender Rentner, doch – um ein Beispiel zu nennen – die lange Busfahrt nach Schwerin lasse besonders Ältere etwa von einem Theaterbesuch absehen.


„Nun wird ja auch an den Theatern gestrichen. Wie soll es dann auf dem Lande aussehen?“, sagt eine Sekretärin aus der Seestadt passend zum Thema. Die Antwort darauf liefert eine Teilnehmerin aus Dobbertin. „Im Dorf selbst machen die Einwohner für die Einwohner Kultur“, berichtet sie. In Lübz sieht eine Einwohnerin das Angebot auf Schulen und Karnevalsverein beschränkt: „Das muss man mögen“, was eine andere mit „kulturelle Veranstaltungen gibt es in Lübz wenig. Das Schließen des Kinos hat entscheidend dazu beigetragen. Beim Turmfest wird jedoch einiges geboten“ ergänzt.
Während ein 70-jähriger Rentner aus Lübz in weniger Kultur „allgemeinen Niedergang und Werteverfall“ sieht, empfindet es eine Zahrerin so, dass es Angebote gibt, sie für viele jedoch nicht leistbar seien: „Kino zum Beispiel neun bis elf Euro – Wahnsinn!“


„Wo hinkommen ohne Auto?“ fragen zudem viele und sprechen damit die in der Regel schlechten Verbindungen zwischen Dorf und Stadt an. Doch nicht alle Wortbeiträge sind negativ. „Lob“ – genau so bezeichnet – gibt es für die Museumsmitarbeiter in Goldberg und den CDU-Stammtisch in Plau am See jeweils von einem Erzieher sowie Dietmar und Roswita Villwock.