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Lübz Kein Ausbau für nur zehn Autos

Von KATT | 16.03.2018, 05:00 Uhr

Unbefestigte Kreisstraßen mit wenig Chancen auf Erneuerung: Landkreis investiert in diesem Jahr aber rund 4,4 Millionen in andere Strecken

Immer wieder beklagen Leser den Zustand der Kreisstraßen im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Grund genug, um bei Hans-Georg Zwang, Fachdienstleiter Straßen- und Tiefbau bei der Kreisverwaltung, nachzufragen, ob womöglich Abhilfe naht und welche Bauvorhaben der Kreis in diesem Jahr umsetzen will. SVZ-Redakteurin Kathrin Neumann sprach mit ihm.

Unsere Leser haben mehrere Straßen als Kandidaten für den Titel „Schlechteste Kreisstraße“ vorgeschlagen. Waren für Sie Überraschungen dabei?

Zwang: Nein. Wir kennen die Situation ja. Unsere Straßenaufsicht kontrolliert wöchentlich den Straßenzustand. Auch ich selbst und unsere Straßenbauingenieure sind dazu unterwegs.

Und halten Sie die genannten Straßen auch für schlecht?

In der Regel handelt es sich um berechtigte Kritik. Allerdings muss man unterscheiden zwischen der Wahrnehmung der Bürger, wie der Straßenzustand ist, und der Frage, ob die Verkehrssicherheit gewährleistet ist. Wir achten ständig darauf, dass sie gegeben ist. Wo das nicht der Fall ist, versuchen wir, sofort zu reagieren. Wo wir ausbauen und welches Projekt geschoben werden muss, entscheiden wir anhand verschiedener Kriterien.

Was sind denn solche Kriterien?

Das wichtigste Kriterium ist die Verkehrsbelastung. Es macht ja einen großen Unterschied, ob auf einem unbefestigten Landweg nur ein Autofahrer am Tag lang kommt oder ob auf einer Straße 2000 oder 3000 Fahrzeuge pro Tag langfahren. Eine Rolle spielen auch der Ausbauzustand und der Zustand der Fahrbahn. Wenn man die Verkehrssicherheit mit normalen Unterhaltungsmaßnahmen nicht mehr gesichert bekommt, muss man ausbauen.

Wie viel Geld will der Landkreis in diesem Jahr in seine Straßen und Brücken stecken?

Für die Unterhaltung sind 2,7 Millionen Euro eingeplant, für investive Maßnahmen knapp 4,4 Millionen Euro. Darin sind rund eine Million Euro Fördermittel enthalten, von denen wir noch nicht sicher wissen, ob wir sie bekommen. Dazu gab es bereits Vorberatungen, aber entschieden wird erst im laufenden Jahr.

Seit Jahren ist von einem Investitionsstau bei den Kreisstraßen die Rede. Kann man mit den eingeplanten Mitteln da schon aufholen?

Groß aufholen können wir nicht. Das Geld reicht nur, um den aktuellen Bedarf abzuarbeiten.

In welche Straßen und Brücken will der Kreis in diesem Jahr investieren?

Ein grundhafter Ausbau ist für die Ortsdurchfahrt Eldena der K 50 vorgesehen. Gemeinsam mit der Gemeinde wollen wir die Ortsdurchfahrt Rodenwalde mit Entwässerung realisieren. Und im Zuge der K 27 zwischen L042 und Zwölf Apostel soll die Brücke über den Nagelsbach erneuert werden. Die K 27 selbst soll – vorbehaltlich der Zustimmung des Kreistages – im kommenden Jahr saniert werden. Weitere Projekte sind die Warnow-Brücke im Zuge der K 105 bei Vorbeck und der vierte Bauabschnitt der K 111 zwischen Badegow und Bülow.

Zu den Kreisstraßen gehören auch zwei, drei unbefestigte Wege, unter anderem bei Straßen und bei Belsch. Sind die ein Thema hinsichtlich eines Ausbaus?

Im Moment nicht. Mit Blick auf die Belegungszahlen ist daran nicht zu denken. Natürlich behalten wir die Verkehrsentwicklung im Auge, machen permanent Zählungen, weil sich da ja auch mal etwas ändern kann. Dann würde man reagieren. Aber eine Straße für zehn Fahrzeuge pro Woche auszubauen, macht keinen Sinn. Wir müssen die Mittel ja effizient einsetzen.

Kann der Landkreis die Straßen dann nicht lieber abgeben?

Ja, aber wer soll sie nehmen? Und für eine sogenannte Teileinziehung liegt die Messlatte sehr hoch. Das kommt nur infrage, wenn der Bedarf für die Straße absolut nicht mehr gegeben ist. Und selbst wenn es nur darum geht, dass die landwirtschaftlichen Fahrzeuge zu den Feldern kommen, ist diese Voraussetzung nicht gegeben. So eine Teileinziehung passiert nur selten