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Forstamt Sandhof Kampf gegen Kiefernspanner und Co

Von Simone Herbst | 30.03.2018, 05:00 Uhr

Forstamt Sandhof pflanzt gezielt Laubbäume in Nadelwäldern und hofft auf weniger Schäden durch Trockenheit und Schädlinge

„Langfristige Überführung“ heißt das, war gerade im Wald bei Bossow passiert. Die dort gefällten Baumstämme werden aber nicht nach Übersee verschifft, vielmehr wird nach der Ernte der Nadelbäume aufgeforstet – und das verstärkt mit Laubbäumen.

Die Landesforst will so in Waldgebiete, die heute zu 75 Prozent aus Nadelhölzern bestehen, nach und nach den Laubholzanteil erhöhen. Buchen sind beliebt, aber auch die Traubeneiche zählt zu den Favoriten. „Die Landesforstanstalt nimmt für dieses Waldumbauprogramm viel Geld in die Hand, um Ausfälle durch Trockenheit und Schädlingsbefall zu minimieren“, sagt Lutz Petersen, Revierförster im Revier Bossow. Allein in seinem Revier sind in der zurückliegenden Dekade 110 Hektar Wald umgebaut worden. Etwa zehn Prozent der Gesamtfläche. „Langfristige Überführung“ und „Umbau“ sind Ergebnis des Umdenkens bei der Landesforst. Weg von nadligen Monokulturen hin zu vielseitig gestalteten Waldgebieten.

Ziel ist es, die Nadelholzbestände, die wegen der armen Böden im Mecklenburgischen bereits seit dem 18./19. Jahrhundert vorherrschend sind, mit Laubgehölzen zu durchmischen. „Natürlich ist das nur auf Standorten möglich, auf denen es die Böden hergeben“, sagt Lutz Petersen und fügt hinzu: „Und es ist heute auch Vorschrift.“ Die Landesforstanstalt reagiert damit auf die großen Schäden, die Forstschädlinge wie etwa der Kiefernspanner in den heimischen Wäldern anrichten. „Riesige Schäden hatten wir zuletzt vor etwa sieben, acht Jahren“, erinnert sich der Revierförster. „Das war so enorm, dass etliche Hektar Kiefernbestand abgeholzt werden mussten. Die Laubgehölze, die wir in die Bestände pflanzen, mag der Kiefernspanner gar nicht. Und das schützt die Bestände langfristig.“

Forstschädlinge, Trockenheit, sinkende Grundwasserspiegel… „Wir wissen nicht, wie unsere Wälder in 30 Jahren aussehen werden, denn wir wissen nicht, was überlebt“, räumt Lutz Petersen ein. Als vor ungefähr 15 Jahren hektarweise Eschenbestände in der Ostseeregion abstarben, ließ die Landesforst nicht lange auf ihre Reaktion warten. „Mittlerweile ist es den Forstämtern verboten, in ihren Revieren Eschen mit in die Umbau- und Überführungspläne zu integrieren“, so Petersen.

Derzeit arbeiten für das Bossower Revier Mitarbeiter der Preußen Forst. Auf etwa 2,3 Hektar Kiefernbestand ist ein Großteil der alten Nadelbäume gerodet worden. In die frei werdenden Räume kommen Laubgehölze, in diesem konkreten Fall 5000 junge Buchen, aber auch 2000 Douglasien. „Das Areal wird für zehn Jahre eingezäunt, denn wir müssen verhindern, dass die jungen Pflanzen durch Wildtiere verbissen werden“, erklärt Petersen und weiß Arbeiten wie diese beim privaten Unternehmen in guten Händen. „Mit der Preußen Forst arbeiten wir seit zehn Jahren super zusammen.“

Insgesamt umfasst das Forstamt Sandhof rund 17 000 Hektar Wald in sechs Revieren. Etwa 75 Prozent macht der durchschnittliche Nadelholzanteil aus. „Jedes Jahr beantragen wir Förderung für weitere langfristige Überführungen und Umbauten“, sagt Heidemarie Krüll, Mitarbeiterin des Forstamtes und zuständig für Öffentlichkeitsarbeit. Umbauten, sagt sie, seien nur nach so genannten Schadensereignissen möglich. Wie beim schon erwähnten Eschensterben. Gefördert werden sie jedoch nur, wenn die Schäden maximal ein Jahr zurückliegen. Für dieses Frühjahr hatten die Sandhofer Gelder für Maßnahmen auf 6,05 Hektar beantragt. Buchen, Douglasien und Traubeneichen werden gepflanzt. Schon im Herbst sollen weitere 1,02 Hektar folgen.