Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion

geschichte gesucht Grabungsteam reißt Zelte bald ab

Von Simone Herbst | 09.12.2016, 12:00 Uhr

Noch vor Weihnachten werden die Mitarbeiter des Landesamtes ihre Arbeit beenden. Sie sprechen von „schönen Funden“ und „toller Lage“

Uwe Weiß ist zufrieden. Der Grabungsleiter des Landesamtes für Bodendenkmalpflege und sein Team werden ihre Zelte in Plau in gut einer Woche abbrechen. Und sie gehen nicht mit leeren Händen. Vor der Stadtgrenze, nah und selbst in der Elde haben sie in den vergangenen Monaten jenes Areal „durchgebuddelt“, das im anstehenden Frühjahr unter der geplanten Ortsdurchfahrt verschwinden wird. „Und wir haben hier tatsächlich Nachweise für mehrere Phasen sichern können“, sagt er. Im Uferbereich hat das Team mehrere kleine Klingen und Pfeilspitzen gefunden, die aus der Mittelsteinzeit stammen könnten. Noch ist sich Weiß nicht ganz sicher, aber die Nachbereitung der Funde könnte eine Datierung auf 3500 bis 4000 v.  Chr. ergeben. „Wahrscheinlich haben die Menschen damals am Flussufer zusammengesessen, gearbeitet, irgend sowas…“, vermutet der Grabungsleiter. Keramikscherben, die ebenfalls in Flussnähe gefunden wurden, würden sogar den Schluss auf zwei steinzeitliche Phasen zulassen – die mesolithische (s.o.) und die neolithische.

Zahlreiche andere Funde in Plau stammen sehr wahrscheinlich aus der jüngeren Bronzezeit. So hat das Team von Uwe Weiß Nadelköpfe sicherstellen können und Bronzemesser, und es hat die Holzpfosten von wahrscheinlich zwei bronzezeitlichen Grubenhäusern freigelegt. Überreste anderer Grubenhäuser stammen höchstwahrscheinlich aus der späten Kaiserzeit - 400 n. Chr. und auch als Vorbote der Völkerwanderungszeit bekannt.

Einen Schwerpunkt der Grabunden machen die Funde zur einst slawischen Besiedlung des heutigen Plau aus. Feuerstellen, Vorratsgruben, Kleinfunde wie Messer, Blinker oder Spinnwirtel lassen darauf schließen, dass die Siedlung in Eldenähe bis ins 12. Jahrhundert bestanden hat und dann der Übergang in ein frühdeutsches Dorf stattgefunden haben muss. Das war die Zeit der Kolonialisierung, der Änderung des Wirtschaftssystems und der Notwendigkeit, Dörfer anzulegen, erklärt Uwe Weiß. „Spannend für uns waren vor allem die Grundrisse von mindestens fünf großen Bauernhäusern.“ Sehr wahrscheinlich sei das kleine Dorf mit der Stadtgründung wüst gelegt worden, habe also nur kurze Zeit bestanden. Nachweise für einen Übergang über die Elde hat das Grabungsteam allerdings nicht finden können. Dass es ihn gab, sei zu vermuten. Denn die Funde links und rechts der Elde sind spiegelbildlich.

„Bevor wir das Feld demnächst räumen, konstatieren wir gern, dass die Plauer Ausgrabungen schöne Befunde geliefert haben und die Lage hier an der Elde toll war“, sagt Uwe Weiß, der auch schon in Gewerbegebieten Ausgrabungen leitete. „Was mich aber ganz besonders freut, sind die Nachweise zur Slawenzeit, auf das Mittelalter und natürlich die Hausbefunde.“