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Staatsanwaltschaft lässt jugendlichen Intensivtäter in Lübz festnehmen Einbruchsserie: 15-Jähriger in Haft

Von Ilja Baatz | 09.09.2011, 06:58 Uhr

Die Staatsanwaltschaft hat am Donnerstag einen 15-Jährigen in Lübz festnehmen lassen und ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet. Grund dafür ist der Verdacht, in sieben Fällen in Supermärkte eingebrochen zu sein.

Die Staatsanwaltschaft Schwerin hat am Donnerstag einen 15-Jährigen in Lübz festnehmen lassen und ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet. Grund dafür ist der Verdacht, in sieben Fällen in Supermärkte eingebrochen zu sein (davon vier Versuche). In der Zeit vom 5. Juli bis zum 3. September soll der Jugendliche Türen oder Fenster aufgebrochen beziehungsweise eingeworfen haben, um unter anderem ein Fahrrad, Computer und Tabakwaren zu entwenden. Die Beute wurde zum Teil bei einer Hausdurchsuchung gefunden. "Die Staatsanwaltschaft hat Haftantrag beim Amtsgericht Parchim gestellt, das wegen Wiederholungsgefahr Haftbefehl erließ", sagte gestern Stefan Urbanek, Sprecher der Staatsanwaltschaft Schwerin. "Sagen muss man, dass U-Haft bei Jugendlichen unter 16 Jahre die absolute Ausnahme ist. Allerdings war uns dieser Verdächtige schon länger als Intensiv-Täter bekannt, so dass die letzten sieben Vorfälle endgültig zu dem Antrag geführt haben."

Den Stein öffentlich ins Rollen gebracht hatte Steffen Wandschneider, Inhaber eines Lebensmittelmarktes in Lübz. Der oben erwähnte 15-Jährige habe zweimal nacheinander eine zur Straße zeigende Scheibe seines Geschäftes eingeschlagen (wir berichtetzen kurz). Noch vor einer Woche erklärte der Händler: "Ich werde nicht eher ruhen, bis die Einwohner und Geschäftsleute von Lübz vor diesem Täter geschützt werden. Meine Geduld und der Glaube an Recht und Ordnung sind am Ende!" Die Polizei habe stets schnelle, "absolut lobenswerte Arbeit" geleistet und den Jugendlichen mit Hilfe eines Fährtenhundes beziehungsweise mit Diebesgut stellen können. Weil jedoch die Reaktion der Justiz fehlte, seien die Taten ungesühnt geblieben, was Wandschneider auch in einem Schreiben an die Staatsanwaltschaft scharf kritisierte. Gestern auf die Festnahme angesprochen, sagte er: "Das ist jetzt eine vernünftige Entscheidung. Ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell geht. Auch ein Staatsanwalt muss schließlich darauf achten, dass er mit den Beschuldigungen durchkommt. Aus meiner Sicht wurden die Maxime ausgereizt - Hut ab!"

Wegen zahlloser Vergehen (hauptsächlich Diebstähle) hatte der 15-Jährige in vielen Lübzer Geschäften Hausverbot. Angestellte Wandschneiders berichten, dass sie diverse Male "hinter dem 15-Jährigen hergelaufen" seien - auch, um ihn zum Verlassen des Geschäftes zu drängen. Daher sah ihr Chef auch Gefahr für seine Mitarbeiter, zumal der Dieb in anderen Fällen auch schon damit gedroht habe, ihn nicht anzufassen, da er bewaffnet sei.

Mehrere Geschäftsleute bestätigten auf SVZ-Anfrage die Erfahrungen des Lebensmittelhändlers, dass die Situation bei ihnen nicht anders sei. Betroffen war unter anderem auch Hubert Brockmann, Vorsitzender des Lübzer Gewerbevereins, der erklärte: "Ich erwarte, dass die Justiz die Samthandschuhe auszieht! Dieser Mensch ist ein öffentliches Ärgernis, bei dem mit ,DuDuDu’ nichts zu erreichen ist. Und natürlich weiß auch ein 15-Jähriger ganz genau, was er nicht darf. Schlimm finde ich persönlich, dass Polizeibeamte befürchten müssen, ganz schnell die Dummen zu sein, wenn sie nur einen kleinen Schritt zu weit machen, den höchstens Verteidiger als Vergehen herauszuarbeiten versuchen - die absolute Mehrheit der Gesellschaft bestimmt nicht."

Die Zahl der unter 21-jährigen Tatverdächtigen war 2010 landesweit um 10,8 Prozent auf 11 862 zurückgegangen - 1433 weniger als 2009. Im vorliegenden Fall handele es sich um einen auch der Polizei besonders im Bereich Parchim/Lübz bekannten Intensiv-Straftäter, sagt Gilbert Küchler von der Polizeiinspektion Ludwigslust: "Er steht bereits seit längerer Zeit im Fokus unserer Maßnahmen." Eine vorläufige, von der Polizei entschiedene Festnahme dürfe - ohne Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft beziehungsweise dem Bereitschaftsrichter zu nehmen - maximal bis zum Ende des darauffolgenden Tages dauern.