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20 Fragen zum wochenende Edgar Schippan kämpft für die Flora und Fauna

Von SAPA | 14.02.2014, 22:00 Uhr

Der Ornithologe aus Dobbertin ist kritisch, sarkastisch, ironisch – er nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, die Natur zu erhalten und zu schützen

„Wenn ich einmal Hannover verlasse, dann nur für Mecklenburg“, erzählt Edgar Schippan. Dies hatte er einmal Natur- und Tierfilmer Günter Goldmann gesagt. Mit ihm zusammen war Edgar Schippan, Ornithologe und Naturschützer in Personalunion, vor etlichen Jahren in Mecklenburg unterwegs – er stand ihm für einen seiner Naturfilme beratend zur Seite. Gesagt, getan. Seit mittlerweile vier Jahren lebt der ehemalige Hannoveraner jetzt in Dobbertin – mit Blick auf den See. Rund herum Natur pur und diese gilt es zu schützen, das hat sich Edgar Schippan ganz oben auf seine Fahnen geschrieben. Sarkastisch, kritisch und ironisch beantwortete er jetzt SVZ-Redakteurin Sabrina Panknin die 20 Fragen zum Wochenende.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz in der Region?
Edgar Schippan: An einem der zahlreichen wunderschönen Seen innerhalb des Naturparks Nossentiner/Schwinzer Heide.


Wären Sie Bürgermeister, was würden Sie sofort ändern?
Zunächst bin ich froh, nicht Bürgermeister zu sein. Ich denke auch unser Bürgermeister, Dirk Mittelstädt, macht seine Arbeit außerordentlich gut. Ändern wäre folglich nicht der richtige Begriff für mich, sondern eher ergänzen, d.h. innerhalb der Gemeinde soviel wie möglich naturbelassene, unaufgeräumte Grünflächen per Verordnung sicherstellen und unberührt lassen. Insbesondere reich gegliederte Heckenstrukturen, alte Bäume und die Reste traditioneller Streuobstwiesen mit ihren Hochstammbäumen und alten Obstsorten. Als Alternative natürlich das Neuanlegen solcher Lebensraumtypen.


Was wollten Sie als Kind mal werden?
Naturforscher. Ich habe schon als kleiner Junge, obwohl ich längst noch nicht lesen konnte, die Bilder aus Büchern meines Onkels, wie Brehms Tierleben, mit Leidenschaft verschlungen.


Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
In den Schulferien habe ich als Gehilfe in der Bäckerei eines entfernten Verwandten gearbeitet. Das frühe Aufstehen war allerdings schrecklich (lacht).


Und wofür haben Sie es ausgegeben?
Soweit ich mich erinnere, waren es wohl überwiegend belanglose Dinge. Zigaretten waren auch dabei, obwohl ich längst noch nicht 16 war.


Was würden Sie gerne können?
In höchster Perfektion Schlagzeug spielen können.

Was stört Sie an anderen?
Das zunehmend abhandengekommene Verständnis und mangelnde Bewusstsein, die Notwendigkeit der Zusammenhänge zwischen Artenschutz und dem damit zwangsläufig verbundenen Erhalt ihrer Lebensräume zu erkennen, zu begreifen und sich auch dafür einzusetzen. Artenvielfalt bedeutet Lebensqualität und ist somit letztendlich auch für uns Menschen von enormer Bedeutung.


Worüber haben Sie zuletzt herzlich gelacht?

Über die realitätsnahen Satiren von Dieter Nuhr, Loriot oder Ekel Alfred.

Was haben Sie zuletzt Unvernünftiges getan?
Dass ich mal wieder zuviel gegessen habe, und vor allen Dingen, ohne zu überlegen, woher die Nahrungsmittel kommen und wie sie produziert worden sind.

Wer ist Ihr persönlicher Held?
Helden sind für mich alle Einzelkämpfer, die sich über alle Barrieren und schier unüberwindbare Hindernisse hinweg bedingungslos für den Naturschutz einsetzen, auch und ganz besonders dann, wenn sie dabei die menschlichen „Bedürfnisse“ mit ihrer vielgepriesenen Wertschöpfung außer Acht lassen.


Welches Buch lesen Sie gerade?
„Tatort Wald“ von Claus-Peter Lieckfeld. Zeigt es doch, ohne populistisch zu sein, schonungslos auf, dass sich das vielzitierte Nachhaltigkeitsprinzip in der Forstwirtschaft – bis auf wenige Ausnahmen – fast ausschließlich auf ökonomische Belange und keineswegs im Sinne von Nachhaltigkeit im Hinblick auf den Artenschutz bezieht. Alte Buchen beispielsweise werden erst ab einem Alter von 120 Jahren für den Artenschutz richtig interessant. Leider dürfen sie jedoch größtenteils gar nicht älter werden, weil sie bis dahin bereits – nach forstwirtschaftlichem Empfinden von „Nachhaltigkeit“ – der Säge zum Opfer gefallen sind.


Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?
Wenn möglich, die regionalen Nachrichtensendungen und wenn mein Lieblingsverein Hannover 96 spielt.


Wie halten Sie sich fit: Mit Gartenarbeit oder Sport?
Wenn man kilometerweite Fußmärsche im Gelände, was auch zu meiner Arbeit gehört, als Sport bezeichnen kann, dann genau das (lächelt).


Wen würden Sie gerne mal treffen?
Prof. Michael Succow. Er steht für mich als einer der herausragenden und prägenden Persönlichkeiten, die sich mit größtem Fachwissen und höchster Kompetenz in unzähligen Bereichen des Arten- und Lebensraumschutzes über alle Grenzen hinwegsetzt. Ein prägendes Zitat würde ich gern von ihm einmal persönlich bestätigt wissen: „Ein ganz hohes Gut ist es, wenn man nach vielen Jahren Naturschutz immer noch Menschenfreund ist.“


Wenn Sie nicht selbst kochen: Was kommt dann bei Ihnen auf den Tisch?
Quer Beet in allen Varianten. Wir versuchen gerade nach Möglichkeit, auf überwiegend regionale Produkte umzustellen. Das gilt sowohl für Obst und Gemüse, aber zumindest für mich darf Fleisch auch auf keinen Fall fehlen.

Mit welchem Lied verbinden Sie Ihre schönste Erinnerung?
Ich bin durch und durch „Metal“-Fan, d.h. alles, was richtig knallhart rüberkommt, bekämpft häufig nicht nur die schlechte Laune, sondern befördert auch hin und wieder schöne Erinnerungen ins Bewusstsein (schmunzelt).


An welches Geschenk erinnern Sie sich noch gerne, und von wem haben Sie es bekommen?
Da gibt es einige. Es wäre sicherlich unfair da eine Art Rangliste aufzuführen. Aus heutiger Sicht ist das schönste Geschenk, dass mir mit meiner Geburt eine Denkweise verpasst wurde, also nicht anerzogen wurde, z.B. schöne Landschaftsteile zu verinnerlichen, sie sozusagen zu fühlen und zu spüren, um sich entsprechend für ihren Erhalt einzusetzen.


Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?
Ich möchte daran arbeiten, dass mein Traum nicht utopisch bleibt. Dieser Traum beinhaltet, ein Winterhalbjahr ohne Lärm heulender Motorsägen und den Sommer ohne das Gedröhne landwirtschaftlicher Nutzfahrzeuge, wahre Ungetüme, die teilweise im Dreischichtbetrieb die Böden vergewaltigen. Das wird natürlich vorerst ein nicht umzusetzender Traum bleiben, als Alptraum jedoch ist er bereits existend.


Was werden Sie als Rentner machen?
Ein Naturschützer mit Leib und Seele geht niemals in Rente.

Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen?

(Schmunzelnd, Augenzwinkernd) Jetzt werde ich sarkastisch: Diese Fragen sollten überall in der Region an „Familie Saubermann“, oder an „Tante Erna“ und „Onkel Franz“, mit der Zusatzfrage gestellt werden, warum sie z.B. alle zwei Wochen ihren Rasen mähen, ihre Hecke schneiden und im Herbst mit einem schier krankhaften Fanatismus jedes heruntergefallene Blatt beseitigen.