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Parchim Die Verwaltung als Lebenswert-Faktor

Von umit, Benjamin Piel | 30.03.2012, 10:37 Uhr

Landrat Rolf Christiansen (SPD) verteilt Lob für unsere große Lebenswert-Aktion: "Ich finde es gut, dass die Zeitung so etwas macht.

Das Ergebnis gibt ein gutes Bild von der Wohn- und Lebenssituation im Landkreis Ludwigslust-Parchim." Die Noten der Leser pendeln sich im Durchschnitt bei zwei bis drei ein - gute Werte. Fairerweise kann man den Landkreis nicht an dem Angebot einer Großstadt wie Rostock messen. Christiansen: "Verglichen mit anderen ländlichen Regionen liegen wir so schlecht nicht. Logischerweise kann man aber immer etwas verbessern." Der Landrat sieht die relativ guten Noten als Ergebnis der jahrelangen Arbeit "sehr vieler engagierter Menschen".

Das spielt darauf an, dass viele Dinge, die das Leben betreffen, in den Städten und Gemeinden entschieden werden, aber der Landkreis gleichwohl in einigen Bereichen wichtige Rahmenbedingungen setzen kann. Kinder, Familie, Arbeitsplätze - ein ganz wichtiger Punkt, wie Christiansen meint: "Wir müssen alle Chancen nutzen, um junge Leute hier zu halten oder dazu zu bewegen, in den Landkreis zu kommen. Wir setzen Schwerpunkte wie die Schülerbeförderungssatzung, die Familien deutlich entlastet." Das Thema Familie hätten auch große Betriebe erkannt, die sich dem Thema Kinderbetreuung widmen, um Fachkräfte zu halten.

Bei den Schulen (allgemeinbildenden und Berufsschulen) sieht Rolf Christiansen großen Handlungsbedarf bei der Lehrerversorgung - ein Wink in Richtung Landesregierung. Ziel des Landrates ist es, das Schulnetz im Landkreis Ludwigslust-Parchim zu erhalten: "Das wird schwierig, weil wir seit der freien Schulwahl kein Steuerungsprogramm mehr haben."

Wie kann der Landkreis Hausbauer fördern? "Mit schnellen Baugenehmigungen, wo sie notwendig sind", sagt Rolf Christiansen und bittet Bauherren und Architekten, sich an die Festlegungen innerhalb der baugenehmigungsfreien B-Plangebiete zu halten. Immer wieder gehen Anzeigen ein, weil mal eine Dachgaube mehr, mal ein Geschoss höher gebaut wird.

Die medizinische Versorgung, genauer der Facharztmangel, sind Landkreis-Thema. "Hier sind gefühlte und tatsächliche Situation nicht deckungsgleich", sagt der Landrat mit Blick auf die Kliniklandschaft. Dass es Handlungsbedarf gebe, um Landärzte zu bekommen, habe der Kreis als einer der ersten erkannt und gemeinsam mit dem Landkreistag thematisiert. Es gibt einen Runden Tisch Gesundheit und die Wirtschaftsfördergesellschaft Südwestmecklenburg hat im Internet ein Karriereportal für Mediziner eröffnet. "Wir sind Kommunen gerne behilflich, wenn es um Immobilienangebote für Ärzte geht", verspricht Rolf Christiansen.

Durchweg kritischere Noten geben die Leser für die Arbeit der Verwaltungen. Was meint Christians Motto, Verwaltung sei Dienstleister konkret? "Ganz einfach, wir abeiten von der Priorität her lösungs- statt gesetzesorientiert", sagt der Landrat. Weiter: "Wir gehen auf die Wünsche der Bürger ein. Im Mittelpunkt steht die Überlegung, wie wir helfen können, auch wenn das konkrete Anliegen vielleicht nicht richtig formuliert ist. Das heißt, wir schicken den Bürger dann nicht weg, sondern suchen gemeinsam nach einer Lösung."

Die Jobsituation bewertet der Landrat wie die Leser positiv, die jüngsten Arbeitslosenzahlen weisen Ludwigslust-Parchim die landesweit niedrigste Quote (9,8 Prozent) zu. Das Lohnniveau ziehe leicht an, Fachkräfte haben ihren Preis. Christiansen: "Es gibt in der Region qualifizierte Arbeitsangebote. Die große Masse muss nicht über einen Wegzug nachdenken." In Zukunft wolle man die Zusammenarbeit der Wirtschaft mit der Hochschule Wismar intensivieren.

Die Themen Arbeitsplätze und Verkehrsanbindung sind eng verknüpft. Das laute Nachdenken des Verkehrsministers im Schweriner Schloss über Stilllegungen von Bahnstrecken findet Rolf Christiansen "besorgniserregend". Derzeit werde die Nahverkehrsplanung in Westmecklenburg erarbeitet. Wenn es eine erhöhte Nachfrage nach Busverbindungen außerhalb der Schülerfahrten gebe, wären flexiblere kleine Busse dafür prädestiniert.

Umfrage-Ergebnisse:

Nach der Umfrage geht’s an die Arbeit

Viele Themen hat die Lebenswert-Umfrage aufgeworfen. Es gibt Dinge, die gut sind. Aber es gibt auch den Wunsch nach Veränderungen. Die Menschen in der Region haben Wünsche. Jetzt geht es für Politik, Verwaltung, Behörden und Bürger an die Arbeit. Eine Frage steht im Raum: Wie kann die Region lebenswerter werden? Gar nicht so einfach, darauf eine Antwort zu finden.


Goldberg ist dabei, eine sehr aussichtsreiche Reaktion auf den Weg zu bringen. Die Mildenitzstadt will einen Verein mit dem Arbeitstitel „Pro Goldberg“ aus der Taufe heben. Dieser Verein soll dabei helfen, ehrenamtliches und bürgerschaftliches Engagement zu bündeln, um die Probleme anzupacken und selbst in die Hand zu nehmen. Eine richtig gute Idee, von der zu hoffen bleibt, dass viele Goldberger mitmachen.
Denn natürlich dürfen Politik und Behörden kritisiert werden und natürlich sollten sich beide der kritisierten Punkte auch annehmen. Ja, es gibt Dinge, die falsch laufen in der Politik. Ja, es gibt Dinge, die falsch laufen bei den Behörden. Aber Kritik allein reicht nicht – schon gar nicht Kritik um der Kritik Willen. Wer kritisiert, der muss auch zupacken. Der muss auch bereit sein, aktiv daran mitzuwirken, Dinger besser und lebenswerter werden zu lassen. Die Goldberger machen es genau richtig. Freiwillige Kräfte mobilisieren, um in Zeiten klammer Kassen trotzdem eine lebenswerte Stadt auf die Beine zu stellen. Das ist der richtige Weg – und übrigens auch der einzige, der zum Erfolg führen kann.


Nach der Umfrage ist vor der Umfrage, so könnte der eine oder andere sagen. Aber ein Stück weit hat es jeder selbst in der Hand, es anders zu machen. Zum Beispiel bei einem Verein wie „Pro Goldberg“. Packen wir’s an.