Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion

Ein Thema - zwei Meinungen Bezahltes Parken - Plau rüstet auf

Von Simone Herbst | 16.12.2017, 05:00 Uhr

Stadt will über Parkautomaten künftig jährlich minimal 50 000 Euro einnehmen. Anwohner befürchten einiges an „Nebenwirkungen“

Dass zum großen Thema Parken, speziell zum geplanten Aufstellen von Parkautomaten im Stadtzentrum und ganz konkret zur Einführung/Genehmigung von Anwohnerparkausweisen in der Plauer Innenstadt noch nicht das letzte Wort gesprochen ist, hoffen die einen. Etliche Anwohner der Plauer City nämlich. Die andere Seite – momentan ist es die von amtswegen agierende Verwaltung mit Bürgermeister Norbert Reier an der Spitze – wirbt in der gerade aufkeimenden öffentlichen Debatte für ihre Argumentationskette. Wie so oft scheint aber das Problem: wat den Eenen sin Uhl’, ist den Annern nicht sin Nachtigall. Oder um es mit den Worten des Bürgermeisters zu sagen: Hier treffen private auf öffentliche Interessen. Und die Stadt hat weniger die Wahl als einen klaren Auftrag.

Die Einwohnerfragestunde der jüngsten Stadtvertretersitzung nutzten vier Initiatoren der gerade in Plau laufenden Unterschriftenaktion, um Antworten zu bekommen. Klar stellten sie, dass es nicht die Parkautomaten seien, die ihnen Sorgen bereiten. Vielmehr befürchten sie, dass die Gebührenpflicht in Teilen der Innenstadt zum gnadenlosen Zuparken der (weiterhin kostenfreien) Nebenstraßen führen wird. „Solange die Wohnstraßen auch für die Gäste kostenfreies Parken bieten, werden sowohl die kostenpflichtigen Parkplätze als auch der neue touristische Zentrumsparkplatz an der B103 zweite Wahl sein“, sagte Heike Hartung. Sie machte Werbung für einen „Dreiklang“: Zentrumsparkplatz für die Gäste, kostenpflichtige Parkplätze für Kurzzeitparker und Kunden in der Innenstadt und Bewohnerparken in den Wohnstraßen. „Und niemand geht von einem Parkplatz vor der Haustür aus“, reagierte die Plauer Geschäftsfrau auf eine jüngste Äußerung des Bürgermeisters.

Entschieden ist noch nichts. Ab Januar wird das Thema auch Stadtvertretung und Ausschüsse beschäftigen, wie auch das in Auftrag gegebene Verkehrskonzept, das die Parkproblematik ebenso berücksichtigen soll, wie zu erwartende Entwicklungen, die sich aus der für Ende 2018 geplanten Fertigstellung der Ortsumgehung und der Umwidmung der B191 zwischen Klebe und Kreuzung B103 ergeben werden.

Fakt bleibt aber, die Parkautomaten werden kommen. Das bestätigte am Sitzungsabend Bürgervorsteher Dirk Tast auf Nachfrage der Unterschriftensammler. Wahrscheinlich werden es fünf sein. In der Steinstraße, an der Metow und am Markt sollen sie im Frühjahr aufgestellt werden. Wo genau, wird noch entschieden.

Warum sie aufgestellt werden, ist klar. Plau habe als einzige Stadt in MV bisher auf Parkgebühren verzichtet und Einnahmemöglichkeiten damit nicht ausgeschöpft. „Dies können wir uns auf Dauer nicht leisten, da gerade Einnahmen über Parkgebühren hundert Prozent dem Stadthaushalt zugute kommen“, so Reier. Mit 50000 bis 100000 Euro jährlich rechnet Plau. Geld, das zur Haushaltskonsolidierung dringend notwendig ist wie es bei der Straßenunterhaltung hilft.

Norbert Reier ist nicht dafür bekannt, um den heißen Brei herumzureden. Auch am Mittwoch tat er es nicht. Gäste der Stadt wie Menschen zweiter Klasse zu behandeln, das werde es mit ihm nicht geben, sagte er. „Wenn wir weite Teile der Innenstadt zu Anliegerparkplätzen machen wollen, tun wir genau das. Aber dann werden sich bald auch Handel und Gewerbe verabschieden können.“ Insofern habe er wenig Verständnis dafür, wenn Händler, Gewerbetreibende und Ferienwohnungsbetreiber der Innenstadt die Anwohnerinitiative unterstützen. Ziel der Stadt müsse es sein – und da könne jeder mithelfen –, dass der Zentrumsparkplatz, der noch weiträumig als kostenfreier Parkplatz ausgeschildert wird, gut frequentiert wird. „Jeder Plauer kann ihn nutzen und die wenigen hundert Meter in die Innenstadt sind zumutbar“, unterstrich Reier. Er wolle sich nicht irgendwann fragen lassen müssen, warum Plau den Großparkplatz überhaupt gebaut hat. Am Mittwoch kündigte Reier an, dass die Ausschüsse die Forderungen der Anwohner und die zukünftige Bewirtschaftung des Parkraumes beraten. „Ich schließe nicht aus, dass wir hier und da nachjustieren werden.“