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Lokales

17. November 2017 | 20:34 Uhr

Platzeck genießt die Prignitz privat

vom

svz.de von
erstellt am 04.Jul.2011 | 06:59 Uhr

Wittenberge | Matthias Platzeck ist am gestrigen Morgen zunächst einfach nur Matthias Platzeck. In Jeans und rot-weiß gestreiftem Hemd steht er an der Rezeption des Hotels Alte Ölmühle in Wittenberge, wechselt ein paar Worte mit den Mitarbeiterinnen, bezahlt sein Zimmer, nimmt im Frühstücksraum Platz. Dann kommt kurz der Ministerpräsident durch: "Legen Sie einfach los, wir müssen heut noch arbeiten", fordert der SPD-Politiker die versammelten Journalisten etwas ungeduldig auf. Er selbst hat das Pressegespräch anberaumt, obwohl sein kurzer Aufenthalt in der Elbestadt - von Freitag bis gestern - ein rein privater war. Warum er den Termin wollte, wird nicht ganz klar. Eines aber macht er deutlich: ein großes Lob des Privatmenschen Platzeck an die Tourismusregion Prignitz. "Vor 15 Jahren hätte man Ihnen womöglich einen Vogel gezeigt, wenn Sie jemandem gesagt hätten: ,Ich fahre für einen Wochenendausflug nach Wittenberge", meint er. Sicher habe die Gegend schöne Flora und Fauna zu bieten, "aber heute stimmt eben auch die Infrastruktur". Man könne die Prignitz durchaus empfehlen.

Platzeck wird wieder zum Privatmann, plaudert entspannt: Mit "alten Kumpels aus DDR-Zeiten", die wie er einst in Potsdam-Babelsberg wohnten, treffe er sich jedes Jahr einmal zum Fahrradfahren, berichtet der Regierungschef. Geradelt wird immer woanders; vergangenes Jahr waren es die Uckermark-Städte Prenzlau und Angermünde. Diesmal also die Prignitz. Auch die Partnerinnen sind dabei. Bei herbstlichen Temperaturen und nahezu Dauerregen sei man auf dem Rad zwar binnen 20 Minuten "nass bis auf die Unterhose" gewesen, habe aber "die Sonne im Herzen" gehabt, sagt Platzeck.

Und so fuhr die achtköpfige Ausflugsgesellschaft stattdessen per Schiff von Wittenberge zum Biedermeiermarkt im sachsen-anhaltischen Werben, saß abends im Brauhaus auf der Alten Ölmühle, genoss das hauseigene Herzbräu-Bier und die Musik der Kneipennacht, ließ sich am Sonntag von Bürgermeister Dr. Oliver Hermann durch die Elbestadt und deren Geschichte führen, kehrte später ins Kranhaus ein. Die mitgereisten Freunde, nicht alle leben noch in der Mark, seien über die Region "sehr erstaunt" gewesen - im positiven Sinne: "Sie hätten die touristischen und gastronomischen Angebote auch qualitativ hier so nicht erwartet". Auch er selbst habe bei dem Ausflug noch dazugelernt, sagt Matthias Plat zeck, immerhin seit 2002 Brandenburgs Ministerpräsident. Überrascht habe ihn zum Beispiel die Baugeschichte Wittenberges und dass in der Stadt einst drei Kaufhäuser gestanden hätten. Er lobt das "sehr schöne" Stadtmuseum Alte Burg, die Genüsse und den Service in Ölmühle und Kranhaus. Seine Frau Jeanette schwärmt von Wittenberges evangelischer Kirche, den dort aktuell ausgestellten Werken von Glaskünstler Helge Warme und Pfarrer Reinhard Worch, der sich spontan für eine Führung Zeit genommen habe. "Was die Menschen hier machen", sagt Platzeck anerkennend, "hat viel mit Mut zu tun."

Vielleicht hat er deshalb zum Pressegespräch gebeten: Indem der Regierungschef so offen über seinen Privataufenthalt berichtet, macht er Werbung für die Prignitz. Er sagt, er schaue mit ganz anderem Blick auf eine Region, wenn er nicht dienstlich unterwegs sei. Er habe dann mehr Zeit, Dinge zu erfahren und zu erleben. Den Rest seines Sommerurlaubs wird er in höheren Sphären verbringen: in den Alpen, auf 1700 Metern im Norden Südtirols.

Doch vorher stehen noch zwei Arbeitstage an; es geht um die Energiepolitik der Bundesregierung. Und schon ist der Kurzurlaub vorbei, spricht wieder der Politiker Matthias Platzeck. Gefragt nach seiner Meinung zu den am Wochenende von Bundes-CDU und -FDP vereinbarten Steuersenkungen antwortet er denn auch professionell: "Ich erkenne darin keinen Handlungsleitfaden. Ein Land mit 80 Millionen Menschen kann man so nicht regieren."


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