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Lokales

22. September 2017 | 19:04 Uhr

Plastik unter Glas inszeniert

vom

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erstellt am 03.Jun.2010 | 07:34 Uhr

Reutershagen | Zur Eröffnung der großen Sommerausstellung zeigt sich die Kunsthalle mit neuen Facetten. Die Sanierung des Ausstellungshauses am Schwanenteich ist nahezu abgeschlossen. Das marode Dach ist nun wieder dicht. Eine für den Besucher auffällige Veränderung ist das Glasdach über dem Innenhof. Unter diesem können nun auch Ausstellungsstücke aufgestellt werden oder Veranstaltungen stattfinden.

Die optische Veränderung nutzt die Galerie, um auch inhaltlich neue und starke Akzente zu setzen. Nicht nur, dass mit A.R. Penck aufs Neue ein Künstler von internationalem Renommee in der Kunsthalle zu erleben ist. Auch der von den Betreibern angekündigte Blick auf die museumseigene Sammlung wird weiter geschärft. Während in der oberen Etage also das breite Spektrums der Penckschen Arbeiten zu sehen ist, wird im Erdgeschoss das Spektrum des Archives gezeigt. Das Besondere: Beide Ausstellungen werden als Einheit begriffen und zueinander in Bezug gesetzt.

Für die Gestaltung der neuen Sammlungsausstellung haben sich die Betreiber der Kunsthalle Unterstützung geholt. Detlef Weitz aus Berlin ist Szenograf und Kurator der Schau. "Ausstellen bedeutet Geschichten zu erzählen", sagt Weitz. Zusammen mit Museologin Heike Heilmann hat er aus dem Archiv der Kunsthalle Stücke ausgewählt, die sich mit den zentralen Themen der Malerei Pencks in Beziehung setzen lassen. Die Bilder und Plastiken werden begleitet von Bruchstücken aus Zitaten von Penck. "In diesem Kontext werden die Werke aufgeladen und dem Betrachter eröffnet sich ein neuer Zugang", erklärt der Experte für Inszenierung im Raum. Wichtig sei dabei, dass die Bilder etwas erzählten.

Der Umgang im Erdgeschoss ist für die Ausstellung zweifarbig gestaltet worden. Einer weißen Wand steht eine nachtblaue gegenüber. In senkrechten Linien verlaufen die Penck-Zitate zwischen den Bildern. Jeder Wand ist ein Thema übergeordnet. So gibt es eine Wand mit Landschaften, eine mit Protestbildern, wieder eine andere zeigt Selbstporträts. "Beim Durchforsten der Sammlung haben wir Schätze gefunden, die zum Teil noch nie gezeigt wurden", berichtet Heilmann. So finden sich zum Beispiel die "Friedensfahrer" (1969) von Feliks Büttner in der Exposition wieder.

Durch die Überdachung des Atriums hat die Kunsthalle einen Raum dazugewonnen. Damit dieser würdig eingeweiht wird, haben sich Weitz und Heilmann dafür entschieden, hier einen großen Teil der Plastik-Sammlung zu zeigen. Auf grell-gelben Sockeln gibt es Bronze-Figuren von Miniatur bis hin zu Lebensgröße. Ein breites Spektrum Rostocker und mecklenburger Künstler ist hier zusammengefasst. "Und das Erstaunliche ist, dass sie miteinander harmonieren", sagt Heilmann. Ein weiterer Vorteil der Überdachung ist der Wegfall von vier Außenwänden. Gerade im Obergeschoss habe es immer wieder Schwierigkeiten gegeben beim Aufhängen beispielsweise von Grafiken an den kalten Wänden.

Kurator der Sonderausstellung im Obergeschoss ist Dr. Ulrich Ptak. Sie entstand in Kooperation mit der Weserburg Bremen und deckt die Zeit von 1956 bis 2007 ab. "Penck hat die Idee einer Standardisierung von Bildzeichen verfolgt", erklärt Ptak. In den Gemälden lässt sich vieles lesen und deuten. Eine endgültige Interpretation sei jedoch nicht möglich, meint Ptak: "Es gibt nie den Moment, in dem man sagen kann: Aha, jetzt weiß ich, was er sagen will." Penck verfolge nicht die Didaktik, sondern fordere den Betrachter zur freien Assoziation auf. Neben den 37 Stücken unter anderem aus der Sammlung Böckmann sind auch Veröffentlichungen zu sehen. Ein besonderer Höhepunkt sind die Platten-Cover, die Penck als Anhänger des Free Jazz zu den von ihm eingespielten Stücken gestaltet hat.

"Die Rostocker Kunsthalle ist ein sehr gutes Ausstellungshaus", so Szenograf Weitz. "Die Räume im Obergeschoss sind regelrecht exzellent." Einladend wirke die Pavillon-Atmosphäre des Baus am Schwanenteich. "Darüber hinaus eignet sich die Kunsthalle für Experimente, weil es keine heilige Halle ist." In der Vergangenheit habe das Ausstellungshaus dies bereits bewiesen. Problematisch sei allein der Rundgang. "Das Museum muss es schaffen, schwellenlos zu werden", sagt Weitz. Kunst müsse in den Lebensalltag integriert werden.

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