Das Meeresmuseum Stralsund zeigt Aufnahmen einer Expedition : Plastik und Autoteile belasten Ostsee

Blick in die Ausstellung 'The Changing Oceans Expedition' im Meeresmuseum  dpa
Blick in die Ausstellung "The Changing Oceans Expedition" im Meeresmuseum dpa

Durch die südliche Ostsee treiben enorm große Mengen von Kunststoffmüll. Vor allem Plastikmüll und Reste von Autoteilen verschmutzen die Küstengewässer vor Mecklenburg-Vorpommern, wie eine Ausstellung in Stralsund zeigt.

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09. Dezember 2010, 06:57 Uhr

Stralsund | Durch die südliche Ostsee treiben enorm große Mengen von Kunststoffmüll. Vor allem Plastikmüll und Reste von Autoteilen verschmutzen die Küstengewässer vor Mecklenburg-Vorpommern, wie eine gestern eröffnete Sonderausstellung im Meeresmuseum Stralsund dokumentiert. Gezeigt werden Fotos und Filmsequenzen, die Wissenschaftler im Sommer dieses Jahres während einer internationalen Forschungsexpedition der Schweizer Meeresumweltstiftung Antinea Foundation erstellt hatten.

Zwar zeigten Vergleiche mit früheren Untersuchungen, dass sich der Eintrag von Kunststoffen in den vergangenen Jahren erheblich verringert habe, sagte der Stralsunder Forschungstaucher Thomas Förster. Plastikmilchtüten zum Beispiel, die in den 80er Jahren massenhaft die Flachgewässer verunreinigten, habe man kaum noch entdeckt. Doch hätten Untersuchungen des Ostseesandes ergeben, dass das nicht verrottende Material inzwischen durch den ständigen Wellenschlag zu mikroskopisch kleinen Plastikperlen zerrieben worden sei. "Erst der zweite Blick zeigte uns, dass die Altlast noch vorhanden ist", sagte der Experte. Sorgen bereiten den Meeresforschern auch unzählige Autoteile, die offenbar schon seit vielen Jahren auf dem Grund der Ostsee lagern.

Vor allem vor dem Darßer Ort habe man jede Menge Kunststoffteile und Autoreifen festgestellt, sagte Förster. "Wir fotografierten auch Kleinteile, Tau- und Netzreste sowie massenweise Gummiringe, die man gewöhnlich zum Einwecken in Gläsern benutzt und die vor allem Meeressäugern zum Verhängnis werden könnten, wenn sie als vermeintliche Nahrung gefressen werden."

Insgesamt 15 Tage lang hatten die Experten der Stiftung und des Museums während zweier Expeditionen an Bord des Forschungssegler "Fleur de Passion" im Juli 2010 die dänische Beltsee und die Küstengewässer vom Nationalpark Jasmund vor Rügen bis zur Wismarbucht untersucht. Im besonderen Interesse standen Rügens unterseeische Kreidegründe, große Sandareale, Mergel- und Torfbänke sowie Schiffswracks, die als künstliche Riffe inzwischen ein artenreiches Leben beherbergen.

Auffällig sei gewesen, dass die Flora der Ostsee nach dem harten Winter auch im Sommer noch deutlichen Vegetationsnachholebedarf gehabt habe, sagte Förster. Man werte dies als ein Beleg dafür, wie sensibel das Binnenmeer auch auf kurzfristige Wetteränderungen reagiere. Mit der Entdeckung eingewanderter, zum Teil wärmeliebender Arten wie der Schwarzgrundel, der Rippenqualle und der Schiffsbohrmuschel habe man auch langfristige, klimabedingte Veränderungen des Ökosystems nachgewiesen.

Nach Angaben von Museumsdirektor Harald Benke plane das Stralsunder Museum in den nächsten Jahren weitere Exkursionen, um die Entwicklung der Meeresgebiete zu erforschen. Unter anderem soll die Eroberung des Wracks des im April vor Jasmund gesunkenen 17-Meter-Kutters durch die Natur dokumentiert werden. Der Antinea Foundation-Direktor Ronald Menzel kündigte eine Fortsetzung der Zusammenarbeit an. So werde das Stralsunder Meeresmuseum an geplanten Forschungsreisen im Roten Meer und Mittelmeer beteiligt.

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