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Lokales

17. Oktober 2017 | 22:55 Uhr

Plädoyers für plattdeutsches Theater

vom

svz.de von
erstellt am 20.Dez.2011 | 07:31 Uhr

Schwerin | Die drohende Schließung der Fritz-Reuter-Bühne in Schwerin gefährdet nach Ansicht des Sprachexperten Dittmar Alexander den Fortbestand der niederdeutschen Sprache im Nordosten. Sollte die Spielstätte schließen, ginge Mecklenburg-Vorpommern die einzige professionelle plattdeutsche Bühne verloren, sagte Alexander, der den Nordosten im Bundesrat für Niederdeutsch repräsentiert. "Ich erwarte, dass Bildungsminister Mathias Brodkorb das mit beiden Händen von sich schiebt", so Alexander. Der Schutz des Niederdeutschen sei auch im Artikel 16 der Landesverfassung verankert, erinnerte Alexander. Er schloss da rum auch nicht aus, dass die Schließung der Bühne rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen könnte.

Vergangene Woche hatte der Aufsichtsrat des von der Insolvenz bedrohten Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin vorgeschlagen, unter anderem die ihr untergeordnete Reuter-Bühne zu schließen, um dem Theater wieder langfristige finanzielle Sicherheit zu geben. Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD), der noch wenige Wochen zuvor den Kulturpreis des Landes an die Fritz-Reuter-Gesellschaft und das Fritz-Reuter-Literaturhaus verliehen hatte, lobte die Pläne des Theater-Aufsichtsrates per Pressemitteilung als "zügiges und entschiedenes Vorgehen" (wir berichteten). Neben der Reuter-Bühne sollen nach dem Willen des Aufsichtsrates Stellen bei der Staatskapelle wegfallen, ein Haustarif verhandelt und das Orchester eine Vergütungsgruppe herabgestuft werden.

Alexander warnte nun davor, sich der finanziellen Schieflage auf dem Weg der Sparten-Schließung entledigen zu wollen. Die Reuter-Bühne sei ein wichtiges Angebot für Sprecher und Nicht-Sprecher des Niederdeutschen, um die Sprache zu bewahren. Hintergrund: Die Reuter-Bühne, die es seit 85 Jahren gibt, erreicht im Schnitt pro Jahr 21 000 Zuschauer und soll 2012 erstmals auch Gastspiele in Österreich und der Schweiz absolvieren. Bei über 40 Schul-Vorstellungen mit dem mobilen Kinderstück "Kapitän Priem" erreichte die Reuter-Bühne bisher 3500 Kinder. Das sei auch wichtig, denn die Zeiten seien vorbei, in denen das Niederdeutsche von Generation zu Generation weitergegeben wurde, so Alexander: "Was Eltern und Großeltern nicht mehr ausreichend machen, muss in den öffentlichen Sektor gerückt werden." Eine Institution wie die Reuter-Bühne, die dies anbiete, sei darum gar nicht wegzudenken.

Die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern sind laut Alexander gemeinsam mit den Bürgern Schleswig-Holsteins Spitzenreiter beim Gebrauch des Plattdeutschen im Alltag. Rund 23 Prozent der Mecklenburger und Vorpommern gaben 2007 bei einer Befragung an, gut Platt zu verstehen. Sehr gut sprechen konnten es noch etwa 12 Prozent.

Auch der Kulturverein der Gemeinde Stäbelow bei Rostock protestiert "energisch" gegen die Schließungs-Pläne: "Die Fritz-Reuter-Bühne hat über viele Jahrzehnte wesentlich dazu beigetragen, das in der plattdeutschen Sprache festgehaltene Kulturgut zu bewahren und ist auch gegenwärtig unermüdlich bemüht, das Plattdeutsche zu erhalten", schreibt Dr. Karl-Georg Prehn vom Kulturverein: "Die plattdeutsche Sprache ist ein wichtiger Teil unserer Identität. Auch die Europäische Union setzt sich für die Erhaltung und Förderung der sogenannten regionalen Sprachen ein, zu denen das Plattdeutsche gehört." Fazit des Kulturvereins: Landes- und Kommunalpolitik sollten alles zur Rettung der Bühne tun.

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