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Lokales

15. Dezember 2017 | 05:32 Uhr

Pionierarbeit vor der Küste

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erstellt am 02.Sep.2010 | 10:00 Uhr

Rostock | Laura Smith Morton, im Energieministerium der USA für Erneuerbare Energien verantwortlich, quittierte den Anblick der nagelneuen 21 Windturbinen des Offshore-Windparks "Baltic 1" mit einem amerikanisch-typischen "Its amazing!". Es sei eine "unglaubliche Erfahrung", ein solches Projekt in der Bauphase inspizieren zu können, schwärmte die blonde US-Amerikanerin. Gemeinsam mit weiteren Gästen des 2. Offshore Summit, der gestern und heute in Rostock veranstaltet wurde, nutzte Laura Smith Morton die Gelegenheit zu einer Ausfahrt zu dem 16 Kilometer nördlich von der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst gelegenen Windpark "Baltic 1".

Die gewaltigen Rotoren mit einem Durchmesser von je 93 Metern sind bereits von Weitem gut zu erkennen. Gestern wurde die letzte der insgesamt 21 Turbinen in dem ersten kommerziell betriebenen Windpark vor der deutschen Ostseeküste in MV montiert. Nach Aussage von Werner Götz, Geschäftsführer der EnBW Erneuerbare Energien GmbH, dem Investor und Betreiber von "Baltic 1", werden die Installationsarbeiten nun zügig vorangetrieben. "Ende 2010 soll der erste Strom von See an Land geliefert werden." Jährlich sind rund 185 Gigawattstunden Stromlieferung angepeilt.

Auf 21 gelbe Fundamentzwischenstücke, die mehrere Meter aus dem Wasser ragen, sind in den zurückliegenden Wochen die aus Dänemark angelieferten Türme, Maschinengondeln und Rotoren aufgesetzt worden. Kleine, flinke Arbeitsboote pendeln zwischen den Windenergieanlagen hin und her, bringen die Montagespezialisten zu ihren Arbeitsplätzen mitten auf dem Meer. Für Laura Smith Morton ein unbekanntes Bild, denn bislang existieren vor den Küsten der USA keine Offshore-Windparks. Es gebe aber erste konkrete Projekte, für die derzeit die Genehmigungsverfahren laufen, berichtete Morton. So soll vor der Küste des US-Bundesstaates Massachusetts ein Offshore-Windpark mit 130 Turbinen entstehen.

Die US-Delegation und weitere ausländische Gäste des Offshore Summit waren nach Rostock vor allem gekommen, um zu lernen. "Uns interessiert neben der speziellen Technologie insbesondere, wie die verschiedenen Behörden und Institutionen bei den komplexen Genehmigungsverfahren zusammenarbeiten", sagt die Mitarbeiterin des US-Energieministeriums und schaut immer wieder fasziniert auf die gen Himmel ragenden Windräder. Die 21 Anlagen markieren die Ausbreitung des Windparks auf sieben Quadratkilometer. Die 37 Meter langen Fundamentröhren für die Turbinen sind 25 Meter tief in den Meeresgrund getrieben worden.

EnBW investiert 200 Millionen Euro in den Windpark. Für das Unternehmen ist die Umsetzung des Projekts absolutes Neuland. Zumal es in der Region kaum Erfahrungen mit diesen Technologien gibt. Für die US-amerikanischen Gäste ist es Pionierarbeit made in Germany - die in den Vereinigten Staaten immer stärker nachgefragt wird. Auf der Fachmesse "Windpower" in Dallas (Texas) im Mai 2010 konnten Firmen aus dem Wind Energy Network Rostock e.V. bereits erste Dienstleistungsverträge unterzeichnen, betont Network-Vorstandschef Andree Iffländer die fortschreitende transatlantische Kooperation. Mit dem 2. Offshore Summit in Rostock wurde dieser Brückenschlag untermauert. Beim nächsten Treff dieser Art hätte Laura Smith Morton vermutlich wieder etwas zum Staunen. Denn neben "Baltic 1" plant EnBW bereits den Bau eines weiteren Windparks vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns. Nordöstlich vor Rügen soll "Baltic II" mit 80 Windenergieanlagen entstehen. Investitionsvolumen: 1,1 Milliarden Euro. Amazing!

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