Baumsterben im Wald Fuchsberg bei Roggendorf : Pilzbefall: Die Eschen sterben ab

<fettakgl>Sorgenvoll </fettakgl>beobachten  Forstamtsleiter Dr. Christof  Darsow und Revierleiter Norbert Mahlke die Entwicklung bei den Eschenbeständen. <foto>mxhe</foto>
Sorgenvoll beobachten Forstamtsleiter Dr. Christof Darsow und Revierleiter Norbert Mahlke die Entwicklung bei den Eschenbeständen. mxhe

Die Eschen im Wald Fuchsberg bei Roggendorf sterben und der Auslöser ist in allen Fällen der gleiche: Ein Pilz, der die Bäume so langsam umbringt. 60 bis 80 Prozent sind mittlerweile erkrankt.

svz.de von
20. Juli 2012, 12:25 Uhr

Die drei hohen, nebeneinander stehenden Eschen im Wald Fuchsberg bei Roggendorf sehen ganz unterschiedlich aus: Bei der ersten sind es lediglich kleine Ästchen, an denen keine Blätter mehr wachsen. Die zweite hat ihr Blattwerk bereits an vielen, auch größeren Ästen verloren. Und die dritte ist abgestorben, nur noch Totholz ragt in den Himmel. Es sind die Stadien eines massiven Eschentriebsterbens, die sich hier abzeichnen.

Der Auslöser ist in allen Fällen der gleiche: Ein Pilz, der in die Leitungsbahnen des Baumes eindringt und ihn so langsam umbringt. "Zunächst werden die Blätter trocken, im Folgejahr sind dann die feinen Äste nicht mehr belaubt, später die größeren Äste. Der Baum versucht, eine Nachkrone zu bilden. Nach drei bis fünf Jahren, das ist unsere Erfahrung, ist der Baum tot", erläutert Dr. Christof Darsow, Leiter des Forstamtes Radelübbe. 60 bis 80 Prozent der Eschenbestände seien mittlerweile erkrankt. Im Bereich Fuchsberg beispielsweise sind es fast zehn Hektar gemischter Wald, in dem ein Großteil der Eschen mit dem Pilz, der unter dem Namen Chalara fraxinea verzeichnet ist, befallen ist. "An Bächen, Fließgewässern und in moorigen Bereichen ist es besonders schlimm", so Darsow.

Er zeichnet ein düsteres Bild für die Esche, die in der welligen Moränenlandschaft des Nordwestkreises, in ihren Mooren und Senken, eigentliche gute Bedingungen findet: "Man kann derzeit absolut nichts machen. Impfstoffe gibt es noch nicht. Das Sterben ist schneller als die Forschung. Derzeit sehe ich relativ schwarz für die Zukunft der Eschenbestände", macht der Amtsleiter deutlich. In einem schleichenden Prozess, der vielen Betrachtern möglicherweise gar nicht auffalle, verschwände die Esche damit - mit weit reichenden kurz- und langfristigen Folgen: "Schlimm ist vor allem die Gefahr durch herab stürzende Äste", sagt Dr. Christof Darsow - für Spaziergänger ebenso wie für die Waldarbeiter der Forstämter, aber auch an öffentlichen Straßen und Wegen, an denen ebenfalls viele Eschen stehen.

Bereits durch leichte Erschütterungen bestehe zudem die Gefahr, dass die nicht mehr standsicheren Eschen umfallen, weil die Wurzeln verfaulten und der tote Baum keine Standsicherheit mehr hat. "Weil es beispielsweise bei Fällarbeiten immer wieder zu Erschütterungen des Bodens durch umstürzende Bäume kommt, ist das Verletzungs-Risiko für die Waldarbeiter besonders hoch."

Wo es geht, schickt das Forstamt deshalb Harvester in die Wälder, um die erkrankten Eschen zu entfernen. "Sie müssen weg", so Darsow, "wegen der Gefährdung, aus hygienischen Gründen um zu verhindern, dass weitere Bäume angesteckt werden sowie aus Verwertungsgründen. Denn je länger das Holz liegt um so unansehnlicher wird es und umso weniger Geld bekommt man dafür." Aufgrund des Überangebotes an Eschenholz könnten jedoch wiederum örtlich Probleme beim Absatz des Holzes entstehen. Und noch eine Folge des Eschensterbens zeichnet sich ab. "Im Wald findet eine Entmischung statt, eine Baumsorte verschwindet komplett aus dem Bild. Das Waldbild verändert sich", so Darsow.

Der Pilzbefall ist ein europaweites Problem, betont Norbert Mahlke, Revierleiter im Revier Lützow und für den Wald bei Roggendorf zuständig. Vom Baltikum ausgehend habe sich der Befall seit Mitte der 90er-Jahre ausgebreitet. Wie er übertragen wird, ist nicht klar: "Es ist davon auszugehen, dass die Sporen durch den Wind übertragen werden, aber auch eine Übertragung über das Wasser ist möglich."

Darsow und Mahlke hatten vor rund zehn Jahren mit den ersten befallenen Eschen zu tun. Damals sollten junge Eschen im Bereich Zülow gepflanzt werden. "Aber die Bäume starben ab, bis dieser Pilz als Ursache erkannt wurde. Es ist davon auszugehen, dass er bereits in den Bäumen war, als sie von der Baumschule kamen", so Forstamtsleiter Dr. Christof Darsow. Mittlerweile besteht ein Verbot zur Erstaufforstung von Eschen. "Die Gefahr ist einfach, dass der Pilz sich weiter ausbreitet."

Für Privatwaldbesitzer, so Darsow und Mahlke, gebe es keine allgemeingültige Empfehlung. "Bei einem Befall hilft es meist auch nicht, den Ast mit einem Schnitt bis ins Gesunde zu entfernen", erläutert Darsow. Waldbesitzer, die Fragen zum Eschensterben haben, können sich jedoch immer an die Forstbehörden oder die jeweiligen Revierförster wenden.

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