Personal in Kindergärten überaltert

Muss sich die Stadt Ludwigslust um ihre Kindereinrichtungen Sorgen machen? Diese Frage drängt sich bei einem Thema auf, das am Dienstagabend im Bildungsausschuss der Stadtvertretung behandelt wurde: Danach wird es immer schwieriger, junge, ausgebildete Erzieher für die hiesigen Kitas zu bekommen.

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06. Mai 2009, 07:54 Uhr

Ludwigslust | 53 Erzieherinnen arbeiten derzeit in den drei Ludwigsluster Kindergärten und einer weiteren Einrichtung im Ortsteil Kummer. Alle haben sie ihren "Staatlich anerkannten Erzieher", was heutzutage ohnehin Bedingung ist. Alle haben sie Anpassungslehrgänge gemacht, was viele Eltern wegen der höheren Qualifikation der "Tanten" freut. "Was uns Sorge macht, ist das Alter der Frauen", sagt Olaf Schmidt. Der Mitarbeiter aus dem zuständigen Fachdienst bei der Stadt weiß auch ohne jedes einzelne Geburtsdatum zu kennen, dass viele der heutigen Erzieherinnen wenn nicht schon längst so doch in den nächsten paar Jahren tariflichen Anspruch auf Altersteilzeitregelung haben. Mit anderen Worten: Das Personal im Ludwigsluster Kindergartenbereich ist - wie manchenorts auch der im Schulsektor - kollektiv gealtert und damit auf dem Weg in die Rente.

"Natürlich wissen wir das nicht erst seit heute", sagt Olaf Schmidt. "Wir brauchen dringend Nachwuchs, junge motivierte Leute, die den Staatlich anerkannten Erzieher haben." Lieber heut als morgen würde die Stadt junge, motivierte Fachkräfte einstellen, "doch bei den Bewerberinnen, die sich zuletzt bei uns vorgestellt haben, haben wir nur die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen", sagt Schmidt. Es mag vielleicht Ausnahmen geben, doch die Regel sei, dass das Ausbildungsniveau der Mädchen in keiner Weise den Erwartungen entspricht.

Was kann Ludwigslust also tun? So genannte Headhunter losschicken wie die Wirtschaft, die ihr künftiges Personal oft schon ab Ausbildung oder Studium rekrutiert. "Das würde unsere Möglichkeiten sprengen", wehrt Olaf Schmidt ab. "Konkret haben wir die Landesregierung aufgefordert, endlich das zu tun, was sie über viele Jahre versäumt hat, nämlich die Qualität der Ausbildung für den Kindergartenbereich nachzubessern." Und nicht nur das, schickt Schmidt hinterher: "Die Erziehung von Kindern bedeutet eine immens hohe Verantwortung. Insofern ist es unseres Erachtens ebenso notwendig, die Messlatte für die Eingangskriterien sehr viel höher anzulegen." Vor der Wende seien es mit die besten Schülerinnen gewesen, die für die Kindergärtner-Ausbildung angenommen wurden. "Heute scheinen es die schlechtesten zu sein", kann sich Schmidt seines Eindrucks bei Bewerbungsgesprächen nicht erwehren.

Bleibt den Ludwigslustern die Hoffnung: Auf eine Reaktion in Schwerin und darauf, dass doch einige fertig ausgebildete junge und motivierte Erzieherinnen ihren Lebensmittelpunkt in der Region sehen.

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