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Lokales

24. Oktober 2017 | 00:56 Uhr

Perleberger Stalkerin muss hinter Gitter

vom

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erstellt am 30.Jun.2011 | 07:01 Uhr

Perleberg | Das Amtsgericht Perleberg verurteilte gestern Ute-Marion S. aus Perleberg zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung. Sie war angeklagt wegen Beleidigung, Nachstellung, vorsätzliche Körperverletzung, versuchte gefährliche Körperverletzung und Bedrohung. Im Laufe der vergangenen Jahre nahm die Polizei mehr als 370 Anzeigen gegen die Frau auf.

Am gestrigen zweiten Verhandlungstag wertete der Vorsitzende Richter Stephan Mracsek 16 gravierende Vorfälle mit zwei Zeugen aus. Gleich zu Beginn ließ Ute-Marion S. über ihren Anwalt Karsten Rausch verkünden, dass sie alle Vorfälle abstreitet. Entweder weil sie sich an nichts erinnern könne, oder weil sie es nicht gewesen sei.

Bruno H. war der erste geladene Zeuge, der vor dem Richter, dem Publikum und den beiden Schöffen zu einzelnen Anklagepunkten Stellung beziehen sollte. Er wohnt in unmittelbarer Nachbarschaft mit der Angeklagten und nannte als Beginn der Auseinandersetzungen etwa das Jahr 1998/1999. Damals sei der Sohn der Angeklagten in das Auto von Bruno H. rein gefahren. Er habe ihn zurechtgewiesen, woraufhin sich die Mutter eingeschaltet und ihn beschimpft habe.

"Dann hat es sich immer weiter gesteigert", beschreibt der 71-Jährige sichtlich angespannt. Mehrfach soll die Angeklagte in den vergangenen Jahren mit Eiern, Ziegelsteinen, Unrat und in einem Fall auch mit einem benutzten Kondom geworfen haben. Hinzu kamen Fälle, in denen sie sich bei verschiedenen Unternehmen als die Frau des Zeugen ausgab.

Angeklagte äußerte sich nur einmal

Ihren Taten folgten in den meisten Fällen Beleidigungen, hieß es weiter, wobei die Angeklagte mit Fäkalausdrücken nicht gespart habe. Um sich besser erinnern zu können, zitierte Bruno H. immer wieder aus seinem Kalender, in dem er seit zwölf Jahren Datum, Vorfall und Uhrzeit vermerkte. In 90 Prozent der Fälle habe er bei der Polizei jedes Mal Anzeige erstattet, sagte er aus.

Gestern äußerte sich die mutmaßliche Täterin nur einmal. Am 12. Februar 2010 habe der Sohn der Angeklagten, so schilderte Bruno H, ihn mit Eisklumpen beworfen und ihn anschließend nach Zurechtweisung massiv beschimpft. Als Bruno H. daraufhin das Jugendamt rief, das den Sohn mitnahm, reagierte die Angeklagte damals mit den Worten: "Du hast ihn totgeschlagen, du Mörder. Das hast du nicht umsonst getan, das wirst du bereuen". Gegen diesen Vorwurf wehrte sich die Angeklagte gestern, stellte klar, dass sie den ersten Teil nie geäußert habe. Sie räumte ein, am besagten 12. Februar wütend gewesen zu sein und ihm gedroht zu haben, weil sich Bruno H. "immer wieder in unser Familienleben einmischt und mir den Sohn weggenommen hat", so die Angeklagte. Als sich eine Diskussion zwischen beiden entwickeln wollte, schritt der Vorsitzende Richter ein und maßregelte die Beteiligten.

Nach einer Pause, in der Ute-Marion S. ihren Ex-Mann, der gestern ebenfalls zugegen war, bespuckt haben soll, kam Gerlinde H. zu Wort. Die Frau von Bruno H. war emotionaler und schilderte dem Gericht, dass sie längst kein normales Leben mehr führen könnten. Sie hätten Angst, ihr Grundstück zu verlassen.

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