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Weihnachten in Polen Zwölf fleischlose Gerichte

Von hata | 10.12.2017, 15:59 Uhr

Weihnachten in Prignitzer Partnerstädten: Heute Szczawnica und Szczaniec in Polen

Advent. Die Lichter brennen, der Baum kann geholt, die Ente bestellt werden. Das Weihnachtsfest in Deutschland hat Traditionen, bis hin zu dem Märchen „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Doch wie wird Weihnachten in den ausländischen Partnerstädten der Region gefeiert? Wir verraten es ihnen in unserer diesjährigen Weihnachtsserie. Heute: Szczawnica, Partnerstadt von Perleberg, und Szczaniec, Partnergemeinde von Groß Pankow.

Einen romantischen Weihnachtsmarkt werden Sie in Polen eher vergeblich suchen. „Sie sind selten zu finden“, sagt Wanda Hoppe, in Perleberg zuständig für Städtepartnerschaften und selbst gebürtige Polin.

Erst nach dem 6. Dezember wird die Stadt ein wenig geschmückt. In Szczawnica bieten Künstler ihre Arbeiten an. „Im Kurhaus zeigen Holzkünstler, Glasmaler und Maler ihre Werke“, erzählt Wanda Hoppe. Auch die Kinder aus der benachbarten Behinderteneinrichtung bieten Bastelarbeiten an.

In Szczaniec wird es morgen erstmals einen Weihnachtsmarkt geben, verrät Anne Beenen, die in Groß Pankow für die Verbindung mit der polnischen Partnergemeinde verantwortlich ist. Hingegen hat eine Tradition seit langem Bestand: „Jedes Jahr wird in der Grundschule ein Krippenspiel aufgeführt“, so Anna Beenen. Eltern und Großeltern sehen sich das Spiel an. Die Kinder treten auch bei der „Wigilia“-Feier („Heiligabend“) auf, die die Stadt für Rentner organisiert. Sie sind zu einem Weihnachtsessen eingeladen.

Der wichtigste und bedeutendste Tag ist in Polen der Heilige Abend. Der Baum wird von den Eltern geschmückt, die Geschenke werden darunter gelegt. Für die polnischen Mütter ist der Heilige Abend ein anstrengender Tag. „Da geht es in den Küchen etwas chaotisch zu“, schmunzelt Wanda Hoppe. „Denn es werden zwölf fleischlose Gerichte vorbereitet, die abends auf den Tisch kommen. “

An erster Stelle steht der Karpfen, der in Polen gebraten wird. Aber auch alle anderen Gerichte klingen verlockend: Rote-Beete-Suppe mit gefüllten Tortilinis, Pierogi, gefüllt mit Pilzen und Sauerkraut, mit Schafskäse gefüllte Champignons, Osypek (geräucherter Käse im Ofen gebacken), Makówki (eine Süßspeise aus Mohn), Pilzsuppe aus getrockneten Pilzen, süße Suppe aus getrocknetem Obst, gefüllte Pfannkuchen mit süßer bzw. fleischloser Füllung, diverse Salate. Jedes muss probiert werden.

Unter das weiße Tischtuch wird etwas Heu gelegt. „Das ist das Symbol für Bescheidenheit“, sagt Wanda Hoppe. In die Mitte des Tisches kommt der Teller mit den Oblaten. Ein zusätzliches Gedeck steht symbolisch auf dem Tisch. „Einsame und hungrige Menschen sind herzlich willkommen“, erzählt Anna Beenen.

Geduld brauchen die Kinder. Das Essen beginnt, wenn der erste Stern am Himmel leuchtet – er symbolisiert den Stern von Bethlehem. Jeder bricht sich ein Stückchen der Oblate ab und teilt sie mit den Anwesenden, man wünscht sich gegenseitig Gesundheit und ein gutes Zusammenleben. „Die letzten Worte gelten den Kranken oder Verstorbenen. Für Anna Beenen ist das Oblatenbrechen ein emotionaler Moment. „Zuvor wird aus der Bibel gelesen. Nach dem Essen werden Weihnachtslieder gesungen und dann kommt der Weihnachtsmann. Es folgt die Mitternachtsmesse. In Szczawnica spielt ein Blasorchester, die Feuerwehrleute kommen in Festuniform und die Gorale (Bergleute) in ihren Trachten.

Am ersten Feiertag steht die Familie im Mittelpunkt und ein Festessen: Schweinebraten mit Rosenkohl, Bigos oder Krakauer mit gekochten Pilzen. Am zweiten Feiertag besucht man Freunde.

Bürgermeisterin Annett Jura spricht von einem regen Austausch der Partnerwehren. „Durch die Partnerschaft sind vieler Freundschaften entstanden“, freut sie sich. Im kommenden Jahr wird eine Delegation nach Szczawnica reisen. „Anfang Mai erwarten uns die polnischen Gastgeber. Dann wird die Partnerschaft erneuert.“

Groß Pankows Oberhaupt Marco Radloff hebt das jährliche deutsch-polnische Ferienlager hervor. Abwechselnd findet es in Szczaniec und Groß Pankow statt. Ganz nebenbei werde auch ein wenig die polnische oder deutsche Sprache gelernt. Die gegenseitigen Besuche des Frauenchores, der Ende Juni bei den Szczaniectagen gastieren wird, oder des Anglervereins zeigen, dass es viele Berührungspunkte gibt.