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Perleberg will wildtiere vergrämen Wildschweine fühlen sich sauwohl in Stadtnähe

Von Doris Ritzka | 07.12.2016, 05:00 Uhr

Kommune setzt weiteres Vergrämungsmittel ein / Bejagung letzter Ausweg, Vorkehrungen aber getroffen

Die Wildschweine fühlen sich sauwohl in Stadtnähe. Während man vor drei Jahren noch die Hoffnung hatte, dass ihr Besuch nicht von Dauer sein wird, sieht die Praxis jedoch anders aus. Sie kommen über Nacht bzw. wenn es draußen dämmert. Spuren auf den Banketten und in Gärten im Bereich der Bullenwiese, des Sophiengrunds und beidseitig der Stepenitzbrücke an der ehemaligen B 5 kündeten davon. Über die Stepenitz kamen sie im vergangenen Jahr bis in den Hagen und die anliegenden Kleingärten bzw. auf die Grundstücke. Derweil hatte die Stadt Gegenmaßnahmen ergriffen, Vergrämungsmittel ausgebracht. Mit welchem Erfolg?

„Es hat durchaus was gebracht – zumindest das Granulat“, so Antje Hartwig, zuständig für den Umwelt- und Naturschutz bei der Stadt. Die Wirkung sei aber dahin, wenn es zu regnen beginne. Der Duftschaum, der dem menschlichen Schweiß nachempfunden ist, brachte nicht wirklich was. „Die Tier sind an den Menschen, an Hunde gewöhnt“, ergänzt Hauptamtsleiter Axel Schmidt, in dessen Bereich auch diese Problematik fällt. Inzwischen hat die Stadt auf Hinweis eines Bürgers noch ein neues Vergrämungsmittel eingesetzt. „Wie es wirkt, muss sich jetzt erst zeigen“, so Schmidt. Unabhängig davon gab es kürzlich einen Vororttermin mit der unteren Jagdbehörde des Landkreises. Mit dabei auch der Landesforstbetrieb. Denn so richtig zu befürchten hat das Borstenvieh nichts. Bejagt werden dürfen sie in diesem Bereich nicht so ohne weiteres. Schließlich ist das bewohntes Gebiet, die Stadt kein Jagdbezirk. „Eine Ausnahmegenehmigung ist zwar möglich, aber so ziemlich der letzte Ausweg“, bekräftigt der Hauptamtsleiter. Denn hier müsse man nicht nur sehr umsichtig handeln, auch der Erfolg sei fragwürdig. Es berge immer die Gefahr, dass man die Tiere dadurch womöglich in den Hagen dränge. Vorkehrungen dafür habe man aber getroffen. Die Azubis des Landesforstbetriebes haben entsprechende Schneisen in den Schilfgürtel geschlagen. Außer Zweifel stehe, dass der Maisanbau in Stadtnähe, der nahe Wald und auch die Bullenwiesen mit ihrem Schilf ideale Lebensbedingungen und Unterschlupf dem Borstenvieh bieten.

Deutlich machte Antje Hartwig auch, dass viele Kleingärtner schon darauf achten, die Komposthaufen so anzulegen, dass sie für die Wildschweine nicht eine Einladung an reich gedeckte Tischs sind. „Viele sind aber eben nicht alle.“