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Wittenberge „Wilde Hexe“ und Handarbeit

Von rehi | 19.12.2019, 05:00 Uhr

Seit zehn Jahren braut Familie Lange auf der Ölmühle ihr eigenes Bier / Betrieb ist rasant gewachsen

Prost! Gut möglich, dass ein Gast der Ölmühle in diesen Tagen das 456 001. Bierglas ansetzt. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Brauhauses öffnet uns Juniorchef Jan Lange die Tür. „Wir haben extra ein wenig Statistik betrieben.“ Die Zahl der Biere ist auf das halbe Liter Glas bezogen. „Im ersten Jahr 2009 haben wir nur 9200 Gläser ausgeschenkt“, sagt Lange. Bis heute wurden rund 10,8 Tonnen Malz und Hefe vom hauseigenen Braumeister verarbeitet. „Handarbeit“, betont Lange. Von einer industriellen Fertigung seien sie weit entfernt. Und wie es sich für eine Hausbrauerei ziemt, ist ihr Bier unfiltriert.

Ganz anders die aktuelle Flaschenkollektion „Wilde Hexe“. Sie stammt aus einer Lohnbrauerei in Bayern, mit der die Ölmühle zusammenarbeitet. Im vergangenen Jahr wurde beispielsweise ein Spezialbier anlässlich des Brandenburgtages gebraut.

Das Hexenbräu ist würzig und süffig, dabei zugleich mild. Ein Geschmack, den Frauen lieben, soll der Braumeister gesagt haben. „Mit dem Namen wollten wir etwas Freches anbieten, etwas, das vielleicht eher die jüngere Generation anspricht“, so Lange. Abgefüllt wurden nur 1000 Flaschen.

Genug mit der Statistik. Vorbei an den kupferfarbenen Kesseln öffnet Jan Lange die Tür in den Küchenbereich. Selbst an diesem Montagvormittag herrscht reger Betrieb. Elf Facharbeiter, zwei Azubis und zwei Spülkräfte wirbeln hier, damit Restaurantbesucher, Hotel- und Tagungsgäste ihren Hunger stillen können. „Anfangs haben wir gar nicht ausgebildet, heute lernen auf dem ganzen Gelände elf Azubis. Allein vier von ihnen wollen bleiben“, sagt Lange. Einer davon ist Jeremy Brendike. Der angehende Koch hat den ersten Teil seiner Prüfung abgeschlossen. Seine Liebe zum Kochen hat er mit 15 Jahren entdeckt. Kein Spiegelei, keine Bockwurst. „Gulasch war mein erstes Gericht.“ Bis heute kocht er gerne für seine Eltern, „aber so richtig Spaß macht‘s nur hier in der Großküche.“ Sollte er die Prüfung bestehen, und danach sieht es aus, kann er seine berufliche Zukunft in der Ölmühle planen.

Ganz andere Pläne hatte Ben Levin. Der Havelberger lernte Wasserbauer und hatte eher zufällig in einer Bar ausgeholfen. „Das ist es, was ich machen will“, beschreibt er seine Gefühle von damals. Er ging nach Hamburg, lernte und arbeitete für mehrere Häuser in der gehobenen Gastronomie. Doch dann zog es ihn zurück in die Prignitz, zunächst nach Wittenberge ins Kranhaus. Jetzt ist er auf der Ölmühle und sagt: „Ich bin angekommen.“ Befördert zum Leiter der Gastronomie, will er vor allem den Service und die Qualität auf eine noch höhere Stufe heben. Die in Hamburg gemachten Erfahrungen könne er in diesem Haus gut einbringen.

Jan Lange begleitet uns zur Tür. Zehn Jahre und das Areal ist nicht wieder zu erkennen.Anfangs hatte die Genesis GmbH als Eigentümer nur den Uferturm, das Brauhaus und den großen Saal geplant. „2,2 Millionen Euro investierten wir.“ Inzwischen sind 15,3 Millionen Euro in das Ensemble geflossen, davon drei Millionen Fördermittel. „Die Differenz sind ausschließlich Eigenmittel und Geld von unserer Hausbank“, so Lange.

Aus den einst sieben Mitarbeitern sind 116 fest Angestellte geworden. Eine Entwicklung, die selbst für die Hausherren nicht absehbar war. Ein Ende ist nicht in Sicht, nächste Ideen gibt es. In jedem Fall werde sich der Charakter des Hauses wandeln. Weg von der Event-Location hin zu einem Ressort, in dem der Urlauber und Wellnessgast im Mittelpunkt steht.