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Babelsberg Vor 100 Jahren wurde der erste Film in Babelsberg gedreht

Von dapd; | 03.02.2012, 09:43 Uhr

In der nächsten Woche jährt sich der erste Drehtag in den Babelsberger Filmstudios zum 100.

Mal. Eine wechselvolle Geschichte haben die Ateliers seitdem erlebt - von den "gol-denen Zwanzigern" und den Anfangszeiten des Films über die Vereinnahmung durch die Nazis. Die Studios waren Standort des volkseigenen DDR-Filmunternehmens Defa, auch wurden dort Hollywood-Produktionen wie "Inglourious Basterds" gedreht.

Kaum einer kennt sich mit der Babelsberger Filmgeschichte so gut aus wie Ulrich Illing. Seit 1970 arbeitet der gelernte Toningenieur in den Studios und hat sich über die Jahre eine beachtliche Sammlung historischer Filmutensilien angeschafft. Sein kleines Tonfilm-Museum hat sich der 66-Jährige in einem Büro auf dem Studiogelände eingerichtet. Unzählige Apparate stehen herum, an den Wänden hängen Filmplakate, Zitate oder historische Fotos. "Ich habe den Ehrgeiz, dass alle Geräte funktionieren", sagt Illing stolz. Zum Beispiel der alte Filmprojektor vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Während Illing an dem Gerät steht und kurbelt, lässt er am anderen Endes des Raums eine Schellackplatte auf einem Grammophon laufen. "So wurden anfangs Tonfilme gemacht", sagt er und lacht.

Als es den Tüftlern in den 1920er-Jahren erstmals gelang, Ton und Bild auf einen Film zu bringen und beides gleichzeitig abzuspielen, war der Widerstand der Stummfilmindustrie zunächst groß. "Die Orchestermitglieder und Film-Erklärer fürchteten um ihre Jobs", sagt Illing. Auch Charlie Chaplin gehörte zu den Kritikern. Er fürchtete, der Tonfilm zerstöre "die älteste Kunst der Welt, die Kunst der Pantomime". Dennoch wurde der Tonfilm weiterentwickelt und boomte kurz darauf in den USA.

Wenige Jahre später kamen die Nazis an die Macht. Propagandaminister Joseph Goebbels nutzte die Babelsberger Studios für seine Zwecke und ließ dort beispielsweise den antisemitischen Film "Jud Süß" drehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die deutsch-sowjetische Aktiengesellschaft "Defa" - Deutsche Film AG - gegründet, die bis zur Wende bestehen sollte. 1970 kam Illing zunächst als Wartungsingenieur zu den Filmstudios und arbeitete sich dann bis zum Abteilungsleiter der Tontechnik hoch. "Zu Defa-Zeiten herrschte hier quirliges Leben", erinnert er sich. Heute geht es manchmal beschaulich zu auf dem Gelände der Studios. Denn trotz der Beliebtheit auch bei Hollywood-Größen wie Quentin Tarantino ("Inglourious Basterds") mache das Studio kaum Gewinn, sagt der Vorstandsvorsitzende der Studios, Carl Woebcken. "Es wirkt so, als hätten wir große Erfolge. Fakt ist, dass wir von sieben Jahren in dreien eine Dividende zahlen konnten." Dies sei auch der Grund, warum die Studios hauptsächlich freie Mitarbeiter beschäftigten, sagte Woebcken. 2004 seien es noch 240 Festangestellte gewesen, 2012 nur noch 90. "Mehr können wir uns nicht leisten, sagt Woebcken.