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Wittenberge Von der Provokation zur Tattoomesse

Von Felix Alex | 01.11.2012, 07:19 Uhr

Schuster bleib bei deinen Leisten, heißt eine Volksweisheit, an die Karsten Möllmann bei seinen Überlegungen, eine Messe für Körperkunst in Wittenberge zu veranstalten, wohl nicht gedacht hat.

Der Betreiber einer Sicherheitsfirma organisiert die ersten ostdeutschen Tattootage, die jetzt am Wochenende in der OSZ-Halle veranstaltet werden.

"Eigentlich habe ich selbst keinen Bezug zum Beruf des Tätowierers. Aber zusammen mit meinem Stammtätowierer aus Uelzen bin ich auf die Idee gekommen, diese Veranstaltung ins Leben zu rufen", beschreibt der Wittenberger die Ausgangssituation. Vor allem die gute Lage in der Nähe von Berlin, Potsdam, Magdeburg und Schwerin spielte bei den Überlegungen eine große Rolle. Nun sollen hier am 3. und 4. November Künstler aus ganz Ostdeutschland zusammenkommen und ihre Arbeit präsentieren. "Aber auch sonst sind alle anderen Künstler willkommen, die sich mit dem Thema identifizieren", verdeutlicht der 43-Jährige. Neben den Tattooständen steht auch das Thema Piercing im Mittelpunkt. Außerdem gibt es ein Rahmenprogramm mit zwei Livebands. "Allerdings soll es keine reine Tanzveranstaltung werden, sondern überwiegend Künstlerisches bieten", führt der Besitzer von neun Tattoos an.

Jedoch scheinen einheimische Tätowierer diese Möglichkeiten noch nicht zu erkennen. Neubrandenburg, Waren, Stendal oder auch Schwerin stehen bisher als Herkunft hinter den Körperkünstlern. Ulf Brunnemann ist bislang der einzige Einheimische, der sein Kommen zugesagt hat. "Das ist doch eine gute Möglichkeit, die eigene Arbeit in der Region zu präsentieren", ist sich der gelernte Tischler sicher, der seit 2007 sein eigenes Tattoostudio in der Rathausstraße betreibt. Die Faszination zur Farbnadel hat ihn hingehen schon sehr früh erwischt. "Bereits zu Ostzeiten hat mir diese Form der Provokation gegen den Staat gefallen", erzählt der 43-Jährige. Bereits mit 16 Jahren kam so das erste Bild auf seinen Körper. Bei einem Bekannten lernte er dann nach und nach die Grundlagen. "Dann hab ich angefangen, wie jeder anfängt. Privat und zu Hause mussten dann viele Bananen und Apfelsinen als Versuchsobjekte herhalten", so gebürtige Wusterhausener. Von der ersten eigenen Maschine im Jahre 1998 bis zum eigenen Laden, war es dann nur noch ein kurzer Weg. Durch Freunde vom Fußball verschlug es ihn anschließend nach Wittenberge, erzählt der Union-Berlin-Fan. Und in den drei Jahren seit der Eröffnung hat er auch schon einige Kuriositäten der Körperkunst erlebt. "Dabei ist natürlich alles - von Tragischem bis Verrücktem." So hat sich ein Kunde zum Beispiel den Schriftzug ,faustdick’ hinter das Ohr tätowieren lassen. Ganz nach dem Ausspruch: "Der hat es faustdick hinter den Ohren". Was der Wunsch ist, wird meist auch ausgeführt. Dabei kommen heutzutage immer weniger Kunden mit Motiven aus Zeitschriften. "Meist bringen sie mir eigene Skizzen. Das Zeichnen der Vorlage übernehme ich dann meist selbst", erklärt Brunnemann.

Grund genug, seine Arbeit jetzt auch seinen Kollegen zu präsentieren. "Hier können sich die Künstler auch über Farben, Maschinen und Stile austauschen", resümiert Organisator Möllmann, der mit etwa 500 Leuten pro Veranstaltungstag in der OSZ-Halle rechnet.