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Wittenberge Trinkkumpan mit Flammenwerfer gequält

Von Redaktion svz.de | 09.01.2019, 11:24 Uhr

So geschehen bei einer Auseinandersetzung in Wittenberge. Angeklagter muss sich vor Gericht verantworten

Der Angeklagte schweigt, das mutmaßliche Opfer kann sich an nichts erinnern – alkoholbedingt, wie Manuel H. gestern sagte. Dafür sprach ein Video Bände. Das zeigte minutiös über acht Minuten den Vorfall, für den sich Gino W. nun vor dem Landgericht Neuruppin verantworten muss.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 28-Jährigen vor, im Herbst 2017 in Wittenberge in der Bahnstraße Manuel H. im Verlauf eines Streites mit der Ecke einer Bodenfliese gegen die Schläfe geschlagen zu haben. Schwerer wiegt jedoch der zweite Vorwurf. Danach soll Gino W. von seinem Kumpel Manuel H. in dessen Wohnung im Beisein von drei weiteren Personen die Pin-Nummer seiner Bankkarte verlangt haben. Da der Kontoinhaber diese nicht freiwillig herausrückte, soll ihn der Angeklagte zunächst mehrfach geohrfeigt und dann mit einer Art Flammenwerfer bedroht haben.

Als auf dem abgespielten Video die einzelnen Flammenstöße zu sehen waren, herrschte betretenes Schweigen im Gerichtssaal. Trotz sichtlicher Verbrennungen am nackten Oberkörper verriet Manuel H. nicht die geforderte Zahlenkombination. Immer wieder war der Angeklagte, der anhand seiner markanten Stimme bereits von der Polizei identifiziert worden war, zu hören, wie er seiner Forderung Nachdruck verlieh. Es ging um angebliche Millionen, die Manuel H. besitzen sollte. „Nenn mir Deine Millionen, Du feiner reicher Pinkel“, war nur einer der Aussprüche des Angeklagten. Oder „Du musst ja wirklich Millionen haben, wenn Du nichts preis gibst. Du gönnst uns die Millionen nicht.“ Das allerdings entbehrt jeder Grundlage: Manuel H. bekommt nach eigenen Angaben zwei Mal die Woche je 25 Euro von seinem Betreuer überwiesen. Das Geld hebt er anschließend sofort ab. Er stritt auch ab, mit viel Geld geprahlt zu habe n.

Zu dem, was ihm in seiner Wohnung damals widerfahren ist, wollte er nichts sagen. Er sei seit zehn Jahren starker Alkoholiker und habe Blackouts. Er wusste noch, dass der Angeklagte seine Bankkarte hatte, sie ihm aber am nächsten Tag wieder gegeben habe. Damit sei für ihn die Sache erledigt gewesen. Das Video habe er bei der Polizei gesehen, erinnern könne er sich nicht an die Tat. Und ja, es eskaliere schon mal, wenn er und seine Besucher getrunken hätten. „Wir hauen uns dann gegenseitig in die Fresse.“ Bei ihren Treffen würden auch schon mal Filme gedreht, so Manuel H., den die Fragen des Vorsitzenden Richters sichtlich nervten.
Das Video, das das Gericht ihm vorspielte, zeigte dann doch Wirkung. „Ich bin wütend und enttäuscht, dass jemand so etwas macht“, sagte er. Und auf die Frage des Richters: „Wer hat Sie so malträtiert?“, war die Antwort: „Gino“. Wer das Ganze gefilmt hat und um was es bei der Auseinandersetzung ging, konnte er nicht mehr sagen. Wenig kooperativ hatte sich der 32-Jährige auch bei der Polizei gezeigt. Die hatte Manuel H. ausfindig gemacht, als sie bei Ermittlungen gegen Gino W. wegen Drogenstraftaten in seinem Handy auf besagtes Video stieß. „Er wusste sofort, um was es ging, hat sich aber nicht weiter dazu geäußert“, sagte ein Polizeibeamter vor Gericht. Er hatte den Eindruck, dass Manuel H., als er die Stimme des Angeklagten hörte, wie traumatisiert erschien.

Am Montag wird weiter verhandelt.