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Prignitz Tempo 70 soll Alleen sicherer machen

Von Katarina Sass | 26.10.2011, 06:55 Uhr

Unfallschwerpunkte auf den Alleen in der Prignitz könnten künftig mit Tempo 70 geregelt werden - so sieht es das Infrastrukturministerium in einem Erlass vor , der seit dem 14.

September gilt. Dazu wurden alle Landkreise aufgefordert, die Straßen entsprechend zu prüfen.

Der Grund ist die seit Jahren hohe Quote an Unfällen, die an einem Baum enden. 2010 starben nach Angabe des Verkehrsministeriums 192 Menschen auf den Alleen Brandenburgs, knapp 50 Prozent überlebten die Kollision mit einem Baum nicht.

"Die Zahl der Baumunfälle im Land ist sehr hoch. In der Prignitz stellt das keinen Schwerpunkt dar", stellte Jürgen Nüsse, Leiter der Kreisunfallkommission (KSK), klar. Bis Ende August registrierte die Polizei im Kreis 1691 Verkehrsunfälle. 62 davon endeten am Baum mit 28 verletzten Insassen.

Lokale Schwerpunkte lassen sich daraus aber nicht ableiten, so Nüsse. "Diese Unfälle sind überall verteilt, egal ob Kreis-, Landes- oder Bundesstraßen."

Bereits nach 1998 ordnete das Land an, Alleen entweder mit Leitplanken zu schützen oder eine Tempo-80-Zone einzurichten. "Das haben wir auf 83 Streckenabschnitten umgesetzt. Aber inzwischen haben sich Straßenführungen, wie auf der alten B 189, und Verordnungen verändert", sagt Nüsse. Das heißt, Straßenbäume sind nach den neuen Verordnungen 4,50 Meter vom Fahrbahnrand entfernt gepflanzt worden. Leitplanken und Tempolimits waren dann nicht mehr nötig.

Dieser Runderlass von 1998 hatte bis dato Bestand. Ob die neue Verordnung vom Land - "in besonders gefährdeten Alleen oder baumbestandenen Straßen Tempo 70 anzuordnen" - die Unfallquote senkt, ist fraglich. Viel hänge von den Kraftfahrern selbst ab, glaubt Nüsse. Und ob diese ihr Tempo von 80 nun auf 70 Kilometer pro Stunde drosseln, sieht er skeptisch.

Dennoch werde sich der Landkreis mit der Verfügung aus dem Ministerium eingehend befassen. "Wir, die Kreisunfallkommission, werden mit der Polizei auswerten, wo es konkret Baumunfälle gab. Das werden wir mit den Ergebnissen von 1998 vergleichen und schauen, wo sich etwas verändert hat", sagt der Sachbereichsleiter für Straßenverkehr im Landkreis. Da der Verwaltungsaufwand sehr hoch sei, die Umsetzung Geld koste, wolle man schauen, wo man den Potsdamer Erlass umsetze. Dort, wo Leitplanken bereits schützen, müsse auch kein Tempo 70 angeordnet werden. Die Kommission befasst sich die kommenden Monate mit dem möglichen Tempolimit.

Zur Erklärung: Die Landkreise sind die Verkehrsbehörden für alle Bundes-, Landes- sowie Kreisstraßen. Die Kommunen sind für die Ausschilderung zuständig.

Brandenburg rangiert im Bundesvergleich bei der Verkehrssicherheit auf dem letzten Platz. Der Erlass, der bis zum 31. Dezember 2016 gilt, ist ein neuer Vorstoß des In frastrukturministeriums, Autofahrer zu einer angemessenen Fahrweise zu bewegen.