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Perleberger Stadtgeschichte auf DVD Subbotnik und „Blutiger Knochen“

Von dori | 07.02.2014, 08:00 Uhr

Gespräch mit Filmemacher Jens Nering über Stadtgeschichte auf DVD und neue Ideen

Gestern Abend lief im Freizeitzentrum „Effi“ der dritte Teil Perleberger Stadtgeschichte, die Jens Nering in Szene setzte. „Prignitzer“-Redakteurin Doris Ritzka sprach mit dem Filmemacher über Emotionen, Highlights und neue Vorhaben.

Teil 3 hatte nun Premiere. An welche Bilder müssen Sie da sofort denken?

Jens Nering: Es gibt viele. Alle widerspiegeln jüngste Geschichte der Stadt. Das heißt, es gibt noch etliche Perleberger, die sich daran erinnern, manchmal auch schmerzlich. Ich denke da nur an das Jahr 1945. Auf dem damaligen Hindenburg-Platz, heute Friedrich-Engels-Platz, fanden die letzten schweren Kampfhandlungen statt. Die Russen hatten sechs Raketenwerfer, Stalinorgel genannt, hier postiert und feuerten 96 Raketen in den Wald bei Jagel. Sie vermuteten hier letzte versprengte Wehrmachtseinheiten.

Der Platz, der damals noch rund einen Meter tiefer lag, wurde später im Subbotnik mit Schutt aus der ganzen Stadt aufgefüllt.

Entstanden sind drei Teile Stadtgeschichte auf DVD. Was war am spannendsten für Sie?

Dass ich die Menschen mit meiner Idee, meinem Projekt offensichtlich angesteckt habe. Denn immer mehr kamen zu mir, boten mir Bilder und andere Zeugnisse der Historie dieser Stadt an.

Inhaltlich war es die Stadt selbst, wie sie sich in den Jahrhunderten verändert hat, gewachsen ist. Und das kann man hier wörtlich nehmen, denn der Kern um die St. Jacobi-Kirche mit Schuhmarkt und Wittenberger Straße hat sich vom Bodenterritorium her verändert, wurde aufgeschüttet.

Was hat Sie besonders fasziniert?

Ich war selbst erstaunt, dass es auch heute noch möglich ist, Geschichte aufzurollen, man immer noch an Materialien gelangt, die bis dato nicht oder nur wenig bekannt sind. Ich dachte schon eine Menge über die Stadt zu wissen, doch aus heutiger Sicht wusste ich gerade mal einen Bruchteil. Ich habe selbst viel Neues und Interessantes erfahren. Die Geschichte fesselt mich seither mehr denn je, ich habe sprichwörtlich Blut geleckt.

Da fällt mir der „Blutige Knochen“ ein. Was hat es damit auf sich?

Den gab es in Perleberg. Es war ein Wirtshaus in der Wilsnacker Straße 96/ Ecke Karlstraße. Heute hat hier das Autohaus Hamann sein Domizil. Dem Haus wurde nachgesagt, dass es hier häufig zu Schlägereien zwischen den kräftigen Kutschern, verwegenen Handwerksgesellen und nicht ganz nüchternen Reisenden kam. Manch blutige Knochen wird es dabei geben haben. So kam die Lokalität zu ihrem Namen, denn eigentlich hieß sie „Zum goldenen Stern“.

Die Stadtgeschichte ist abgedreht. Wie geht es nun weiter?

Es geht weiter, das kann ich schon versprechen. Die Idee für den nächsten Film lieferte unser Stadt- und Regionalmuseum, das mich bei meiner Arbeit stets auch mit unterstützte. Eigentlich sollte es ein Streifen über das Königsgrab Seddin werden. Die Prignitz hat aber etliche bedeutende archäologische Schätze, die Auskunft über die Besiedlung geben. So will ich nun neugierig machen auf die Geschichte unseres Landstrichs.

Wie ist der Stand der Dinge?

Das Projekt ist schon in Arbeit. Ein weiteres speziell zu Perleberg steht als Idee. Nachdem ich die Geschichte der Stadt versucht habe zu erzählen, will ich dann die ihrer Bewohner aufgreifen, faktisch tiefer hinter die Kulissen schauen. In diesem Jahr werde ich das aber nicht schaffen.         Vielen Dank für das Gespräch