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Protestantische Kirchen in der Prignitz „St. Nikolai“ überlebt Reformation

Von paul | 20.12.2017, 20:50 Uhr

In der Prignitz gibt es auch 500 Jahre nach der Reformation evangelische Gotteshäuser, die nach katholischen Heiligen benannt sind

In unserer Region dominieren bei den Gläubigen die Protestanten. Rund 24 000 leben im Kirchenkreis und trotzdem verstecken sich auch heute noch hinter den evangelischen Kirchen und ihren Gemeinden katholische Geschichten. So gibt es die St. Jakobi-Kirche in Perleberg oder St. Nikolai in Bad Wilsnack. Auch in Pritzwalk heißt das Gotteshaus St. Nikolai. Die Abkürzung „St.“ steht für Sankt und kennzeichnet eine heilige Person. Heilige sollen aus religiöser Sicht vorbildlich gehandelt haben, definiert die katholische Kirche, in der die Verehrung Heiliger zum Glauben gehört.

Warum behielten die protestantischen Kirchen aber den katholischen Namen? „Unsere Kirchen sind in der Regel im Zuge der Reformation nicht umbenannt worden“, weiß Domstiftsarchivar Uwe Czubatynski. Die Kirchen standen bereits vor der Reformation durch Martin Luther 1517 und der Gründung der evangelischen Kirche. Der erste Neubau der Wunderblutkirche nach dem Brand von 1383 erwies sich als zu klein, so dass laut der Kirchengemeinde um 1450 mit dem Bau eines größeren Gotteshauses begonnen wurde. Die Arbeiten am ersten Bauabschnitt von St. Jakobi in Perleberg sollen nach Angaben des Kirchenkreises zwischen 1239 und 1294 begonnen haben. Noch älter ist laut der Stadt Pritzwalk die St. Nikolai Kirche. Sie wurde um das Jahr 1230 begründet.

Gerade bei der Perleberger Hauptkirche habe man aus evangelischer Sicht überhaupt keinen Grund gehabt, das Gotteshaus umzubenennen, schließlich erinnere St. Jakobi an „Jakobus den Älteren“, der zu den Jüngern Jesu zählte und auch im Neuen Testament genannt wird, erklärt Uwe Czubatynski. Anders hätte es sich bei den beiden weiteren Kirchen verhalten können. Der Name St. Nikolai führt nämlich auf den heiligen Nikolaus zurück. Dieser sei kein biblischer Heiliger, berichtet Czubatynski.

Der heilige Nikolaus war ein Bischof, der in Myra (in der heutigen Türkei) gelebt haben soll, und er galt als barmherzig und großzügig, besonders zu Kindern, so die Überlieferungen. Daraus hat sich über Jahrhunderte auch der Brauch entwickelt, dass der Nikolaus die Stiefel füllt. Zudem ist Nikolaus der Patron der Seefahrer, Binnenschiffer und Händler. „Deshalb findet man den Namen St. Nikolai auch besonders häufig an Städten, die in der Nähe des Wassers liegen“, erklärt Uwe Czubatynski.


Statue zeigt wohl heiligen NikolausAnna Trapp, Pfarrerin in Bad Wilsnack, vermutet, dass der Name ihrer Kirche ursprünglich aus Tradition nicht geändert wurde und bestärkt dies heute weiterhin: „Man sollte eine Tradition nie ganz abbrechen, denn dann kommen die Leute nicht mehr. Ein historisches Gebäude sollte seine Herkunft zudem nicht verleugnen“, so Trapp. Häufig sind in den Kirchen auch Statuen, die den Namenspatron abbilden, zu besichtigen. In Bad Wilsnack ist eine Statue zu sehen, die vermutlich den heiligen Nikolaus als farbige Sandsteinplastik am mittleren der drei nördlichen Langhauspfeiler darstellt, so ganz sicher ist sich die Gemeinde laut Anna Trapp aber nicht. Es werde vermutet, dass die Statue zwei Personen vermischt darstellt. Zum einen den heiligen Nikolaus, zum anderen Bischof Johann Wöpelitz, einem Förderer der Wunderblutkirche, der von 1385 bis 1401 Bischof vom Havelberger Bistum, zu dem die Wunderblutkirche einst gehörte, war. Trotzdem hält sie nichts von einer Umbenennung: „Würde man den Namen ändern, müsste man auch die Statue wegnehmen und dann entfernt man gleichzeitig die Geschichte der Kirche“, erklärt Anna Trapp.

Für viele streng gläubige Katholiken ist der Gedenktag des eigenen Namenspatrons wichtiger als ihr eigener Geburtstag. Die hiesige katholische Gemeinde ist äußerst klein, derzeit leben rund 2000 Katholiken in der Region, wobei diese Zahl auch Wittstock und Havelberg umschließt. Die Städte gehören zu den beiden katholischen Gemeinden in der Prignitz. Aus Sicht der katholischen Kirche stellt das Namenspatronat bei protestantischen Kirchen kein Problem dar. Bertram Pricelius, Dekan der katholischen Kirchengemeinde Wittenberge, die sich von Havelberg bis hinter Lenzen erstreckt, erklärt auf „Prignitzer“-Nachfrage: „Jede Gemeinde muss das für sich entscheiden.“ Weitere Gotteshäuser, die sich in der Prignitz nicht umbenannt haben sind die St. Nikolai Kirche in Putlitz, die St. Johannis Kirche in Kietz und die St. Katharinenkirche in Lenzen.