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jugendmeisterschaften vor dem aus Sie sind die letzten Kochazubis

Von hata | 23.02.2014, 22:00 Uhr

Nur drei Teilnehmer kommen zu den Prignitzer Jugendmeisterschaften / Holger Stahl vom Köcheverein ist enttäuscht, aber macht das Beste daraus

Elf Teilnehmer hätten es werden können, mit sechs bis neun hat Holger Stahl gerechnet, drei Kochlehrlinge standen Samstagmorgen vor der Tür, um an den 15. Prignitzer Jugendmeisterschaften teilzunehmen. Stunden seiner Freizeit hat der Chef des Prignitzer Köchevereins in die Vorbereitung investiert, hat sich wie seine Mitstreiter den Sonnabend dafür frei gehalten. Ja, er sei enttäuscht, sagt er. Dabei ärgert ihn gar nicht so sehr die zeitraubende Vorbereitung. Auch nicht die Suche nach Förderern wie der Lucullus GmbH und der Kartoffel und Gemüseveredlung Prignitzland GmbH, die alle Produkte zur Verfügung stellen. Viel mehr ärgert Holger Stahl, dass die Kochlehrlinge eine große Chance vergeben, sich unter vergleichbaren Bedingungen auf ihre bevorstehende Abschlussprüfung vorzubereiten.

Tobias Keller will sich diese Chance nicht entgehen lassen, will diese Erfahrung machen und will wissen, was er beim Anrichten eines Vier-Gang-Menüs in den nächsten Wochen verbessern muss. Eine Rotzungensülze und eine klare Hühnersuppe gibt es bei ihm vorweg. Als Hauptgericht bereitet er Kalbsroulade zu und zum Dessert Granatapfel an Panna cotta. „Egal, welchen Platz ich heute belege. Ich sehe das als gute Prüfungsvorbereitung und jeder muss selbst wissen, ob er sich die entgehen lässt“, sagt der Lehrling aus dem Hotel Germania.

Anne-Marie Borchert sieht das ähnlich. Das schöne Wetter könne sie später immer noch genießen, aber zunächst will sie erfahren, ob ihr die vorgegebenen fünf Stunden reichen werden, um alles mundgerecht fertig zu bekommen, sagt der Lehrling der Lucullus GmbH. Marcel Buro blickt auf die Uhr und spürt, dass es knapp werden wird. Seine Rehkeule ist zwar schon im Backofen, aber die anderen Gerichte sind aufwändig. „Ich mache das beste daraus“, ist er verhalten optimistisch. Am Ende des Tages wird der Lehrling aus der Kleinen Residenz am Tierpark vor Anne-Marie und Tobias den ersten Platz belegen.

Gewinner sind sie aber alle, denn sie werden es in der Prüfung einfacher haben, ist Holger Stahl überzeugt. Er darf das so sagen, schließlich arbeitet er in verschiedenen Prüfungskommissionen mit und richtet gemeinsam mit Lehrern des Oberstufenzentrums seit Jahren diese Meisterschaften aus. Damit wird es wohl künftig vorbei sein.

Nachdem der Wettbewerb bereits einmal mangels Teilnehmer abgesagt wurde und in diesem Jahr die angehenden Restaurantfachkräfte nicht teilnehmen, stellt sich zwangsläufig die Frage nach der Zukunft des Chefs Culinar-Cup, wie der Wettbewerb offiziell heißt. Ursachen sieht Holger Stahl mehrere.

Die Zahl der Lehrlinge ist fraglos gesunken. Gab es früher zwei Köcheklassen am Oberstufenzentrum, ist es heute nur noch eine. Im ersten Jahrgang werden gar Köche, Servicekräfte und Hotelfachangestellte zu einer Klasse zusammengefasst. „Die IHK Potsdam zählt in ihrem Gebiet noch rund 200 Kochprüflinge. Einst waren es 600 bis 700“, nennt Stahl dramatische Zahlen.

Stark steigend sei die Zahl der Ausbildungsabbrecher. „Das Fernsehen mit all seinen Kochsendungen verfälscht das Bild unseres Berufes.“ Schicht-, Sonn- und Feiertagsarbeit sind Realität. Aber Holger Stahl spricht auch von hausgemachten Problemen in seiner Branche. Er sagt nicht, dass die Arbeitsbedingungen hart seien oder dass manche Lehrlingen verheizt werden, wie es immer wieder mal heißt. Stahl sagt dazu: „In der Prignitz steckt noch Potenzial, diesen Beruf spannender zu gestalten.“

Im nächsten Jahr wird der Wettbewerb wohl in den regulären Unterricht am OSZ integriert, es sei denn, es zeichnet sich großes Interesse an den 16. Jugendmeisterschaften ab.