Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion

Potsdam Schmutzige Geschäfte des Müllbarons

Von dpa/dapd | 06.10.2011, 08:01 Uhr

Im Prozess um einen der größten Müllskandale in Brandenburg hat der Hauptangeklagte ein umfassendes Geständnis abgelegt.

 

Der 56 Jahre alte Inhaber eines Transportunternehmens gab gestern zu, mit seiner Firma jahrelang und gewerbsmäßig Massen von Müll illegal entsorgt zu haben. "Ich erkenne die Anklage im vollen Umfang an und bekenne mich in allen Punkten für schuldig", sagte er am zweiten Verhandlungstag am Landgericht Potsdam mit stockender Stimme.

Der frühere Polizist, der als Müllbaron bekannt wurde, entsorgte laut Anklage zwischen 2005 und 2008 mehr als 144 000 Tonnen Siedlungs- und Gewerbemüll. Vergraben wurde dieser illegal auf sechs Altdeponien und in einer Kiesgrube im Landkreis Potsdam-Mittelmark. Neben medizinischen Abfällen wurden Autoreifen und leere Benzinkanister gefunden. Teils wurden Schadstoffe im Grundwasser festgestellt. Eine Beseitigung aller Verunreinigungen in den sieben Halden würde laut Staatsanwaltschaft über 70 Millionen Euro kosten.

Der Unternehmer sagte, Grund für sein "grobes Fehlverhalten" sei das viele Geld gewesen, das sich mit der illegalen Verklappung von Müll verdienen lasse. Nach Gründung seiner Firma im Jahr 2001 seien die Geschäfte mit gewöhnlichen Transporten und Abrissarbeiten zwar nicht schlecht gelaufen. Die ersten satten Zahlungen für dubiose Verklappungen hätten ihn dann "verblendet", sagte er. Er habe sich immer weiter in das lukrative Geschäft mit dem Abfall "reinreißen lassen".

Sogenannte "Müll-Makler" wurden auf den Unternehmer aufmerksam und vermittelten Auftraggeber, die ihren Abfall teils aus Thüringen und Sachsen-Anhalt herankarrten. Teilweise kippten pro Tag bis zu 15 Laster ihren Müll auf märkischen Brachen ab. Offiziell lief das Geschäft unter dem Motto "Renaturierung" von Landschaftsbrachen.

Verbuddelt wurde oft in der Dunkelheit bei Nacht- und Nebelaktionen, wie der 49 Jahre alte Mitangeklagte Frank N. sagte. Der Kraftfahrer, die mutmaßliche rechte Hand des angeklagten Unternehmers, legte gestern ebenfalls ein Geständnis ab. "Ob Kraftfahrer oder Deponiearbeiter - jedem einzelnen war klar, dass das so wie es gelaufen ist - nicht genehmigt war," sagte er. Der Chef habe der Belegschaft jedoch versichert, die Entsorgung sei genehmigt und offiziell. Auf Kritik an den Geschäftspraktiken sei mit massivem Druck reagiert und mit Entlassung gedroht worden.

R. betonte vor Gericht, als Inhaber seiner Entsorgungsfirma in alleiniger Verantwortung gehandelt zu haben und dass der Mitangeklagte N. nicht zu belasten sei. Die Strafkammer hatte zu Prozessauftakt vorgeschlagen, den Hauptangeklagten bei einem umfassenden, von Reue getragenen Geständnis zu maximal fünf Jahren Haft zu verurteilen. Für den Mitbeschuldigten N. hatte das Gericht eine Bewährungsstrafe erwogen. Die Staatsanwaltschaft hatte das Strafmaß für zu gering befunden und den Vorschlag abgelehnt.

Es ist nicht der erste Fall von illegaler Müllverklappung in Brandenburg. Laut Bundeskriminalamt ist das Land bundesweit eine Drehscheibe für solche Delikte. Von 33 Müllskandalen in Ostdeutschland zwischen 2005 und 2009 habe sich demnach fast die Hälfte in der Mark abgespielt.

Für den aktuellen Prozess sind 38 Verhandlungstage bis weit ins Frühjahr 2012 angesetzt.