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Wittenberge Schluss mit der Fußgängerzone

Von Barbara Haak | 07.09.2011, 06:37 Uhr

Die Fußgängerzone in der Bahnstraße soll wieder für den Verkehr frei gegeben werden.

So wollen es die Mitglieder im Wirtschafts- und Bauausschuss und gaben auf ihrer Beratung am Dienstagabend die Empfehlung an die Stadtverordnetenversammlung. Das Parlament muss am 27. September endgültig über die Öffnung entscheiden. Sagen die Abgeordneten Ja, fällt das fast 17 Jahre geltende Fahrverbot (ausgenommen Lieferfahrzeuge und Radler) zwischen Wilhelm- und Rathausstraße.

Die Sorge um den innerstädtischen Handel und der Wunsch nach mehr Leben in der Innenstadt treiben die Abgeordneten zu diesem Schritt.

Schlecht bestellt ist es um den Fachhandel in der Bahnstraße und in umliegenden Bereichen eigentlich nicht, sagen Holger Scheibig vom Planungsbüro conceptfabrik und Marc Schwade von der Gesellschaft für Planungs- und Entwicklungsmanagement. 135 Geschäfte und wichtige Einrichtungen zählten die beiden Analysten, als sie im Frühjahr im Auftrag der Stadt ein Einzelhandels- und Zentrumskonzept erarbeiteten. Wittenberge sei so aufgestellt wie in der Regel Kommunen mit rund 30 000 Einwohnern. Die Kundschaft kommt zum Einkaufen aus einem ungewöhnlich großen Umkreis.

Händler beklagen Fehlen von Laufkundschaft

Aber: "Die Fußgängerzone sitzt wie ein Propfen in der Bahnstraße, teilt die Haupteinkaufsmeile in eine A- und eine B-Lage", sagen die Analysten. Die nördliche Bahnstraße, also der Abschnitt Richtung Bahnhof, "ist quasi abgehängt". Ähnlich sehen sie die Lage für die Wilhelmstraße. Dort ansässige Einzelhändler hätten auf das fast völlige Fehlen von Laufkundschaft verwiesen. Ein weiteres Manko: In der Fußgängerzone kann nicht geparkt werden.

Bereits vor vier bzw. fünf Jahren hatte es auch auf Initiative des "Prignitzer" einen Vorstoß von Wittenbergern, darunter auch zahlreiche Geschäftsleute, gegeben. Sie wollten schon damals die Abschaffung der Fußgängerzone. Wochenlang war das Thema im Gespräch. Anwohner, Parlamentarier, Geschäftsleute positionierten sich. Der "Prignitzer" erhielte viele Lesermeinungen. Pro und Contra. Die Abgeordneten entschieden sich für die Bummelmeile ohne Verkehr.

Abbiegen in die Auguststraße wird erlaubt

Mittlerweile hat sich die Situation aber verändert, auch verschärft. Damals schien es kaum denkbar, dass der Kaufhausbetreiber aus der Prignitz-Galerie ausziehen könnte. Jetzt mehren sich die Gerüchte, dass genau das im Frühjahr passieren soll. In der Prignitz-Galerie ist das Kaufhaus der größte, aber nicht der einzige Mieter. Aber: Zahlreiche Flächen sind nicht vergeben. Von Jahr zu Jahr zogen Anbieter aus, zurück bleiben leere Geschäfte. Das Einzelhandelskonzept macht auf den Wert eines Kaufhauses für die Innenstadt aufmerksam. Die Eigentümerin der Prignitz-Galerie hat jetzt die Miller Estate GmbH als Gebäudemanagementgesellschaft beauftragt, Mieter für das große Haus zu suchen. Die finden sich natürlich leichter, wenn die Kundschaft bequem das Haus erreichen kann. Stichwort Parkplätze. Eine Maßnahme soll deshalb sein, das Parkdeck der Prignitz-Galerie von der Bahnstraße über die Auguststraße anfahren zu lassen.

Nur langsam fahren 

Bei Öffnung der Fußgängerzone wird der Bereich zwischen Rathaus- und Wilhelmstraße zur Verkehrsberuhigung als Spielstraße ausgeschildert.

Von Rathaus- bis Bäckerstraße gibt es keine Einbahnstraßenregelung mehr.Im wieder befahrbaren Bereich werden 14 neue Parkplätze ausgewiesen.