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Prozess in Neuruppin Prignitzer Diebesbande muss sich verantworten

Von HATA | 08.12.2016, 05:00 Uhr

Fünf Männer sollen 63 Einbrüche begangen haben / Oft mehr Schaden als Beute

Sie legten eine beträchtliche kriminelle Energie an den Tag: Die fünf Männer zwischen 25 und 36 Jahren, die sich seit dieser Woche vor dem Landgericht Neuruppin wegen gemeinschaftlichen schweren Bandendiebstahls verantworten müssen.

Die Staatsanwaltschaft legt ihnen 63 Einbrüche zur Last, 23 blieben im Versuch stecken. Sie trieben ihr Unwesen unter anderem in Pritzwalk, Wittenberge, Karstädt, Meyenburg, Putlitz und Wittstock. Bis hinauf nach Mecklenburg verlagerten sie ihr Einzugsgebiet.

Nachts brachen sie in unterschiedlicher Besetzung in Geschäfte und Büros ein und entwendeten bevorzugt Geld oder Dinge, die sich schnell versilbern ließen, wie beispielsweise Werkzeuge oder elektrische Geräte. Sie brauchten alle Geld. Ronny R., auf dessen Konto allein 61 Taten gehen sollen, erinnerte sich daran, wie alles begann. Der gesondert verfolgte P. habe ihn angesprochen, er brauche Geld. Ob er mitmachen würde, so Ronny R.. Bei diesem Gespräch hätten sie in einer Spielhalle in Pritzwalk gesessen. Dorthin habe er auch seinen Erlös aus den Einbrüchen getragen.

Zum ersten Einbruch in ein Waldhotel in Pritzwalk habe P. den ihm bis dahin unbekannten Jens K. mitgebracht, so Ronny R.. In unterschiedlicher Besetzung seien sie zu den Tatorten gefahren, einer habe draußen Wache gehalten, die anderen seien in das jeweilige Haus eingedrungen, nachdem sie die Tür beziehungsweise ein Fenster mit verschiedenen Werkzeugen aufgebrochen hätten. „Jeder hatte mal etwas dabei“, sagte Ronny R., mit 36 Jahren der älteste des Quintetts, aber nicht der Rädelsführer, wie er betonte. Ihr erstes Einbruchsobjekt, ein Hotel in Pritzwalk, suchte die Diebesbande gleich fünf Mal auf, mit wechselndem Erfolg, mal konnten sie mit 900 Euro, dann mal nur mit 200 Euro entkommen. Laut Schadensaufstellung des Hotels stahlen sie insgesamt 3000 Euro. Ronny R. widersprach: „So viel war es nicht.“

Oftmals überstieg der angerichtete Schaden bei weitem die Beute. So wurden die Täter bei einem Einbruch in einen Freyensteiner Friseursalon zwar nicht fündig, doch der Schaden an der Tür betrug um die 5000 Euro. Bei einem Friseur in Wittenberge stahlen sie 80 Euro Bargeld und zwei Arbeitsgeräte, der Schaden dagegen belief sich auf 4000 Euro. Häufig standen die Einbrecher vor verschlossenen Türen, die sich auch nicht mit Gewalt öffnen ließen. Dann versuchten sie ihr Glück in derselben Nacht bei anderen Objekten. Die Beute teilten sie anschließend untereinander auf. Ronny R. verspielte das Geld sofort. Seit Jahren sei er spielsüchtig, das sei sein Hauptproblem, sagte er. Deshalb sei er bereits in Behandlung gewesen. Derzeit durchläuft er ein Insolvenzverfahren. Er, wie auch der mitangeklagte Christian C., sitzen wegen einer anderen Tat in Untersuchungshaft, die anderen befinden sich auf freiem Fuß.

Alle fünf Angeklagten haben ein gemeinsames Problem: Die Spielleidenschaft. Christian C. hat bereits in der Haft eine Therapie gemacht. Veit S. geht zur Suchthilfe. Auch Jens K. saß im Tatzeitraum beinahe täglich in der Spielhalle, wie er sagte. Und auch Christopher N. verbrachte eigenen Angaben zufolge viel Zeit an Spielautomaten. Außerdem spielten teilweise Drogen und Alkohol eine Rolle. Am 12. Dezember wird weiter verhandelt.