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Prignitz Prignitz ruft Notzeit für Rehe aus

Von Katarina Sass, Lars Reinhold | 28.12.2010, 05:58 Uhr

Nahrungsmangel in den Wäldern der Prignitz: Die untere Jagdbehörde hat offiziell die Notzeit für Rehwild in den heimischen Wäldern ausgerufen.

Grund sind die verharschte Schneedecke und der vereiste Boden. Das Rehwild hat deshalb Probleme bei der Futtersuche. "Der Regen und der anschließende Frost am 23. und 24. Dezember haben den Ausschlag gegeben", sagt Jörg Smolinski, Mitarbeiter in der unteren Jagdbehörde des Landkreises. Darüber hinaus sind Jagden in den Wäldern untersagt worden.

Die ausgerufene Notzeit gelte derzeit nicht für das Schwarzwild. "Da haben wir tatsächlich noch keine Probleme, weil Wildschweine Allesfresser sind und das Nahrungsspektrum entsprechend größer ist", so Smolinski. Sollte sich die Situation auch für Schwarzwild verschärfen, könne die Verfügung auf alle Schalenwild-Arten (Hornträger, Geweihträger und Schwarzwild) ausgeweitet werden.

Mit der gesetzlich vorgeschriebenen Verfügung ist die Anordnung im Brandenburger Jagdgesetz teilweise aufgehoben, das grundsätzlich die Fütterung von Wildtieren verbietet. Mit der ausgerufenen Notzeit sei allerdings keine Verpflichtung verbunden, die Tiere zu füttern. Das liege im Ermessen der Revierpächter, die dafür verantwortlich sind. "Sie müssen gewährleisten, dass die Tiere Zugang zu natürlicher Äsung bekommen", sagt Smolinski. Es darf aber nur mit Rauh- und Saftfutter gefüttert werden. Heu mache sich da am besten, problematisch sei es mit Silagen. "Darauf muss sich das Rehwild erst umstellen." Kraftfutter ist dagegen untersagt. "Die Tiere sollen ja nicht gemästet werden." Auch wer kein Jäger ist, kann die Tiere füttern, davon ist aber abzuraten. Küchenabfälle, Früchte, Backwaren und ähnliches ist ebenfalls verboten. "Die Tiere sollten das bekommen, was sie normalerweise auch im Wald finden würden", erklärt Smolinski die einfache Regel.

Um die Tiere nicht bei ihrer Futtersuche zu stören, bleibt sämtliches Wild in den Wäldern derzeit von der Flinte verschont. Im Umkreis von 200 Metern von Fütterungen ist die Jagd verboten, ebenso Bewegungsjagden, heißt es in der Anordnung.

Jürgen Teubner, Revierförster und Jagdpächter in Dallmin ist besorgt um die Bestände. "Insbesondere das Rehwild hat zu kämpfen, die verharrschte Schneedecke erhöht die Verletzungsgefahr, und wir müssen Füttern, damit die Tiere durchkommen." Zudem bittet Teubner, auf Spaziergänge durch den Wald zu verzichten. "Das scheucht das Wild unnötig auf, das sich sonstim Winter nicht mehr als nötig bewegt, um Kräfte zu sparen." Außerdem sei es bei der derzeitigen Schneebruchgefahr ohnehin viel zu gefährlich.