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Perleberg Plattdeutsch auch mit 90

Von rouf | 07.01.2019, 09:24 Uhr

Ursula Prieß erhält in Perleberg zum Jubiläum Glückwünsche der Bürgermeisterin

Aufgeregt und auch stolz war Ursula Prieß am Sonnabend. Schließlich wird nicht jeder 90 Jahre alt. Und rund 30 Gäste hatten sich für das gemeinsame Mittagessen und die kleine Feier danach angemeldet. Zuvor kam aber noch Bürgermeister Annett Jura, um die Glückwünsche der Stadt Perleberg zu überbringen.

Rasch kam man ins Plaudern. „Ich bin in Gülitz geboren und unter anderem in Tacken zur Schule gegangen. Das war in den Kriegswintern schwierig, einige Wochen ging es gar nicht und als wir wieder in der Klasse saßen, haben wir uns ein wenig geschämt, wie wenig wir wussten, erzählt Ursula Prieß. „Trotzdem ist aus uns allen etwas geworden. Weiter ging es mit der landwirtschaftliche Berufsschule, später besuchte sie auch die Landwirtschaftsschule in Perleberg, lernte dabei ihren Mann kennen. 1951 wurde geheiratet, drei Kinder zogen sie groß. Aber Ursula Prieß wollte mehr, erlernte den Erzieherberuf, bildete sich mehrfach weiter und erwarb die Befähigung als Unterstufenlehrerin für die Fächer Kunsterziehung und Schulgartenunterricht, war in mehreren Einrichtungen tätig. „Viele ehemalige Schützlinge kennen und grüßen mich noch, unterhalten sich gern mit mir“, sagt sie stolz.

Am heimatlichen Platt hält Ursula Prieß noch heute fest, ist Teil der kleinen Perleberger Plattdeutschgruppe. Schon als Kind, beispielsweise beim Kühehüten, hat sie längere Gedichte in der Mundart befasst, die sie gern bei Familienfesten und anderen Gelegenheiten vorträgt. Auch für Annett Jura hatte sie eines parat. Zudem wirkt die Jubilarin noch immer in der Singegruppe „Die Himmelblauen“ der Volkssolidarität mit. Aber da sie nicht mehr Auto fährt und schlecht zu Fuß ist, sorgen Familie und Bekannte dafür, dass Ursula Prieß an den Zusammenkünften teilnehmen kann. Gern würde sie noch häufiger literarische und kulturelle Veranstaltungen besuchen, aber dass lasse sich nur schwer organisieren.

Die Bürgermeisterin war für die Jubilarin keine Fremde, sie hatte diese in deren Wahlkampfveranstaltungen vor vier Jahren erlebt.