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Debatte in Perleberg Parchimer 5 keine Option fürs Archiv

Von Doris Ritzka | 22.12.2016, 05:00 Uhr

Verkauf steht nicht zur Debatte, verkehrliche Anbindung und bauliche Voraussetzungen sind zudem nicht geeignet für Bibliothek und Gedächtnis der Stadt

Das Archiv und die Bibliothek der Stadt ziehen um. Noch nicht heute und morgen, aber so schnell wie möglich. Der Große Markt 10 und 11 soll ihr neues Domizil werden. Die Mitglieder des Kultur- und des Stadtentwicklungsausschusses hatten signalisiert, dass sie dieser Variante den Vorzug geben.

Das Archiv platzt aus allen Nähten, das Anwesen am Wallgebäude, in dem die Stadtbibliothek ihr Domizil hat, ist energetisch gesehen ein Fass ohne Boden. Seit geraumer Zeit ringt die Stadt um eine Lösung und hat so im Zusammenwirken mit der BIG-Städtebau eine sogenannte vergleichende Betrachtung ausgeschrieben. Ins Kalkül gezogen wurden da das Kammergebäude der Stadtkasernen, Großer Markt 10 und mit Bibliothek das Ensemble Großer Markt 10 und 11 oder ein Neubau praktisch auf dem Hinterhof der Stadtverwaltung in der Karl-Liebknecht-Straße. Auch das alte Finanzamt war im Gespräch, wurde aber alsbald verworfen. Der Grund: zu groß.

Auf der Stadtverordnetenversammlung brachte Hans-Peter Freimark (SPD) die Sprache auf das Grundstück Parchimer Straße 5. Er regte an, dass die Verwaltung ernsthaft prüfen solle, ob jenes als Standort für Archiv und Bibliothek in Frage käme. Durch einen Umbau und die Sanierung würde im Zentrum der Stadt so ein weiteres Gebäude wieder zu einem Blickfang.

Das Bauamt prüfte. Das Ergebnis: Das Grundstück ist dafür ungeeignet. Zum einen wäre ein Wegerecht notwendig, da die Parchimer 5 hofseitig nur über das Nachbargrundstück (Nr. 6) erreichbar sei. Die räumliche Enge und die Tragfähigkeit des Untergrundes durch die Wassernähe seien zudem alles andere als günstig. Um die benötigte Magazinfläche zu erreichen ist ein Anbau erforderlich. Eine sogenannte Tiefengründung sei dann notwendig, um die Tragfähigkeit zu gewährleisten.

Die Stepenitz selbst sei ein weiterer Grund, der diesen Standort ausschließe. Denn die Anforderungen an die Aufbewahrung von Archiv- und Bibliotheksgut sagen aus, dass die Gebäude keiner Gefahr durch Hochwasser und andere Wasserschäden ausgesetzt werden dürfen.

Auch verkehrstechnisch sei der Standort umgangssprachlich eine Sackgasse. Lkw, die Material anliefern, vor allem aber die Feuerwehr, können das Anwesen, wenn überhaupt, auf keinen Fall aber schnell erreichen. Auf das Grundstück gelangt man fußläufig nur über die Parchimer Straße und seitlich nur über den engen Judenhof. Öffentliche Parkplätze sind in unmittelbarer Nähe nicht vorhanden.

Auch müsse man hier mit Altlasten rechnen. Denn auf dem Grundstück Parchimer Straße 6 wurde von 1879 bis 1990 eine chemische Reinigung betrieben. Last but not least: Die Grundstücke Parchimer 5 und 6 stehen nicht zum Verkauf.

Aus planerischer Sicht bieten sie mit der Wasserlage aber ideale Voraussetzungen für eine Wohnnutzung. Sanierte und möglichst barrierefreie Wohnungen im Altstadtbereich werden derzeit stark nachgefragt. Diesem Aspekt sollte hier der Vorzug gegeben werden, so die abschließende Anmerkung des Bauamtes.