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Rauen Nicht mehr als ein Schulterklopfen

Von Jeanette Bederke | 01.11.2012, 06:52 Uhr

Auf den ersten Blick ist das idyllisch gelegene Gut inmitten von Obstplantagen ein Anwesen zum Verlieben.

Würde Besitzerin Rosemarie Arenstedt Besucher über Gut Johannesberg am Rande von Rauen führen, sie hätte wohl im Handumdrehen interessierte Mieter. Doch so einfach ist die Sache nicht.

Das liegt vor allem an der heiklen Vorgeschichte. Der ursprüngliche Besitzer, der die 20 Hektar große, um 1900 errichtete Anlage mit zweistöckigem Wohnhaus, Gaststätte, Diskoscheune und Stallungen 2007 aus Altersgründen verkaufen musste, geriet an die NPD. Über eine schwedische Firma als Tarnung hatten die Rechtsextremen Gut Johannesberg erworben, um daraus ein Schulungsobjekt zu machen.

Als das bekannt wurde und der öffentliche Druck wuchs, stornierte der Alteigentümer den Verkauf. Rosemarie Arenstedt und ihr Schwager Johannes Stelten sprangen in die Bresche und kauften Gut Johannesberg. Die gebürtige Berlinerin ist in Rauen aufgewachsen und war nach der Wende selbst jahrelang Bürgermeisterin der 2000-Seelen-Gemeinde nahe Fürstenwalde. Was folgte, war ein jahrelanger Rechtsstreit mit der NPD, die schließlich per Räumungsklage vom Gut vertrieben wurde. Die Freude über den Erfolg wich bei Arenstedt und Stelten aber schnell der Ernüchterung.

"Zwar haben uns von Platzeck über Schönbohm bis hin zum damaligen Bundespräsidenten Wulf alle auf die Schultern geklopft, in Anerkennung unserer Zivilcourage - das war´s dann aber auch", sagt Arenstedt. Sie und ihr Schwager fühlen sich alleingelassen mit dem Gut, für das sie einen Kredit über 210 000 Euro aufnahmen. Selbst nutzen wollten beide das Anwesen nicht, das hatten sie von Anfang an deutlich gemacht. Die 76-jährige Rauenerin lebt auf dem von den Großeltern geerbten Grundstück in Rauen und praktiziert als Zahnärztin in Fürstenwalde. Stelten ist Steuerberater mit Büros in Köln und Dresden. Zu Beginn waren sie noch guten Mutes, schnell einen neuen Mieter zu finden. Sie vertieften Kontakte zum Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerk(EJF). Die wollte Gut Johannesberg als Heim für Problem-Jugendliche aus Berlin nutzen - das war wiederum den Anwohnern nicht recht. Noch dubioser wurde die Geschichte, als plötzlich Brandenburgs ehemaliger Innenminister Rainer Speer als Vermittler auftauchte und die Gemeindevertreter unter Druck gesetzt haben soll. Die ließen sich jedoch nicht beirren und legten nach langem Hin und Her schließlich ihr Veto gegen diese Pläne ein.

"Im Endeffekt war es die richtige Entscheidung", sagt Rauens Bürgermeister Sven Sprunghofer. So sitzen Arenstedt und Stelten noch immer auf dem Gut. "Mein Schwager träumt immer noch von einer sozialen Einrichtung. Doch das ist illusorisch", sagt die Zahnärztin. Sie ist noch immer Mitglied der Rauener Gemeindevertretung und kennt den Flächennutzungsplan des Ortes. "Das hier draußen ist Außenbereich. Da gibt es nur Freizeit und Erholung", sagt Arenstedt. Mieter, die aus dem Gut ein Feriendomizil "mit Pferden, Ziegen und anderen Tieren" machen, wären ihr am liebsten. Schließlich hatte der Alteigentümer hier auch jahrelang eine Pension betrieben. Beim Rundgang durch das Gutshaus sind die Türen zu Zimmern mit kleinem Bad noch immer nummeriert. Ansonsten wirkt das Gebäude heruntergekommen und abgewohnt. Das liege nicht nur an dem langen Leerstand, sagt die 76-jährige Besitzerin und weist auf die Reste eines Kamins. "Die Rechten haben alles mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest war."

Untätig waren die neuen Gutsbesitzer seit der Übernahme des Anwesens nicht. Ihre Söhne hätten die Fassaden aufgemöbelt, die Fenster gestrichen, die Dächer dicht gemacht, Heizungen repariert, Stromleitungen verlegt und neue Sanitäranlagen gebaut. Und so macht das Anwesen zumindest äußerlich einen passablen Eindruck. "Sonst sind potentielle Interessenten ja gleich verschreckt." Verkaufen will die Zahnärztin Gut Johannesberg nicht. "Es war so schwer, ins Grundbuch zu kommen - da gehen wir nicht wieder raus."