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Wittenberge Neu planen für die Vogelsiedlung

Von BAHA | 13.12.2017, 12:00 Uhr

Diesen Wunsch haben dort zahlreiche Bewohner

Familie Friede will im Amselweg an ihr kleines Siedlungshaus hinten zweigeschossig anbauen, damit auch die beiden Kinder genügend Platz haben. Die kreisliche Bauaufsicht hat das Vorhaben nicht genehmigt. Nach Baurecht sind derzeit in der Siedlung nur eingeschossige Anbauten genehmigungsfähig.

Friedes kämpfen weiter für ihr Projekt. Und sie stehen damit nicht allein. Die Abgeordneten im Bauausschuss, besonders dessen Vorsitzender Marcel Elverich (SPD) und sein Stellvertreter Detlef Benecke (CDU), sowie das Bauamt haben sich des Problems angenommen.

Und dabei geht es Abgeordneten und Verwaltung nicht vordergründig und schon gar nicht allein um Familie Friede und deren Nachwuchs. „Es geht um die Siedlung, darum, ob wir dort künftig anders bauen lassen, weil der Bedarf an Häusern und Wohnflächen sich im Laufe der Jahre verändert hat“, erklärte Benecke am Montagabend den rund 70 Wittenbergern – sehr viele von ihnen aus der Vogelsiedlung –, die der Einladung von Friedes und der Stadt ins Rathaus zu einer Anwohnerversammlung gefolgt waren.

Kurz und knapp formuliert ging es um die Frage: Wie kann die Siedlung, deren 109 Einfamilienhäuser in der Mehrzahl Ende der 30er Jahre entstanden, zukunftsfähig, sprich attraktiv für junge Leute gemacht werden. Ein Weg dahin wäre eine Änderung des Bebauungsplanes für die Vogelsiedlung, damit auch Anbauten an zweigeschossige Haupthäuser möglich werden. Das lasse das Baurecht in dieser Siedlung derzeit nicht zu, erläuterte Bauamtschef Martin Hahn. Und er erklärte gleichzeitig, dass sich damit aber auch die prägenden Elemente, die den klassischen Siedlungscharakter ausmachen, verändern würden. „Wir greifen dann in die baulichen Strukturen ein, verändern das Ortsbild.“

Marcel Elverich ermunterte die Bürger, ihre Meinung dazu zu sagen, „damit wir als Abgeordnete wissen, ob sie das auch als Chance sehen, die Siedlung zukunftsfähiger zu machen, weil dort dann auch junge Familien Häuser erwerben“. Und auch er betonte: „Wir reagieren hier nicht auf einen Einzelwunsch, es geht um grundsätzliche Entscheidungen mit langfristiger Wirkung.“

Ganz eindeutig die Position von Detlef Peters, Nachbar von Familie Friede: „Wir wollen doch junge Leute haben und die wollen eine Perspektive. Ein Haus kaufe ich mir doch nur, wenn es groß genug ist oder ich es ausbauen kann.“

Sebastian Helbig wohnt in der Vogelsiedlung, hat nach hinten hin eingeschossig ausgebaut. Aber auch er sagt, man solle Leute die Möglichkeit einräumen, nach hinten hin zweigeschossig auszubauen.

Ein anderer junger Mann, der sich für ein Haus in der Siedlung interessiert, wegen der geringen Wohnfläche im Haupthaus aber Abstand genommen hat, würde sich über neue Möglichkeiten freuen.

Die meisten Anwohner können sich vorstellen, dass das Baurecht in ihrer Siedlung überdacht wird, so die Grundstimmung in der Anwohnerversammlung. Allerdings gehen nicht alle mit, finden beispielsweise, „dass so riesige Anbauten doch etwas überzogen sind“. Auf jeden Fall wird sich der Bauausschuss nun, so fasste Elverich abschließend zusammen, mit der Siedlungsstruktur hinsichtlich des Baurechts befassen.

Enttäuscht waren an dem Abend vielleicht diejenigen, die sich – fußend auf der Tagesordnung – mehr Informationen zu den unbefestigten Wegen in der Siedlung bzw. zu deren Ausbau versprochen hatten. Marcel Elverich wie auch dem Bauamtschef blieb der Verweis auf die Prioritätenliste Straßenausbau. Danach rangiert die Vogelsiedlung sehr weit hinten.