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Die gemeinsame Musik schmiedet zusammen Nebeliner Bläser spielen für ihr Dorf

Von Ronald Ufer | 18.12.2016, 21:00 Uhr

Posauenchor kann auf lange Traditionen zurückblicken - Auch mehrere Frauen wirken in dem kleinen Ensemble mit

Die Nebeliner Feldsteinkirche war zum Adventsgottesdienst am Sonnabend gut gefüllt. Das Krippenspiel und der Gesang der „Feldspatzen“ des Dorfes lockten mehr Menschen in das Gotteshaus als üblich. Über ihren Köpfen begleiteten helle Klänge des Posaunenchors den Gottesdienst.

Für ihr Spiel mussten sich die zehn Spieler auf der Musikempore auf engsten Raum zusammenfinden. In drei Reihen kunstvoll gegeneinander versetzt, nutzten sie jeden Quadratzentimeter, um die Nebeliner mit ihren Liedern zu erfreuen. Konzentriert verfolgten alle das Geschehen im Kirchenschiff, damit die Einsätze klappten. Ein Dirigat war auf der Musikempore aus Platzgründen unmöglich. Zwischen den Stücken reichte der Raum nur, um Instrumente abzusetzen. Aufsteigende Wärme der Strahler sorgte dafür, dass die Finger nicht zu klamm zum Spielen wurden.

„Das war weniger schwierig als es aussah. Wir kennen uns fast alle schon seit vielen Jahren und spielen schon lange zusammen. Da funktioniert das Musizieren auch auf engsten Raum“, sagt Harko Schulz, der Leiter des Ensembles. Die elf Mitglieder, sechs Männer und fünf Frauen, verkörpern ein Stück Ortsgeschichte. „Eigentlich gab es schon immer einen Posaunenchor im Ort. „1977 hat die damalige Pfarrerfamilie viele Jugendliche überzeugt, mit der Bläsermusik zu beginnen. Das ging dann bisAnfang der 80er Jahre“, erzählt Schulz. „Dann verließ die Pfarrerfamilie aus Altersgrunden den Ort, bei uns Jugendlichen behielten andere Interessen die Oberhand, die Bläsermusik schlief ein.“

Erst zehn Jahre später griffen einige der einstigen Mitglieder wieder zu den Instrumenten, gefördert und betreut auch von Pfarrer Olaf Glomke. Seitdem hat Nebelin wieder einen Posaunenchor, der jede Woche im alten Pfarrhaus übt. Früher wurden freitags die Instrumente ausgepackt, seit einigen Jahren am Donnerstag um 19.30 Uhr. Nur während der Ferien herrscht Probenpause. „Diese Übereinkunft stammt noch aus der Zeit, als wir meist noch schulpflichtige Kinder hatten. Die sind jetzt zwar aus dem Haus, aber wie halten es noch immer so“, erläutert der Orchesterchef.

Es wird dabei nicht nur musiziert. Wenn die Instrumente weggepackt sind, wird auch noch ein Glas Bier getrunken, werden Neuigkeiten ausgetauscht. „Nebelin hat keine Gaststätte mehr, da ist das eine gute Möglichkeit zu erfahren, was im Ort passiert“, so Schulz. Außerdem leben nicht alle Mitglieder noch im Dorf. Einige sind aus familiären Gründen in Nachbarorte gezogen. Andere waren einige Jahre weg, kamen dann zurück. Die Musik half ihnen, rasch wieder heimisch im Dorf zu werden.

Der Posaunenchor versteht sich in vorrangig als Nebeliner Ensemble. „Wir spielen in erster Linie im Ort und für seine Einwohner, ziehen kaum noch über Land. Dafür fehlt uns einfach die Zeit, wir sind alle berufstätig, haben Familie. Mehr als eine Probe pro Woche ist einfach nicht möglich, dann kommen aber immer fast alle“ erzählt Schulz. „Wir sind Amateure, keiner hat sein Instrument studiert, einige haben es erst im Posauenchor erlernt.“

Denn der eine oder andere kam im Laufe der Jahre hinzu, aus musikalischem Interesse, weil der Partner dort spielte oder der Vater. So auch Lucas Ramm, mit 16 Jahren das jüngste Mitglied. Einige Mitglieder wirken auch noch in anderen Ensembles mit. Der hohe Frauenanteil, fast die Hälfte der Mitglieder, hat sich mit der Zeit eher zufällig ergeben, ist nicht das Ergebnis einer größeren Werbeaktion.

Lange bestand das Repertoire zu 90 Prozent aus Werken mit kirchlichem Hintergrund. Seit einigen Zeit werden auch mehr weltliche Stücke einstudiert, zum Beispiel Polkas. Denn der Posaunenchor kommt in Nebelin auch gern bei runden Geburtstagen vorbei und spielt ein Ständchen, das soll künftig häufiger geschehen und es nicht nur bei einem Kurzbesuch bleiben.

Ostern, Pfingsten, die Advents- und Weihnachtszeit sind traditionell die wichtigsten Auftrittszeiten der Nebeliner Musiker. Nach dem Gottesdienst zum vierten Advent sieht noch das traditionelle kleine Konzert am Weihnachtsabend bevor. In diesem Jahr nicht als Turmblasen, sondern es wird in und vor der Kirche musiziert. Danach ist bis Anfang Januar Auftritts- und Probenpause.