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Potsdam/Berlin Naturschützer und Forst gestalten zwei gläserne Wälder

Von Georg-Stefan Russew | 17.10.2011, 07:07 Uhr

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und die märkische Landesforstverwaltung haben gestern in Berlin das gemeinsame Projekt "Gläserner Forstbetrieb" gestartet.

Ziel des Forschungsvorhabens ist es, valide Erkenntnisse darüber zu gewinnen, ob ökologische und betriebswirtschaftliche Aspekte in einem ausgewogenen Verhältnis vereinbar mit effektiver Waldbewirtschaftung sind.

In zwei Modell-Forstbetrieben in Nord- und Südbrandenburg soll dies mithilfe der Universität Göttingen sowie der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde über einen Zeitraum von fünf Jahren getestet werden. "Wir erhoffen uns Aussagen unter anderem darüber, in welcher Form sich der aus dem Landeswaldgesetz abgeleitete Auftrag einer vorbildlichen Waldbewirtschaftung am rentabelsten erfüllen lässt", sagte Michael Duhr von der Landesforstverwaltung.

Der Nabu habe sich in der Vergangenheit stets sehr kritisch gegenüber Projekten der Landesforst gezeigt. "Mit dem Gläsernen Forstbetrieb haben wir erstmals die reale Chance, zu sehen, was unsere theoretischen Forderungen in der Praxis tatsächlich taugen", betonte Nabu-Sprecher Johannes Enssle. Nur immer mehr Naturschutz zu verlangen, ohne wirklich zu wissen, wie es sich in die Realität umsetzen lässt, reiche in Zeiten des Klimawandels nicht aus.

Die Landesforst hat für das Projekt ein etwa 1000 Hektar großes Areal auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Lieberose in der Nähe von Cottbus bereitgestellt. Die Nabu-Stiftung bringt ein etwa 700 Hektar großes Gelände am Wittwesee bei Rheinsberg ein. "Wir wollen standortgerechte, naturnahe, klimaplastische, produktive Wälder, die ökonomisch, ökologisch sowie sozial nachhaltig bewirtschaftet werden", so Duhr. Das sei ein anspruchsvolles Ziel, dass man aber nicht im Handumdrehen erreichen könne. Die Region Lieberose sei bereits heute recht trocken. "Spannend ist hier die Frage, wie die dort verbreiteten Kiefernforste in artenreiche und stabile Wälder überführt werden können", betonte Forstminister Jörg Vogelsänger (SPD). Der Laubwald-Anteil hier mache ganze vier Prozent aus. Ähnlich sehe es am Wittwesee aus. Hier machen Nadelhölzer einen Anteil von 98 Prozent aus. "Wir wollen die Region dort bewirtschaften und das Areal darauf vorbereiten, dass rund um den Wittwesee wieder Urwald entstehen kann", so Enssle.

Natürlich werden Nabu und Landesforst ihre Wälder in Eigenverantwortung beackern. Neu am "Gläsernen Forstbetrieb" sei die gemeinsame Lenkungsgruppe. Der gesamte Prozess sei offen und könne eingesehen werden. Die Landesforst bewirtschafte in der Mark etwa 1,1 Millionen Hektar Wald. Rund 600 000 Hektar sind in privater Hand.