Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion

Der Prignitzer Mehrheit um jeden Preis

Von Andreas Herholz | 13.10.2009, 07:32 Uhr

Alles fließt, alles scheint in Bewegung zu sein und vermischt sich.

Rot-Rot in Brandenburg, Schwarz-Gelb-Grün im Saarland. Mal jubelt die SPD und die CDU ist gefrustet, mal ist es umgekehrt. Keine Experimente, hatte einst Konrad Adenauer gewarnt. Ein Slogan, den sich auch Angela Merkel zuletzt im Wahlkampf zu eigen gemacht hatte. Doch allen Dementis zum Trotz: Längst loten die beiden einst großen Volksparteien neue Machtoptionen aus. Nach jahrelangen Modellversuchen in den Ländern wollen die Sozialdemokraten künftig Rot-Rot auch auf Bundesebene nicht mehr ausschließen. Bei Wahlergebnissen wie zuletzt bei knapp über zwanzig Prozent stellt sich langfristig nur die Frage, ob als Koch oder Kellner einer Koalition. Und auch die Union hat sich längst von Tabus verabschiedet. Nach der schwarz-grünen Premiere in Hamburg jetzt die Weichenstellung für eine Jamaika-Koalition mit FDP und Grünen in Saarbrücken. Was früher undenkbar erschien, wird jetzt beinahe schon selbstverständlich eingeübt. Mancher Wähler und manches Parteimitglied dürften sich ob so großer Flexibilität die Augen reiben. Um des Machterhalts oder auch des Machtgewinns willen werden da plötzlich Grundsätze und Überzeugungen über Bord geworfen oder zumindest unter Deck verstaut. Dass dabei das eigene Profil immer mehr auf der Strecke bleiben dürfte, scheint kaum noch jemanden zu stören. Eine SPD, die nicht davor zurückscheut, mit einem stasibelasteten Partner zu regieren, und eine CDU, die die Grünen gestern noch verteufelt hat und sie heute nach Kräften hofiert - Mehrheit um jeden Preis.