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Feuerwehr-Statistik Mehr Einsätze mit weniger Personal

Von lare | 27.02.2014, 22:00 Uhr

Prignitzer Brandschützer rückten 2013 zu 856 Einsätzen aus – Mitgliederzahl seit 2009 um elf Prozent gesunken

Sorgen in der Feuerwehr: Die Zahl der Einsätze steigt, die der Kameraden jedoch sinkt, und das teils rapide. Ein Blick in die Statistik:

Insgesamt 856 Mal mussten die Kameraden aller Wehren des Landkreises im vergangenen Jahr ausrücken – das ist der höchste Wert seit sieben Jahren. Lediglich 2010 gab es mit 791 Alarmierungen einen ähnlich hohen Wert, wie der Sachbereich Brand- und Katastrophenschutz der Kreisverwaltung jetzt veröffentlichte.

Für sich genommen ist diese Statistik noch nicht dramatisch. Die Brisanz wird erst deutlich, wenn man die Personalentwicklung im gleichen Zeitraum betrachtet: Zwischen 2007 und 2009 blieb die Zahl der Feuerwehrmitglieder, die aktiv am Einsatzgeschehen teilnehmen, mit 3900 bis 3950 Männern und Frauen relativ konstant. Seit 2010 allerdings geht die Zahl der Aktiven zurück. Im vergangenen Jahr waren 3775 Mitglieder in den Prignitzer Feuerwehren engagiert, 2011 waren es 3680 und 2012 noch 3508. Seit 2009 hat der Brandschutz damit mehr als 400 ehrenamtliche Mitglieder verloren, das entspricht fast elf Prozent der ursprünglichen Personalstärke.


Stadtwehren führen Einsatzstatistik an

Die Zahl der Einsätze ist regional sehr unterschiedlich. Spitzenreiter sind die drei Wehren der Stadt Wittenberge mit insgesamt 237 Einsätzen – darunter 79 Brände und 158 Mal technische Hilfeleistung (THL). Platz zwei belegen die Wehren Perlebergs mit 161 Einsätzen (71 Brände und 90 THL) gefolgt von der Feuerwehr Pritzwalk mit 110 Alarmierungen (55 Brände und 55 THL). Der Grund für die Höhere Belastung der Stadtwehren seieb vor allem überörtliche Einsätze, da sie im Gegensatz zu vielen kleinen Ortswehren über spezielle Technik wie Hubrettungsfahrzeuge und Gerätewagen verfügen, erklärte der stellvertretende Kreisbrandmeister Volker Lehmann auf der gestrigen Kreistagssitzung.

Bei den Gemeinden führt Karstädt die Statistik mit 96 Einsätzen an. Das Amt Bad Wilsnack/Weisen kam 2013 auf 76 Feuerwehreinsätze, die Groß Pankower Wehren rückten 51 Mal aus. Es folgen Plattenburg mit 50 Einsätzen, Putlitz-Berge mit 49 und Lenzen mit 45 Einsätzen. Am wenigsten hatten die Brandschützer im Amt Meyenburg und in der Gemeinde Gumtow zu tun – hier mussten sie 38 bzw. 36 Mal ausrücken. Auch über die Art der Einsätze gibt die Statistik Aufschluss. Bei den Alarmierungen dominieren ausgelöste Brandmeldeanlagen mit 106 Fällen deutlich. Vielfach entpuppen sich diese als technisch bedingte Fehlalarme. Tatsächlicher Einsatzschwerpunkt sind die mittelgroße Brände: 72 weist die Statistik aus. Es folgen Klein- sowie Container- und Ödlandbrände, die 57 bzw. 46 Mal gemeldet wurden.

Bei den technischen Hilfeleistungen dominieren Sturmschäden mit 112 Alarmierungen deutlich, gefolgt von 71 Einsätzen bei Verkehrsunfällen (davon 50 mit und 21 ohne eingeklemmte Personen) sowie 67 Einsätze zum Abbinden ausgetretener Flüssigkeiten. Weiterhin leisten die Blauröcke häufig Amtshilfe für den Rettungsdienst, um Türen zu öffnen (62 Fälle) oder beim Tragen von Patienten zu helfen (28 Fälle). Unter Hilfeleistungen fallen zudem Sicherheitswachen nach Brandeinsätzen oder bei Veranstaltungen, die 2013 sogar 60 Mal in der Statistik auftauchen. Mit Blick auf den Jahresverlauf hatten die Blauröcke im Juni mit 120 Einsätzen am meisten zu tun. „Und da ist das Hochwasser nicht eingerechnet“, betonte Lehmann und verwies auf die unzähligen Stunden, die die Wehren zur Abwehr der Flut im Sommer geleistet hätten. Die wenigsten Alarme, 44, gab es im September. Der Monatsschnitt lag bei 71 Einsätzen.


Keine Lösungen für das Personalproblem

Wie dem zunehmenden Missverhältnis von Einsatzaufkommen und Personal entgegen zu wirken ist, darauf konnte Lehmann keine pauschale Antwort geben. „In Abstimmung mit der Potsdamer Leitstelle werden die Ausrückeordnungen permanent aktualisiert, so dass der Brandschutz gewährleistet bleibt.“ Eine Möglichkeit, auch mit Blick auf den Demografischen Wandel und den dadurch weiter Schrumpfenden Einsatzabteilungen erfolgreich Brand- und Katastrophenschutz zu betreiben sei das Programm der Stützpunktfeuerwehren, wie es in mehreren Ämtern und gemeinden bereits praktiziert wird.

Erich Schlotthauer, Leiter des Sachbereichs Brand- und Katastrophenschutz, kommentiert das Problem auf Nachfrage viel grundlegender. „Wir müssen die Region vor allem durch ausreichend gute Arbeitsplätze für junge Menschen attraktiv machen, damit sie nach Schule und Ausbildung hier – und damit den Feuerwehren – erhalten bleiben.