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Der Prignitzer Kloster Chorin steht vor Finanz-Problem

Von rümm | 14.10.2011, 10:36 Uhr

Das Kloster Chorin – Baudenkmal und kulturelles Aushängeschild einer ganzen Region mit jährlich 90 000 Besuchern – steht finanziell auf wackligen Beinen.

Die acht Gemeinden im Amt Britz-Chorin-Oderberg im Landkreis Barnim wollen nicht länger für den defizitären Betrieb aufkommen. Ein neuer Geschäftsbesorgungsvertrag, der die Bewirtschaftung der Anlagen zwischen Land und Kommunen regeln soll, wurde vom Amtsausschuss überraschend nicht abgesegnet. „Als Begründung nannten viele Bürgermeister die angespannte Haushaltslage in ihren Gemeinden“, erklärt Amtsdirektor Ulrich Hehenkamp. Das Jahresbudget des Klosters liegt laut Amtskämmerei bei 380 000 Euro. Dem standen den Angaben nach Einnahmen von nur 320 000 Euro gegenüber. 2011 droht der Gesamtzuschussbedarf weiter anzuwachsen „Dieses Geld haben wir einfach nicht mehr“, so Martin Krüger, Vize-Bürgermeister in Oderberg. Der Stadt fehle das Geld hinten und vorne. Gleichzeitig leiste man sich aber die Unterhaltskosten für das Kloster, eine Landesimmobilie. Ihre Kritik wollen die Bürgermeister nicht als Votum gegen das Kloster verstanden wissen. Das Ensemble sei nicht nur wegen des „Choriner Musiksommers“ Touristenmagnet und damit Wirtschaftsfaktor. Martin Krüger sieht das Land in der Pflicht. Laut Ulrich Hehenkamp können einige Gemeinden keinen ausgeglichenen Haushalt mehr vorlegen. Vier Kommunen im Amtsbereich befänden sich in der „vorläufigen Haushaltsführung“: Liepe, Oderberg, Niederfinow und Chorin. An der Klosterfinanzierung dürften sie nicht beteiligt werden, da sie sich in Konsolidierung befinden. Amtsdirektor Hehenkamp erklärt auf Nachfrage, dass der alte Bewirtschaftungsvertrag im August 2012 ausläuft. „Bis Ende dieses Jahres sollten wir eine Lösung parat haben“, sagt er. Den Klosterbetrieb an sich sieht er nicht in Gefahr. Als Ergebnis eines Treffens mit Vertretern von Land, Klosterbetrieb und Amtsverwaltung will das zuständige Finanzministerium bis Anfang November den Entwurf für einen neuen Geschäftsbesorgungsvertrag vorlegen. In Potsdam ist man von der Kontroverse um das Kloster offenbar irritiert. Das Land wende „beträchtliche Mittel“ zum baulichen Erhalt der Choriner Anlagen auf, so Thomas Vieweg, Pressereferent im Landesfinanzministerium. „Im Landeshaushalt sind 1,95 Millionen Euro für die Sicherung des Kirchenschiffes eingeplant.“ Allein 950 000 Euro sollen 2012 fließen.Kloster-Verwalterin Franziska Siedler erklärt den höheren Finanzbedarf, der sich auch aus Um- und Ausbauprojekten des Landes ergebe. „Seit 2007 stieg die Zahl unserer Schauräume. Damit erhöhten sich aber auch die Unterhaltskosten“, sagt sie. Das Land übernehme die Investitionen, die Gemeinden die laufenden Kosten mit Personal.