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Advent in der Prignitz Kleine Wunder am Wegesrand

Von rant | 11.12.2017, 12:00 Uhr

Freunde treffen, Gaumenfreuden genießen oder einfach nur bummeln – zahlreiche Gemeinden luden zu Budenzauber und festlichen Klängen

Die Vorweihnachtszeit bietet mehr als nur Glühwein, Bratwurst und Co. Das zeigen die Adventsmärkte, die die Menschen am vergangenen Wochenende in ehrenamtlicher Organisation liebevoll vorbereitet haben. „Der Prignitzer“ schaute sich um.

Lenzen Beim Bummel über den kleinen Weihnachtsmarkt im Angesicht des mächtigen Burgfrieds fiel auf, dass viele ehemalige Lenzener der alten Heimat am Sonnabend einen Besuch abstatteten. So wie der in Berlin sesshaft gewordene Kai Dahlke, der mit seiner aus Wootz stammenden Lebensgefährtin Claudia Wendt und den Kindern Inga und Rasmus beim von der Stadt, dem Trägerverbund Burg Lenzen, dem Lenzener Carnevals-Club (LCC) und dem Tourismus- und Kulturverein Lenzen gemeinsam organisierten Weihnachtsmarkt vorbei schaute. „Wir haben unseren Ausflug nach Lenzen extra so gelegt, dass wir uns hier auf dem Weihnachtsmarkt mit der ganzen Familie treffen können. Für mich ist es aber auch überraschend, wie viele alte Freunde, die auch nicht mehr in Lenzen wohnen, man hier trifft“, erzählt der 43-Jährige und preist das besondere Flair auf dem Burghof an.

„In Berlin gibt es Weihnachtsmärkte zu Hauf, aber nicht mit so einer schönen Burg dahinter. Außerdem sind die Preise hier human“, meint der Berliner und macht sich auf den Weg zur Bühne, wo seine Kinder sich gerade dem eingetroffenen Nikolaus alias Hans-Georg Lamprecht vorstellen.

Lennewitz „Seit nunmehr fast 20 Jahren organisiert die Evangelische Kirchengemeinde Lennewitz für die 32 Einwohner des Dorfes einen besonderen Höhepunkt“, so Andreas Haufe, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates. „Erst gibt es in der Kirche ein Konzert oder eine Lesung und dann treffen wir uns draußen auf unserem Weihnachtsmarkt.“

Und so war es auch in diesem Jahr: Fast 40 Besucher fanden sich in der Kirche ein. Reinhard Jung, Pressesprecher des Gemeindekirchenrates, begrüßte die Gäste mit den Worten: „Mir einem kleinen Konzert und einem kleinen Weihnachtsmarkt wollen wir Vorfreude auf die Weihnachtszeit schaffen.“ Die Sängerin Doreen Bäther aus Garz an der Havel hat kurzfristig für den erkrankten Thomas Just Ersatz gefunden, so dass das Konzert stattfinden konnte. Bäthers ehemaliger Musik- und Gesangslehrer Karl-Heinz Gorges aus Schollene sprang ein und rettete somit das Lennewitzer Weihnachtskonzert. Begeistert sind die Konzertbesucher als dieser sich zu Beginn an die 1877 erbaute Lütkemüller-Orgel setzt und Solistin und die Zuhörer beim Lied „Macht hoch die Tor, die Tür macht auf“ begleitet. Danach gestalten Gorges und Bäther ein rund einstündiges Konzert mit weihnachtlichen Liedern und Gedichten.

Anschließend treffen sich alle unter der Friedenseiche. Hier stehen vier kleine Pavillons und darunter kleine Stände, an denen es Bratwurst, Steak, Kaffee und Kuchen, Glühwein, Plätzchen und Waffeln gibt. Andreas Haufe hat hinter den Kulissen die Strippen gezogen, so dass alles klappt, verrät Reinhard Jung.

Glöwen Weihnachtlich geschmückt ist der Saal der Gaststätte „Zur Quelle“. Hierher hat der Ortsbeirat die Bürger aus Glöwen und den Gemeindeteilen Groß Leppin, Zarnikow und Storbeckshof eingeladen. Bevor der Posaunenchor mit weihnachtlichen Klängen den unterhaltsamen Nachmittag einläuten, begrüßt Ortsvorsteher Raimar Heering die Gäste. In einem Jahresrückblick erinnert er daran, dass die ehemalige Kaufhalle „endlich verschwunden ist und dass zahlreiche Bäume ein Opfer der Stürme in diesem Jahr wurden“. Für das kommende Jahr kündigt Heering mit den Ortsjubiläen in Groß Leppin (770 Jahre) und Zernikow (530 Jahre) sowie dem Dorffest am 7. Juli die nächsten Höhepunkte an. „Auch der Posaunenchor feiert im kommenden Jahr seinen 70. Geburtstag“, so Heering zum Abschluss.

Danach übernehmen die Musiker des Posaunenchores, die gemeinsam mit den Schülern der Oberschule, den Bendelinern sowie den Line-Dancern das Programm gestalten. Zwischen Kaffee und Kuchen sowie dem Abendessen verbringen die Gäste kurzweilige Stunden. Und auch der Weihnachtsmann kommt zur Bescherung vorbei.

BentwischGemütlich ist der kleine Weihnachtsmarkt auf dem ehemaligen Schulgelände. Um 14 Uhr ist es aber noch ruhig, denn die Besucher lauschen dem Kirchenkonzert des Singekreises Kurt Rabbach. Die Spenden aus dem Konzert kommen dem Gotteshaus zugute, unter anderem fürs Stimmen der Orgel. Die Mitglieder des Vereins „Alte Schule“ bereiten indes alles vor. „Wir haben Kuchen und Brot aus dem Buschbackofen. Außerdem gibt es einen kleinen Flohmarkt“, erzählt Vereinsvorsitzende Angela Badke. Zum zweiten Mal findet der kleine aber feine Markt unter Federführung der Ehrenamtler aus dem Verein und dem Ortsbeirat statt. Zu den ersten Besuchern gehören am Sonnabend Gerda und Günter Granzow aus Wittenberge. „Der Markt ist klein und gemütlich. Wir wollen einfach nur ein bisschen die Zeit genießen“, sagt Gerda Granzow.

WeisenRichtig voll ist der Parkplatz vor dem Landmarkt. Im Kreis sind die Hütten aufgebaut, es duftet nach Bratwurst und Glühwein. Mittendrin ist auch Monika Leu. An ihrem Stand bietet sie selbstgemachte Marmeladen und Fruchtpunsch an. Blaubeer-Thymian-, Blaubeer-Banane- oder auch eine Tomatenmarmelade verkauft sie. Kosten ist natürlich erlaubt.

„Ich mache das eher als Hobby, verkaufe nur hier auf dem Weihnachtsmarkt oder wenn jemand zu Hause bei mir klingelt“, sagt sie. Es sei seit fünf Jahren ihr Hobby, gesammelte Waldfrüchte zu Gaumenfreuden zu verarbeiten. „Es ist wie eine Therapie, die Früchte zu sammeln und zu verarbeiten“, meint sie augenzwinkernd.

Bad Wilsnack „Wir führen den Weihnachtsmarkt in dieser Form das letzte Mal durch“, sagt Michael Koppisch, Vorsitzender des Vereines Aktiv für Bad Wilsnack am Freitag. Im kommenden Jahr soll der Markt an zwei Tagen stattfinden. „Bedauerlich ist, dass das Kinderkarussell einen Tag vorher aus technischen Gründen absagen musste.“

An den Buden gibt es auch kleine Geschenke. Hobbymalerin Roswitha Gaube bietet ihre Werke an. „Ich male überwiegend Natur und Tiere in Acryl auf Leinwand“, sagt sie. „Dabei entdecke ich auch die kleinen Wunder am Wegesrand.“ Damit meint sie die Pflanzen, an denen wir oft achtlos vorübergehen.