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Perleberg Keine weiße Weihnacht in Sicht

Von Doris Ritzka | 20.12.2016, 10:05 Uhr

Hobbymeteorologe Günter Redlin beobachtet seit 1993 das Wetter über Perleberg und verheißt milden Winter, aber heißen Sommer

Seit 1993 beobachtet Günter Redlin, was sich wettertechnisch am Himmel über Perleberg tut. Seine monatlichen Berichte stellt er seit 2003 dem „Prignitzer“ zur Verfügung, seit 1996 geht der Jahresbericht ans Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, denn auch dort interessiert man sich durchaus für die über 100 Seiten füllenden Aufzeichnungen. Zum Brandenburger Ehrenamtsempfang erhielt so auch der 91-Jährige eine Einladung von Ministerpräsident Dietmar Woidke und der Präsidentin des Landtages, Britta Stark, in die Staatskanzlei nach Potsdam. „Jünger und gesund wäre ich gern gefahren“, gesteht er, doch so musste er absagen.

Fürs Wetter hat Günter Redlin eigentlich schon immer einen Faible. Wen wundert’s, sein Vater war Landwirt, er ist mit der Landwirtschaft großgeworden, besuchte in Wittstock die „Ackerbauschule“. Mit der Hochschule klappte es auf Anhieb nicht – „sie gab es nach dem Krieg nicht mehr“, so der 91-Jährige. Statt dessen wurde er Berufsschullehrer im Bereich der Landwirtschaft und absolvierte eine Ausbildung in Jüterbog.

Dann ging es in den Kreis Prenzlau und 1950 schließlich nach Perleberg, wo er mit dem Aufbau der landwirtschaftlichen Fachschule in der Quitzower Straße beauftragt wurde. Mit seinen Schützlingen fuhr er immer zur Wetterstation nach Weisen, die von einem älteren Ehepaar betreut wurde. „Das mache ich auch, wenn ich Rentner bin“, sagte er sich damals.

Gesagt, getan. 100 000 Daten hat der Perleberger Hobbymeteorologe seit 1993 gesammelt, handschriftlich aufgelistet und teilweise auf Millimeterpapier in Diagrammen dargestellt bzw. tabellarisch festgehalten. Mit der täglichen Messung der Temperatur begann alles, 1998 kamen die Niederschläge hinzu, 2001 Luftdruck und -feuchte, 2003 dann die Wolkengattungen. 13 Stationen, im und ums Haus verteilt, liest er täglich bei Wind und Wetter ab.

Neun Bücher mit Wetterdaten hat er inzwischen an die Stadt übergeben. „Ich möchte einfach, dass sie nicht verloren gehen.“ Übrigens auch Gerhard Schröder, damals Bundeskanzler, erhielt 2000 einen Bericht von Günter Redlin, und ein Jahr später schickte er auch einen an den damaligen Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Jürgen Trittin. Auch darüber hat er ganz genau Buch geführt.

Einem vor allem zeitaufwendigen Hobby hat der 91-Jährige sich verschrieben, das einen 365 Tage im Jahr fordert. Urlaub, das war für ihn so lange er noch gut zu Fuß war der Weg an die Elbe oder der Spaziergang im Wald. „Ich liebe die Natur und will mit meinen Wetterbeobachtungen mit erreichen, dass man ihr auch die Bedeutung zuerkennt.“ Nicht von ungefähr ist der Hobbymeteorologe so auch ein gefragter Mann, wenn es um Wetterkapriolen geht. Bei Sturmschäden klingelt das Telefon noch heute. „Ich kann anhand meiner Aufzeichnungen genau sagen, wie stark der Wind bei uns geweht hat bzw. wieviel Niederschlag in kürzester Zeit ’runtergekommen ist.“

Und wie wird das Wetter nun zu Weihnachten? „Mild wie wohl auch der gesamte Winter. Es wird aber schon schneien und auch Minusgrade geben, aber alles ist nicht von Dauer.“

Für den Sommer verheißt der Hobbymeteorologe hingegen viel Sonnenschein und heiße Temperaturen. Dennoch sei es aus Sicht von Günter Redlin gut, dass niemand am Wetter drehen, man es vorhersagen und der Mensch sich so auf etwaige Wetterereignisse einstellen kann.