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Motrich/Cumlosen Kein Wasser aus dem Hahn

Von Katarina Sass;Hanno Taufenbach | 06.12.2010, 06:50 Uhr

Erneuter Rohrbruch, erneut vier Dörfer ohne Wasser.

Gestern Vormittag ereignete sich binnen 24 Stunden eine zweite Havarie in der Gemeinde Cumlosen. Wie schon am Sonntag waren die Dörfer Motrich, Cumlosen, Wentdorf und Müggendorf von der Wasserversorgung abgeschnitten. Das bestätigte Jörg Seidel vom Westprignitzer Trink- und Abwasserzweckverband (WTAZV).

Grund für die Probleme seien andauernde Arbeiten an der Gasleitung, die zwischen Bentwisch und Motrich die Straße unterquert. Dadurch sei ein Teil der Wasserleitung betroffen. "Es kommt zu Erschütterungen und diese beschädigen unsere Leitung", erklärte Seidel. Dabei handele sich um eine Asbest-Zement-Leitung. Diese sei sehr anfällig, könne leicht brechen. Der Frost erschwere die Situation zusätzlich. "Deshalb hatten wir innerhalb so kurzer Zeit zwei Störungen." Mitarbeiter des WTAZV waren am Vormittag dabei, das Problem zu beheben, was gegen 13 Uhr gelang. Allerdings seien weitere Rohrbrüche nicht auszuschließen.

Kein Wasser ab Mittwoch, 22 Uhr

Deshalb will der WTAZV rund 20 Meter Leitungslänge austauschen und komplett erneuern. Gestern früh wurde das Material bestellt. "Wir planen die Arbeiten diese Woche in der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag", kündigt Seidel an. Voraussichtlich werde das Wasser ab Mittwochabend 22 Uhr abgestellt. Eine Information an die Einwohner werde noch per Wurfzettel verteilt. Die Reparatur solle noch während der Nachtstunden abgeschlossen sein.

Die Arbeiten an der Gasleitung begannen bei klirrender Kälte und Temperaturen um minus zehn Grad. Zwischen Bentwisch und Motrich ist die Straße aus diesem Grund für Autofahrer nur halbseitig befahrbar.

Rainer Kröger von der Verbundnetz Gas AG beaufsichtigt die Bauarbeiten, bei denen bereits das Rohr in einigen Meter Tiefe freigelegt ist. Ein Bagger hievte die Erde rund um die Leitung aus dem Loch, so dass die Männer an das beschädigte Rohr kamen. Daneben wird das Grundwasser abgesenkt, um an die Leitung zu gelangen. "Wir müssen mitunter auch nachts arbeiten", sagte Kröger.

Die Reparatur ist die Konsequenz einer Molchung aus dem Jahr 2007. Zur Erklärung: Dabei wird ein so genannter Molch durch die Leitungen des Gasnetzes gepresst, um die Leitungen zu überprüfen. Verschiedene Daten werden aufgenommen. "Das ist eine turnusmäßige Überprüfung", sagt Ralf Borschinsky, Pressesprecher vom Ferngasbetreiber Ontras.

Bei der Leitung bei Bentwisch handelt es sich um die Pipeline, die von Salzwedel nach Rostock verläuft und Abnehmer in der Prignitz hat. An der Stelle zwischen Bentwisch und Motrich tauscht Ontras derzeit das Mantelrohr, dass sie Leitung schützt, gegen eine moderne Kunststoffisolierung aus. "Das ist heute nicht mehr üblich", so Borschinsky. Allerdings sei diese Bauweise unterhalb von Straßenkreuzungen noch immer weit verbreitet. Ein Relikt aus DDR-Zeiten, als die Hauptstraßen noch nicht derartigen Belastungen ausgesetzt waren, erklärt Borschinsky.

In der Prignitz entfernte Ontras bereits die Ummantelung bei einem Abschnitt nahe Karstädt. Das soll es dann vorerst gewesen sein. Im vergangenen Oktober schickte der Gasnetzbetreiber den Molch durch die Rohre zwischen Schöneberg und Perleberg. Die Ergebnisse werden erst in etwa drei Monaten erwartet. Je nachdem wie sie ausfallen, machen sich auch in jenem Bereich Bauarbeiten erforderlich.