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Prignitz IM steht an Spitze der Awo Prignitz

Von Hanno Taufenbach | 22.03.2012, 07:05 Uhr

Der erst seit dem 1.

März als Geschäftsführer für die Awo Prignitz tätige Rainer Greve soll IM des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) gewesen sein. Das geht aus einem Gutachten für die Enquete-Kommission des Landtags Brandenburg hervor, welches heute öffentlich vorgestellt wird und unserer Redaktion vorliegt wie auch eine Stellungnahme Greves dazu.

"Das MfS hatte nach Aktenlage seit 1984 Kontakt zu Greve und führte ihn seit 1985 als IMS ,Thomas", heißt es in dem Gutachten und weiter: "In dem überlieferten IM-Vorgang des MfS hieß es, dass Greve alias ,Thomas unter anderen zu Friedensgottesdiensten und Gemeindeabenden eines evangelischen Kirchenkreises, der Vorbereitung eines

Kreisjugendkonvents und Taufgottesdienstes sowie zu jugendlichen Teilnehmern der Friedensdekade 1985 aus der Bundesrepublik berichtete." Zwischen 1987 und 1988 soll Rainer Greve laut den überlieferten Akten vier Geschenke vom MfS im Wert von 100 Mark erhalten haben.

Seine Verpflichtung sei im November 1985 per Handschlag erfolgt. Sein Führungsoffizier habe auf eine schriftliche Erklärung mit Blick auf die "Besonderheit seines evangelischen Glaubensbekenntnisses als Christ" verzichtet, heißt es in dem Gutachten. Man wollte keine moralischen Widersprüche erzeugen, lautet die Begründung dazu. Über seine Tätigkeit schrieb der Führungsoffizier: "Der IMS Thomas’ wurde insbesondere zur Informationsgewinnung über die politisch-operative Lage und Situation der kirchlichen Jugendarbeit und Partnerschaftsbeziehungen in der Jungen Gemeinde’ Falkenhagen und im Kreisjugendkonvent eingesetzt."

1987 habe Greve seine IM-Tätigkeit von sich aus beenden wollen, doch zu einem Bruch mit dem MfS kam es wohl nicht. Im Jahr darauf gab es erneut Kontakte und selbst im November 1989 erwog das MfS noch, Rainer Greve als IM im Neuen Forum Pritzwalk zu platzieren. Für alle getroffenen Aussagen gibt der Gutachter Quellen an, zumeist handelt es sich um Unterlagen der Stasi-Behörde.

Der Vorstandsvorsitzende des Awo-Kreisverbandes und bisherige Geschäftsführer Wolfgang Schulz sagte gestern gegenüber unserer Zeitung: "Herr Greve hat mich über den Sachverhalt informiert, ich selbst kenne das Gutachten noch nicht." Daher wolle er keine voreiligen Schlüsse ziehen. Man müsse alles prüfen, Fakten abwarten. Nach jetzigem Kenntnisstand sei der Fall des 44-Jährigen nicht vergleichbar mit dem des Perleberger Bürgermeisters Fred Fischer, so Wolfgang Schulz. Als SPD- Fraktionschef gehört er in diesen Tagen zu den heftigsten Widersachern von Fischer im Zusammenhang mit dessen mutmaßlicher IM-Tätigkeit.

Rainer Greve gab gestern gegenüber unserer Zeitung eine schriftliche Erklärung zu den Veröffentlichungen im Gutachten ab: "Richtig ist, dass in den Jahren ab 1984 Kontakt zu einem ,Jugendfreund bestand und es zu sporadischen Treffen kam. Erst im Laufe der Jahre realisierte ich, dass dieser beim Ministerium für Staatssicherheit (MfS) angestellt war", schreibt Greve und weiter: "Trotzdem war mir nicht bewusst, eine mündliche Verpflichtung zur inoffiziellen Tätigkeit für das MfS abgegeben zu haben bzw. als IM tätig gewesen zu sein." Inzwischen habe er in ersten Opfergesprächen mit dem betroffenen Pfarrer im Ruhestand Ulrich Preuß "mit Betroffenheit zur Kenntnis nehmen müssen, dass Inhalte aus den oben genannten Treffen vom MfS in Treffberichten erfasst wurden. Es tut mir unendlich Leid, dass auf diese Weise Informationen über vertraute Personen an das MfS gelangt sind und ich darf mich dafür entschuldigen."

Rainer Greve wolle selbst Akteneinsicht bei der Stasi-Behörde beantragen und danach die Opfergespräche fortsetzen.