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Vortrag in Weisen Honeckers Leben lag in seinen Händen

Von RANT | 09.12.2017, 05:00 Uhr

Ex-Personenschützer Bernd Brückner hält einen Vortrag mit spannenden Geschichten über die „10“ in Weisen

Der Lärm war ohrenbetäubend, die Menge brüllte und der damalige DDR-Staatschef Erich Honecker musste Flaschen ausweichen, die wütende Demonstranten in seine Richtung warfen. Dieses Szenario ereignete sich 1989 im sowjetischen Magnitogorsk. Mittendrin war Bernd Brückner, der letztlich das Signal gab, dass Honecker die Bühne schnellstens verlassen sollte.

Wohl kaum ein anderer war Erich Honecker so nahe wie Bernd Brückner. Er war 13 Jahre lang der Personenschützer des Staatschefs und veröffentlichte über seine Erfahrungen bereits ein Buch. Aus erster Hand berichtet er am Sonnabend, den 24. Februar 2018, im Landmarkt Weisen von seinen Erlebnissen und lädt zur Diskussion. Der Kartenvorverkauf für die Veranstaltung beginnt kommenden Montag.

Die „10“ war die Tarnbezeichnung von Erich Honecker, Bernd Brückner war Chef des Kommandos 10 und somit lag Honeckers Leben in seinen Händen. Anekdoten gibt es viele. Da wurde die Autobahn Berlin-Rostock gesperrt, wenn „EH“ zu seinem Jagdsitz am Drewitzer See gebracht wurde. In Mosambik waren die Fahrer der Motorradbegleitkolonne angetrunken wie auch der Fahrer von Honeckers Straßenkreuzer. Rätselhaft bis heute ist der Verbleib von Honeckers Pistole in einem Wald. Brenzlig wurde es, als Erich Honecker einmal für vier Stunden im Wald verschwunden war – der Staatschef scherte sich bekanntermaßen wenig um seine Sicherheit. Einmal musste Bernd Brückner ihm das Leben retten: Beim Schwimmen im Schwarzen Meer.

Brückners letzter Arbeitstag war der 18. Oktober 1989. Damals war er in der Schorfheide und erfuhr mittags aus dem Radio vom Ende der DDR. „Ich habe im gesamten Gebiet die Alarmsirenen angestellt, weil ich wusste: Das ist auch dein letzter Arbeitstag“, berichtet der Stasi-Major in seinen veröffentlichten Erinnerungen.

Von all dem und mehr wird der 68-jährige Brückner den Besuchern der Veranstaltung am 24. Februar erzählen. Mit organisiert hat Brückners Auftritt in Weisen Reinhard Meyer, Seniorchef der Coiffeur GmbH. „Ich habe Herrn Brückner im Jahr 2014 kennen gelernt, als er einen Honecker-Vortrag in dessen ehemaligem Jagdobjekt in Drewitz hielt, das inzwischen ein Hotel ist“, erzählt Meyer. Fünfmal gab es diese Veranstaltung seitdem an diesem authentischen Ort, wo Honecker andere DDR-Politprominenz und den Sowjet-Botschafter Pjotr Abrassimow empfing. Die sich an den Vortrag anschließende Diskussion am 24. Februar könnte durchaus lebhaft werden. Denn Brückners Bewertung seines ehemaligen Chefs ist streitbar. So zitiert ihn Spiegel-Online mit den Worten: „Ich konnte ihm nicht gram sein. Warum auch? Er hat nichts Unrechtes getan, er war lediglich gescheitert“, nachdem Brückner seinen früheren Chef 1992 ein letztes Mal im Gefängnis in Moabit besuchte.